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Elvis Presley war ein großer Fan von Weihnachten. Er liebte üppige Weihnachtsdekoration und traditionelle Festtage zuhause im Kreis von Familie und Freunden. Bei der Aufnahmesession für das Elvis Christmas Album im September 1957 war er allerdings noch nicht so richtig in Stimmung für Weihnachten – und schuf mit Blue Christmas dennoch einen Weihnachtssong-Klassiker.

Blue Christmas: Elvis Presley unterm Christbaum in den 1950ern

Zu viel Anderes ging Elvis im September ’57 noch im Kopf herum. Statt sich ganz den Aufnahmen für das Elvis‘ Christmas Album zu widmen, war er mehr daran interessiert, weiter an seiner Aufnahme des Songs Treat Me Nice – ein Überbleibsel der Jailhouse Rock-Aufnahmen vom Mai – zu arbeiten und außerdem My Wish Came True des R&B-Sängers und Komponisten Ivory Joe Hunter auf Platte zu bannen.

My Wish Came True war auch der Grund, weshalb erstmals die Sopranistin Millie Kirkham bei dieser Session, die im September 1957 im Studio von Radio Recorders in Hollywood stattfand, dabei sein sollte. Und die damals hochschwangere Millie kam, sah und siegte – entsprechend ist ihre Stimme ab 1957 auf vielen Studioklassikern Elvis Presleys im Background zu hören.

Millie Kirkham: »Elvis was a funny guy«

Trotz Elvis‘ Fokus auf My Wish Came True wurde das nicht der Klassiker, auch nicht der Aufreger, der aus dieser Aufnahmesession hervorging und heute noch so vielen Leuten im Ohr ist. Nein, zum Klassiker wider Willen wurde Blue Christmas – vor 1957 schon erfolgreich unter anderem von dem Countrysänger Ernest Tubb aufgenommen. Hier kommt seine gemächliche Countryversion.

Blue Christmas in der Version von Countrysänger Ernest Tubb

Wie Millie Kirkham selbst erzählt (nachfolgendes Video), war Elvis nicht allzu begeistert davon, Blue Christmas zu vertonen und schlug den Backgroundsängern vor, sie sollten was Lustiges mit ihren Gesangseinlagen veranstalten, dann würde das goofige Liedchen vielleicht gar nicht erst veröffentlicht. Er hatte eine großartigen Sinn für Humor, erzählt Millie.

Allerdings schätzte er seine Plattenfirma völlig falsch ein. Als hätten die Verantwortlichen bei RCA in seinem Fall je auf die Veröffentlichung von goofigen Liedchen verzichtet, wird doch traditionell einfach ALLES, was der Mann je in der Nähe eines Mikros von sich gab – und das muss nicht notwendigerweise unter SINGEN fallen – veröffentlicht.

Elvis Presleys Blue Christmas 1957

Im Fall von Blue Christmas gab der Erfolg der Plattenfirma allerdings recht. Die Aufnahme mit Millie und den Jordanaires im Background entpuppte sich als extrem erfolgreicher Longseller, der nach Joel Whitburns Christmas in the Charts 1920 – 2004 zwischen 1964 und 1985 volle 12-mal in den Top 10 der Billboard Christmas Charts landete, 1964 und 1973 sogar auf Platz 1!

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»Hello, I’m Elvis Presley, glad to meet you«, waren die Worte, mit denen der King of Rock ’n‘ Roll  Joe Esposito im Sommer 1959 bei ihrer ersten Begegnung begrüßte. Ein fester Händedruck begleitet vom berühmten schiefen Lächeln besiegelte eine 19 Jahre dauernde Freundschaft und ein fast ebenso langes Arbeitsverhältnis, in denen Joe Esposito als persönlicher Assistent und späterer Roadmanager so manche Höhen und Tiefen mit Elvis Presley durchlief.

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Elvis Presley und Joe Esposito in Deutschland

Ort des Geschehens dieser ersten Begegnung: ein sehr deutsch anmutendes Wohnzimmer in einem Einfamilienhaus mit der Adresse Goethestraße 14 in der hessischen Kurstadt Bad Nauheim. Also genau dort, wo G.I. Elvis Presley mit Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae und zwei Freunden (Lamar Fike, Red West) Anfang 1959 für ein Jahr seine Zelte aufschlug, um in den Ray Barracks im benachbarten Friedberg seinen Wehrdienst zu leisten.

Der reine Zufall hatte Joseph Carmine Esposito, 1938 als Sohn italienischer Einwanderer in Chicago geboren, in das deutsche Wohnzimmer gespült. Fast zeitgleich mit seinem berühmten Zeitgenossen hatte Uncle Sam ihn zum Dienst am Vaterland nach Westdeutschland verschifft, wo der 21-Jährige in den Ray Barracks im hessischen Friedberg als Lohnbuchhalter eingesetzt wurde.

Von Elvis sah er dort erst einmal wenig, denn der hatte als Panzerspäher der Company C im 32nd Armor Regiment der 3rd Armored Division alles andere als einen Bürojob und war häufig auf Manöver.

Joe Esposito als G.I. in Deutschland, wo er 1959 Elvis Presley kennenlernte – Foto: Joe Esposito

Das änderte sich, als Wes Daniels, Fotograf der PR-Abteilung der US-Armee mit dem Auftrag, Elvis Presley bei seinen militärischen Aktivitäten im Foto festzuhalten, Joe zu dem ersten Treffen mit dem Superstar in die Goethestraße 14 einlud. Der Hintergrund: Elvis spielte in seiner Freizeit gerne mit seinen Kumpels Touch Football und brauchte noch Spieler.

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Sicher erinnert sich der ein oder andere noch an die Best-of-Zusammenstellung I’m An Elvis Fan, die sich die Marketingstrategen bei Sony 2012 ausdachten, um Elvis-Fans bei Laune zu halten. Die Idee dahinter, nämlich die internationale Fangemeinde selbst ihre 21 Lieblingssongs von Elvis wählen zu lassen und genau diese dann auf CD zu bannen, war nicht gerade ausnehmend innovativ, aber wirkungsvoll.

Mit der Abstimmung verbunden war nämlich auch eine Social Media-Aktion, bei der die teilnehmenden Fans ein Foto von sich per Upload zur Verfügung stellen konnten, das dann als kleiner Mosaikstein Teil eines großen Elvis-Porträts auf dem Cover der CD I’m An Elvis Fan wurde. Die Best-of-Zusammenstellung hatte also ein Titelbild, das Elvis Presley als Summe seiner Fans visualisiert. Diese Cover-Idee wiederum war genial auf den Punkt – und zwar weit über die wenig bedeutende Zusammenstellung schon x-fach zuvor veröffentlichter Hits hinaus.

 I'm An Elvis Fan: Mosaikartiges Cover mit Fan-Konterfeis

I’m An Elvis Fan: Cover mit Elvis-Porträt, das wie ein Mosaik aus Fan-Konterfeis zusammengesetzt ist – Sony 2012

Auf den Punkt war sie vor allem deshalb, weil sie Elvis Presleys eigene Wahrnehmung, wie seine Fans zu ihm standen, exakt trifft.

They [fans] see themselves in me, that’s all / Meine Fans sehen sich selbst in mir, das ist alles.“

Elvis Presley 1970/71 – zitiert nach Kathy Westmoreland in: Elvis and Kathy, 1987

… erklärte er kurz und bündig der Sopranistin Kathy Westmoreland, die von 1970 bis 1977 als Backgroundsängerin für ihn arbeitete, als sie ihn fragte, wie er selbst die rückhaltlose, hochgradig emotionale Anbetung seiner Fangemeinde bewertet und aushält.

Die Erkenntnis, dass die Anbetung seiner Fans nicht ihm persönlich, sondern der Projektionsfläche E.L.V.I.S, gilt, verhalf Elvis Presley früh zu einer sehr bodenständigen und auch verständnisvollen Haltung dem ganzen Wahnsinn gegenüber, der ihn ab seinem internationalen Durchbruch Mitte der 1950er umgab. Sie war lebenslang kennzeichnend für das Verhältnis zu seinen Fans – und sie wurde von ihm früh instrumentalisiert.

Von dem Tag an, an dem er erstmals mit weißer Farbe selbst die Buchstaben E.L.V.I.S. auf seinen Pink Cadillac malte, entwickelte der Musiker eine Star-Persona, an der sich seine „Follower“ vor allem emotional abarbeiten können.

Lange bevor es Facebook & Co. gibt, signalisierte er, wie Filmhistoriker Björn Eckerl es so treffend formuliert: Follow me/Folge mir, denn ich kann alles für dich sein, was du dir wünschst. Will heißen: deine individuelle Projektionsfläche. In diesem Sinne ist Elvis ein Star alter Schule, wie Eckerl ausführt: Er lebte die Träume seines Publikums, wie vielfältig sie auch immer sein mögen, bestmöglich, indem er sich ganz zur Außenfläche machte, hinter die er als Person völlig zurücktrat. In Elvis‘ eigenen Worten:

„My fans expect me to do the things they wish they could do – if they had the breaks I have. A lot of my fans have a rough life. They see me as someone who was lifted from poverty and dropped in a world of glamour and excitement. My job is to share that glamour and excitement with them. When I’m onstage, I want to create excitement. I want each person to feel I’m performing for him or her, and even when I’m offstage, the show goes on. The clothes I wear, the cars I drive, my style of living – they’re all part of what my fans expect from me.“

Elvis Presley – zitiert nach Joe Esposito: Good Rockin‘ Tonight, 1994

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Die Macher der sehr erfolgreichen Scheibe von If I Can Dream: Elvis with the Royal Philharmonic Orchestra (2015), das im letzten Jahr mit einem Duett von Elvis und Michael Buble zum Song Fever für Furore sorgte, haben erneut zugeschlagen.

Die zweite Produktion von Sony, die erneut bekannte und weniger bekannte Elvis-Songs aus allen Schaffensphasen neu arrangiert mit dem Royal Philharmonic Orchestra präsentiert, heißt The Wonder of You.

Ende Oktober 2016 erschienen, katapultierte The Wonder of You den King – wie schon der Vorgänger – im Eiltempo auf Platz 1 der britischen Charts, in Deutschland unter die Top 20.

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In Deutschland sorgte die Veröffentlichung schon vor Erscheinen für einen Sturm der Entrüstung in der immer noch stattlichen Elvis-Fangemeinde, da The Wonder Of You ein Duett von Elvis mit der deutschen Schlagersängerin Helene Fischer enthält.

Ausgerechnet Helene Fischer, hieß es. Fischer durfte sich über einen regelrechten Shitstorm in Social Media „freuen“. Der Song, bei dem die beiden zusammen zu hören sind, ist Just Pretend. The Wonder of You ist der Auftakt zu einer Elvis-Tournee des Royal Philharmonic Orchestra, die im Frühjahr 2017 auch in Deutschland Halt macht.

Damit sich jeder selbst ein Bild von der neuen Scheibe inkl. Elvis-Helene-Duett machen kann, kommen hier die Tracks inkl. Duett.

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November-Tristesse. Es regnet und ich steh’ mal wieder im Stau. Einfach toll! Nix geht mehr vorm Tunnel. Tunnel? Das ist genau das richtige Stichwort für Ablenkung mit einem ultracoolen Elvis-im-Kino-Moment: Agent K(ay) alias Tommy Lee Jones zeigt Nachwuchsagent J(ay) in der Science-Fiction-Komödie Men in Black (1997) was ein ELVIS ist.

Klar, dass dabei ein fahrbarer Untersatz, wie der King ihn sicher geliebt hätte (→ Elvis und die gelebte Auto Emoción), und der passende Soundtrack mit Elvis’ dynamischer Version von Chuck Berrys Promised Land aus der Stax-Session von 1973 (→ Elvis At Stax) nicht fehlen dürfen:

 

Einfach zu köstlich der Dialog, den Drehbuchautor Ed Solomon hier den Hauptdarstellern in den Mund legt:

Tommy Lee Jones: Push the little red button! You’re much too tense, young man. You need to relax, learn to take some joy in your work. You like music?… Better?

Will Smith: You do know Elvis is dead, right?

Tommy Lee Jones: No, Elvis is not dead. He just went home!

Diese Szene ist so ELVIS, wie selbst ein Quentin Tarantino sie nicht besser hinbekommen könnte. Und mein Stau hat sich inzwischen auch aufgelöst… Es geht doch nix über einen Elvis-im-Kino-Moment, wenn einen die Tristesse so richtig überkommt ;-).

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I’ve always liked Elvis‘ last studio recordings – those 16 songs that he recorded in February and October 1976 in the Jungle Room of his beloved home Graceland. Most of these songs that were first released on the albums From Elvis Presley Boulevard, Memphis, Tennessee (1976) and Moody Blue (1977) are of a contemplative nature. They are highly emotional expressions of deep loss. In that sense quite a few of them belong to Elvis Presleys finest interpretations for me.

Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

A serious looking Elvis posing for a Memphis police badge photo at his home Graceland in February 1976

Knowing that the Jungle Room recordings are Elvis‘ last studio recordings ever, many people are naturally drawn to listen to them simply as the final farewell of a sick and unhappy superstar who knows that his end is near. For a reason that I could never pinpoint myself I always found this retrospective viewpoint debatable, although it definitely reflects the mood of the songs. For me the Jungle Room recordings felt more like Elvis trying to refer to the beginnings of his career in the early 1950s at Sam Phillips‘ Sun Studio in Memphis. But as I said, I could never really explain why.

When RCA/Sony announced earlier this year that a new set with 2 discs called Way Down In The Jungle Room (Legacy Edition) is in the making with the support of a very successful young engineer called Matt Ross-Spang, I became curious. I found out that Matt had worked for years at the still existing Sun Studio in Memphis, before he changed location to the Sam Phillips Recording Service operated by the Phillips family.

Cover of Way Down In The Jungle Room - RCA/Sony Legacy 2016

Cover of Way Down In The Jungle Room – RCA/Sony Legacy 2016

 

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on CD 2 - RCA/Sony Legacy

Back cover of Way Down in The Jungle Room with the new mix of Matt Ross-Spang on disc 2 – RCA/Sony Legacy 2016

Matt Ross-Spang’s credits in the studio include names like Jerry Lee Lewis, Grace Potter & The Nocturnals, Mary Chapin Carpenter, Jakob Dylan, Justin Townes Earle, JD McPherson, and Chris Isaak. Just to name a few. Earlier this year Matt won a well deserved Grammy for engineering and mixing Jason Isabell’s Something More Than Free. Besides, he was responsible for engineering, mixing, and co-producing Margo Price’s debut record Midwestern Farmer’s Daughter.

Legendary Elvis – Sam Phillips – Sun Studio – Matt Ross Spang – Jungle Room sessions 1976? Was I right after all with my feelings about Elvis‘ last „studio“ recordings at Graceland? I decided to find out more about the new mix on Way Down In The Jungle Room (2016) and the engineer behind it by asking the man himself what all of this is really about. Matt Ross-Spang turned out to be a very nice guy.

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis - Photo: Ross-Spang

Matt Ross-Spang entering Sam Phillips Recording Service in Memphis – Photo: Ross-Spang

INTERVIEW

The Memphis Flash: Matt, you’re from Memphis where it all started for Elvis in 1954 in Sam Phillips’ now world-famous Sun Studio. The studio and the Phillips family play a major role in your successful career as well. How come?

Matt Ross-Spang: Sure! I was born and raised in Memphis! I played guitar in bands and I got 2 hours of studio time at Sun Studio for my 14th birthday from my wonderful parents. When I recorded there I was mesmerized by the studio and the process of recording and mixing. The engineer there James Lott was a great patient man who made the whole process fun and answered all of my annoying questions! My cousin John was the President at Sun and offered me a job when I was 16 and could drive, so I started working there then as a tour guide and an intern in the studio.

Hound Dog-Parodist Sam Phillips in seinem berühmten Aufnahmestudio in der Union Avenue

Matt’s hero Sam Phillips at Sun Studio in Memphis

I soon worked my way up to Operations Manager and Chief Engineer. I spent 11 years at Sun and spent most of that time installing and using the same period equipment Sam Phillips used back in Sun’s heyday. While working at Sun I met and became friend with the Phillips‘. Sam and his two sons Knox and Jerry I consider to be heroes of mine (and many others). Obviously being from Memphis you are born an Elvis fan! But especially for me the history and the music that was recorded in Memphis really consumed me. Elvis is a big part of that!

The Memphis Flash: How did you get the assignment for a new mix of the outtakes and alternate versions on the new release Way Down in the Jungle Room?

Matt Ross-Spang: A friend of mine Sharon Corbitt-House recommended me to Sony’s Rob Santos and Ernst Jorgensen who are the Producers of the Elvis record. After a few phone calls we worked out scheduling and we decided to do it at Phillips. I am a freelance engineer but Phillips is a magical studio and Rob always wanted to do a project there so it was a perfect fit.

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Nach Priscilla Presley, Anita Wood und Ginger Alden hat nun auch Linda Thompson (* 23. Mai 1950 in Memphis) die Geschichte ihrer viereinhalb Jahre dauerenden Liebesbeziehung zu Elvis Presley in einem Buch verarbeitet. A Little Thing Called Life: On Loving Elvis Presley, Bruce Jenner, and Songs in Between ist Ende August 2016  erschienen und hat – wie Ginger Aldens Veröffentlichung 2014 – sofort die Bestsellerliste der New York Times erklommen. Völlig zu Recht, denn A Little Thing Called Life ist wirklich lesenswert.

Linda Thompson in der Zeit, in der sie mit Elvis Presley liiert war (1972-1976)

Ebenso schön wie talentiert: Linda Thompson in der Zeit, in der sie mit Elvis Presley liiert war (1972-1976)

Das liegt vor allem daran, dass Linda neben ihrer frühen Karriere als Schönheitskönigin, mit der sie sich ihr Studium (Englisch, Theaterwissenschaften) an der Memphis State University verdiente, und späteren, meist eher kleineren Rollen als Schauspielerin in bekannten amerikanischen TV-Serien wie Hee Haw, Starsky & Hutch, Vega$, Beverly Hills 90210 und dem Film Bodyguard (1992) vor allem eins ist: eine talentierte Schriftstellerin mit einer besonderen Begabung für lyrische Texte.

Erfolgreich wurde Linda ab den 1985ern als Songtexterin u.a. für Kenny Rogers, Celine Dion, Whitney Houston, Josh Groban und Barbra Streisand. Gearbeitet hat Linda als Texterin meist im Duo mit einem Komponisten, hier vor allem ihrem 2. Ehemann, dem erfolgreichen kanadischen Musiker und Plattenproduzenten David Foster, mit dem sie bis 2005 verheiratet war. Foster zeichnet für die Debütalben von Michael Bublé und Josh Groban verantwortlich.

Für die Powerballade I Have Nothing, die Linda gemeinsam mit David Foster komponierte, und die Whitney Houston in dem Hollywood-Klassiker The Bodyguard singt, wurde sie 1993 zusammen mit Foster für einen Academy Award und 1994 für einen Grammy nominiert. 2003 erhielt Linda einen Emmy für Outstanding Music and Lyrics ihres Songs Aren’t They All Our Children in The Concert for World Children’s Day.

Wow. Warum hat die Dame eigentlich keine Songs für Elvis Presley geschrieben, der gute Songwriter nun wahrlich zu schätzen wusste? Ganz einfach: Sie wollte es nicht. Die Gedichte, die sie dem King – ihrer ersten großen Liebe – während ihrer Beziehung schrieb, waren zu privat, wie sie damals fand.

Seinen Vorschlag, einige besonders gelungene Texte von einem Komponisten vertonen zu lassen, lehnte sie ab. Ganz schön blöd, wie Linda heute selber findet, wäre es doch zu schön, zumindest einen ihrer Songstexte von ihm, bekannterweise ein Fan gefühlvoller Powerballaden, interpretiert zu wissen. Finanziell lukrativ wäre es außerdem gewesen.

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Keine Frage, Elvis‘ Schulfreund und langjähriger Weggefährte George Klein hat eine Menge zu erzählen. Und genau das tat er auch auf dem 15. European Elvis Festival in Bad Nauheim, zu dem die Elvis Presley Gesellschaft ihn Mitte August auf das rote Sofa zum Talk eingeladen hatte.

Da Radiomoderator George ein veritabler Dampfplauderer ist, der am liebsten nonstop selber redet, war der Talk zwar sehr unterhaltsam, wurde aber für Moderatorin Maria Hesterberg, die alle Aussagen ins Deutsche übersetzen musste, zu einer echten Bewährungsprobe. Aber Maria hat reichlich Erfahrung mit illustren Elvis-Zeitzeugen und meisterte die Situation wie immer ganz ausgezeichnet.

Hier der Auftakt zum Talk mit George Klein – Maria Hesterbergs Übersetzungen habe ich diesmal nicht mit aufgenommen, um Wiederholungen zu vermeiden. In nachfolgender Erzählung von George geht es darum, wie er Elvis Presley in ihrer gemeinsamen Zeit an der Humes High School in Memphis  kennenlernte.

Im zweiten Teil erzählt George, wie er als Rock ’n‘ Roll-DJ in den 1950ern durchstartete und 1957 eine Zeit lang für Elvis arbeitete, nachdem seinen Job verloren hatte. Glück im Unglück für George: Seinen Job als DJ war er zwar los, dafür konnte er dabei sein, als Elvis in Hollywood den Film Jailhouse Rock mit der berühmten Tanzszene drehte und einen seiner bekanntesten Soundtracks aufnahm.

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George Klein ist auf dem Weg zur Schule. Der Sohn jüdischer Einwanderer ist fast 13 und geht in die 8. Klasse der Humes High School, die in einem großen Backsteingebäude im Norden von Memphis an der North Manassas Street zuhause ist. George hat es nicht weit zur Schule, denn seine Familie wohnt schräg gegenüber der Humes High.

Humes High School, Memphis

Humes High School, Memphis/Tennessee

Georges Eltern sind vor mehr als 20 Jahren aus Russland und Polen in die USA eingewandert, um dem Antisemitismus in der Heimat zu entkommen. Sie lernten sich in Memphis kennen, heirateten und ließen sich endgültig in der Stadt am Mississippi nieder.

Wie seine Schwester Rosie in den USA geboren, ist George (8. Oktober 1935-5. Februar 2019) gut integriert in der zweiten Heimat der Familie Klein. Der schmächtige Junge ist ein kommunikativer Typ, engagiert sich als Klassensprecher und träumt – inspiriert von der reichen Musiklandschaft in Memphis – von einer Karriere als Radiomoderator.

George Klein

Der junge Radiomoderator George Klein

Aber erst einmal muss er seinen High School-Abschluss schaffen. Dem steht weiter nichts im Wege, wenn da nicht Musiklehrerin Miss Marmann wäre. An der Humes High gibt es eine ganze Reihe strenger Lehrer, aber Miss Marmann ist definitiv ein Fall für sich.

Selbst gemessen an den Standards von 1948 ist sie „old school“, sogar bei den hartgesottensten Schülern berüchtigt, weil sie nicht nur mit dem Rohrstock droht, sondern ihn auch einzusetzen weiß. Wer sich von Miss Marmann auch nur mit Kaugummi erwischen lässt, dem droht Schmerzhaftes.

Den richtigen Musikgeschmack sollte man als Schüler von Miss Marmann außerdem haben – und der beginnt bei Beethoven und hört mit Brahms auf. Zeitgenössische Musik? Fehlanzeige! Aber es gibt nur eine einzige Chance für George, der Musikklasse von Miss Marmann zu entkommen: Er kann versuchen, in die Marschkapelle der Humes High aufgenommen zu werden.

Das Problem ist allerdings, dass das so ziemlich jeder versucht, der vor Miss Marmann flüchten möchte. Deswegen hat sich die Verantwortlichen in der Marschkapelle einen  anspruchsvollen theoretischen und praktischen Aufnahmetest ausgedacht.

Rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr 1948/49 hat sich George als neuer Schlagzeuger der Band in Stellung gebracht, kann dabei aber leider ebenso wenig überzeugen wie im Theorietest. Also marschiert der 13-Jährige nach den großen Ferien nicht in der Schulband, sondern doch in Miss Marmanns „Klasse zur Förderung des Musikverständnisses“. Aua!

Wie sich schon bald heraustellt, kommt der umgängliche George  besser als gedacht mit der strengen Musiklehrerin aus. Eine Sache haben sie nämlich gemeinsam: Beide sind überzeugt, dass die aktuellen Musik-Charts nur mit Mist aufwarten – völlig einig sind sie sich bei Vaughn Monroes Hit Ballerina, der aktuell im Radio rauf und runter läuft…

Vaughn Monroes Hit Ballerina

Nichts für George und Miss Marmann – allerdings aus völlig anderen Gründen: George zieht es mehr zur Musik der Radiosender WDIA und später Daddy-O-Deweys WHBQ, die vor allem afroamerikanische Musiker auflegen, Miss Marmann hingegen zur Klassik.

Der Neue in der Klasse

Eines Morgens nicht lange nach Beginn des neuen Schuljahres wird in Georges Klasse ein neuer Schüler vorgestellt. Er ist gerade erst mit seinen Eltern aus Tupelo nach Memphis gezogen und ist ganz neu an der Humes High. George beachtet den Neuen nicht weiter, er ist ein unauffälliger blonder 13-Jähriger, wie es sie zu Hauf in der Klasse gibt. Den Namen des Neuen hat er nicht mitbekommen oder sich nicht gemerkt.

Elvis Presley kurz vor seinem Umzug von Tupelo nach Memphis

Neu in der Klasse: Elvis Presley etwa zur Zeit seines Umzugs von Tupelo nach Memphis

Doch ein paar Wochen später wird George aufmerksam auf den unauffälligen Neuen in der Musikklasse. Weihnachten rückt näher und Miss Marmann schlägt vor, dass die Klasse statt der üblichen Stunde doch einfach mal was Besonderes machen könne: Weihnachtslieder singen. George rollt innerlich mit den Augen (nur innerlich, denn Miss Marmann hat den Rohrstock immer griffbereit). Was soll schließlich am Singen von Weihnachtsliedern schon Besonderes sein?

Zum Erstaunen von George sieht der Neue das offensichtlich ganz anders. Miss Marmann hat kaum die magischen Worte ausgesprochen, als der Klassenkamerad sich zu Wort meldet: „Miss Marmann, kann ich dann meine Gitarre zur nächsten Stunde mitbringen und singen?“ Ein verhaltenes schadenfrohes Kichern ist im Raum zu hören. Ach Gott, das Landei aus Tupelo, der Hillbilly will seinen Mitschülern was auf der Gitarre vorspielen und singen. Wie uncool! Das will doch keiner hören, ist als leises Wispern in der Klasse zu vernehmen.

Auch Miss Marmann ist verblüfft. Damit hat sie sichtlich nicht gerechnet, aber sie fängt sich schnell und antwortet: „Aber ja Elvis, bring‘ du deine Gitarre mal mit„. George kann nicht glauben, was er da gerade hört. Er reckt den Hals, schaut rüber zur  letzte Reihe, wo dieser Elvis sitzt, und denkt: „Boah, der Typ hat Chuzpe. Miss Marmann und der Klasse was auf der Gitarre vorspielen und singen. Das ist schulpolitisches Harakiri, da kann man sich auch gleich erschießen lassen!

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Wo bleibt der Junge nur? Nervös streicht Scotty Moore über seine Gibson ES-295. Er liebt die Gitarre… vielleicht sogar mehr als seine Frau. Zumindest behauptet das Mary, die ihn deswegen mit den beiden Kindern Donald und Linda verlassen hat. Aber daran will Scotty jetzt nicht denken. Seit kurzem ist er zum zweiten Mal verheiratet – und seine neue Frau Bobby ist klug genug, sicht nicht zwischen ihn und seine Gitarre zu stellen. Zärtlich fährt der 22-Jährige mit seinen Fingern die feminine Kontur der goldfarbenen Gibson entlang.

Scottys Gibson ES-295

Scottys erste große Liebe: Die Gibson ES-295

Die Gibson ES-295 symbolisiert Scottys Traum, seinen Brot-und-Butter-Job in der Reinigung endlich aufzugeben und eine Band zu formen, die mehr ist als ein Zeitvertreib. Eine Band, die besser ist als die Starlite Wranglers, eine Country- und Western-Band, die Scotty aktuell managt und mit der er in seiner Freizeit in den Honky-Tonk-Kneipen in und um Memphis auftritt.

Vor allem braucht seine Band einen charismatischen Frontmann, wenn das mit der Profikarriere endlich etwas werden soll, da ist sich der Gitarrist ganz sicher. Doug Poindexter, Sänger der Starlite Wranglers, ist nicht das, was ihm dabei vorschwebt. Er braucht einen jungen, ungebundenen Typen, der die Profikarriere als Musiker genauso will wie er.

Der junge Scotty Moore während seiner Zeit bei der US-Marine (1948-1952).

Der junge Scotty Moore während seiner Zeit bei der US-Marine (1948-1952).

Selbst die Rampensau ganz vorne im Scheinwerferlicht zu geben, das ist allerdings nichts für Scotty. Der blonde Scotty mit dem akkuraten Scheitel und den makellos gebügelten Hemden, 1931 auf einer Farm in Gadsden/Tennessee geboren, ist ein zurückhaltener Typ, ruhig und konzentriert. Er bleibt lieber im Hintergrund – abgesehen von den Solos natürlich – das weiß er selbst sehr genau.

Seine Leidenschaft brennt für die Gitarre, mit der er sich in jeder Minute seiner Freizeit beschäftigt. Schon als Kind hat er viel allein und mit Freunden gespielt. Doch erst seit er nicht mehr für die US-Marine in Fernost zur See fährt (1948-1952) sammelt er gezielt Erfahrung als Gitarrist in verschiedenen semiprofessionellen Bands… und träumt seinen Gibson-Traum.

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