Elvis Presleys Grammy-Nominierungen 1959 – 2012

Der Grammy gilt immer noch als eine der, wenn nicht die höchste internationale Auszeichnung, die ein Musiker bekommen kann. Als Preis ist er vergleichbar mit dem Oscar in der Filmindustrie. Seit 1959 werden die Grammys in Form einer Grammophonskulptur jährlich von der amerikanischen National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS) verliehen – in mittlerweile an die 100 verschiedenen Kategorien. Das Ganze passiert im Rahmen einer mit viel Pomp und Medienrummel betriebenen Festveranstaltung, die selbstverständlich auch im Fernsehen übertragen wird. Am 15. Februar 2016 wird der Grammy Award in die 58. Runde gehen.

Der Grammy: immer noch begehrt

Jetzt könnte man wie selbstverständlich annehmen, dass Elvis Presley, der als einer der weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts gilt, schon zu Lebezeiten eine stattliche Anzahl von Grammys einheimste. Falsch gedacht! Zwischen 1959 und 1977/8 glänzte der King zwar mit 14 Nominierungen, erhielt aber nur 3-mal den Zuschlag für seine Gospelinterpretationen.

Und es kommt noch besser: Keine einzige Nominierung erfolgte für eine seiner bahnbrechenden frühen Aufnahmen bei SUN oder später RCA. Kann auch gar nicht sein, da die ersten Grammy-Nominierungen Ende 1958 von der NARAS verkündet wurden und da befand sich der King längst als G.I. der US-Armee auf Manöver im kalten Nachkriegsdeutschland. So ein Pech! Lässt sich also das Fehlen von Grammys für die super erfolgreichen und Musikgeschichte schreibenden Singles und Alben der Jahre 1956/57 noch nachvollziehbar erklären, sieht das für die Jahre ab 1958 komplett anders aus.

Ich meine, 14 Nominierungen bis 1978 und nur 3 tatsächlich gewonnene Grammys? Und die dann auch noch kein einziges Mal für die Musikrichtung, mit der der King of Rock ’n’ Roll in erster Linie bekannt wurde, sondern ausschließlich für seine Gospelinterpretationen? Das muss man erst einmal sacken lassen.

Sicher sind die Grammys für How Great Thou Art, He Touched Me sowie die Live-Performance von How Great Thou Art ihre Grammys wert, gar keine Frage. Elvis Presleys Hingabe zur Gospelmusik ist ja hinlänglich bekannt. Kurios ist aber das Fehlen von Grammys in jeder anderen der heute überaus zahlreichen Kategorien. Für was um Himmels Willen war der Mann denn dann so häufig nominiert?

Ich kann mir vorstellen, der ein oder andere würde glatt seine komplette Elvis-Sammlung darauf verwetten, dass zumindest die beiden Alben Elvis Is Back (1960) und From Elvis in Memphis (1969) nominiert gewesen sein müssen, werden sie heute doch fast ausnahmslos zu seinen besten gezählt. Wettet bloß nicht, es könnte die Sammlung kosten!

Elvis Presleys Grammy-Nominierungen 1959 – 1978

  1. 1959: A Fool Such As I – Kategorie Record of the Year/Single des Jahres
  2. 1959: A Big Hunk O‘ Love – Kategorie Best Performance of a Top 40 Artist
  3. 1959: A Big Hunk O‘ Love – Kategorie Best Rhythm & Blues Performance
  4. 1960: Are You Lonesome Tonight – Kategorie Record of the Year
  5. 1960: Are You Lonesome Tonight – Kategorie Best Vocal Performance, Male
  6. 1960: Are You Lonesome Tonight – Kategorie Best Performance by a Pop Singles Artist
  7. 1960: GI Blues – Kategorie Best Vocal Performance, Album, Male
  8. 1960: GI Blues – Kategorie Best Soundtrack Album
  9. 1961: Blue Hawaii – Kategorie Best Soundtrack Album
  10. 1967: How Great Thou Art – Kategorie Best Sacred Performance
  11. 1968: You’ll Never Walk Alone – Kategorie Best Sacred Performance
  12. 1972: He Touched Me – Kategorie Best Inspirational Performance (Album)
  13. 1974: How Great Thou Art – Kategorie Best Inspirational Performance
  14. 1978: Softly As I Leave You – Kategorie Best Country Vocal Performance

Das ist ziemlich interessant, denn bis auf Are You Lonesome Tonight und die Gospels hätte ich auf keine der anderen Nominierungen getippt, so gerne ich A Big Hunk O’ Love, A Fool Such As I und Softly As I Leave You auch höre.

Wo sind denn z.B. Suspicious Minds, das vielgepriesene It’s Now Or Never oder der Blues Reconsider Baby abgeblieben…? Und ausgerechnet den Titelsong des Soundtrackalbums GI Blues in der Kategorie Beste Männliche Gesangsdarbietung? Da würde die wunderbar einfühlsame Ballade Doing The Best I Can doch näher liegen. Sehr seltsam, zumal z.B. vom Album Elvis Is Back weit und breit nix zu sehen ist. Da die Nominierungsvorschläge von den Plattenfirmen der Künstler gemacht werden, die Jury dann aufgrund dieser Vorschläge entscheidet, muss man sich ernsthaft fragen, ob Elvis Plattenfirma RCA die Chancen ihres Künstlers wirklich gut einschätzen konnte.

Und wer hat eigentlich gewonnen, wenn nicht Elvis? Single des Jahres wurde 1959 Volare (Nel Blu Dipinto Di Blu) von Domenico Modugno statt A Fool Such As I. A Big Hunk O’ Love ging leer aus gegen Tequila von den Champs als beste Rhythm & Blues Vorstellung. Aha! 1960 verlor Are You Lonesome Tonight als Beste Single des Jahres gegen Bobby Darins Mack The Knife, in der Kategorie Beste Männliche Gesangsdarbietung gegen Come Dance With Me! von Frank Sinatra und als Beste Vorstellung eines Pop-Künstlers gegen Midnight Flyer von Nat King Cole.

Angesichts dieser etablierten und wohlgelittenen Gewinner könnte man fast auf die Idee kommen, dass die Jury der National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS) dem „Wilden aus Memphis“ nicht so recht über den Weg traute und sich angesichts des Aufruhrs, für den er in den 1950ern gesorgt hatte, lieber in sichereren Fahrwassern à la Sinatra, Cole und Darin bewegte. Schließlich ist eine Nominierung ja auch schon mal was, gell Elvis? Jetzt bloß nicht meckern.

Elvis‘ Lifetime Achievement Award – ultmativer “Grammy” der NARAS

Schließlich hat die NARAS das Problemchen 1967 gelöst, indem man endlich eine passende Grammy-Kategorie für den Memphis Flash gefunden hat: Sacred bzw. Inspirational Performances. Und damit auch gar nicht erst ein falscher Eindruck entsteht, hat ihm die NARAS 1971 – ziemlich kurios bei bis dahin nur einem Grammy – gleich noch die höchste Auszeichnung oben drauf gelegt, die sie zu vergeben hat, den sog. Lifetime Achievement Award (auch Bing Crosby Award), fast so etwas wie der ultimative Grammy. Den hatten bis dahin nur 5 Leute überhaupt verliehen bekommen, nämlich Bing Crosby, Frank Sinatra, Duke Ellington, Ella Fitzgerald and Irving Berlin. Elvis war 1971 im Alter von 36 Jahren der jüngste Preisträger.

Elvis Presley mit dem ultimativen Grammy: Lifetime Achievement Award 1971

Eine sehr hohe Auszeichnung für das Lebenswerk, die viele erst erhalten, wenn sie nicht mehr unter uns weilen, wie etwa Michael Jackson. Ob Mr. Presley sich gefreut hat, als er den Lifetime Achievement Award irgendwie zwischen Tür und Angel während eines Las Vegas-Engagements verliehen bekam, ist anhand des Fotos mit Chris Crosby und den Mello Men nicht wirklich zu ersehen – er sieht freundlich, aber nicht besonders enthusiastisch aus. Jedenfalls war das Eis damit erst einmal gebrochen, 2 weitere Grammys folgten in den 1970ern auf dem Fuße.

Posthume Nominierungen und Auszeichnungen

Nach Elvis’ frühem Tod hat die NARAS sich erst richtig ins Zeug gelegt ;-). Zwischen 1988 und 2007 nahm sie gleich 6 Songs in die 1973 gegründete NARAS Hall of Fame auf, in die nur Aufnahmen von dauerhaft hoher Qualität und historischer Bedeutung kommen, die zudem älter als 25 Jahre sein müssen:

  • Hound Dog (1956, aufgenommen 1988)
  • Heartbreak Hotel (1956, aufgenommen 1995)
  • That’s All Right (1954, aufgenommen 1998)
  • Suspicious Minds (1969, aufgenommen 1999)
  • Don’t Be Cruel (1956, aufgenommen 2002)
  • Are You Lonesome Tonight (1960, aufgenommen 2007).

Da fragt man sich schon, wie viele Grammys die NARAS Elvis Presley noch verliehen hätte, wäre er nicht 1977 verstorben. Erst 2012 fuhr Elvis Presley seine letzte posthume Grammy-Nominierung in der Kategorie Best Historical Album für das das 2011 von RCA/Legacy Recordings (Sony) herausgegebene Deluxe-Box-Set Young Man with the Big Beat: The Complete ’56 Elvis Presley Masters ein.

Für das nach wie vor sehr empfehlenswerte 5-CD-Set, das den kometenhaften Aufstieg des Memphis Flash im Jahr 1956 musikalisch dokumentiert, zeichnete Elvis-Sammlerlabel-Chef Ernst Jorgensen verantwortlich, der schon 1993 und 1994 für die bekannten Box-Sets Elvis The King of Rock ’n’ Roll – The Complete 50’s Masters und Elvis from Nashville to Memphis: The Essential 60’s Masters in den Kategorien Best Historical Album, Best Album Notes und Best Album Package nominiert war.

Leider ging der King posthum in allen Fällen leer aus. Das nenne ich mal eine Pechsträhne. Zuletzt 2012 musste er sich gegen einen seiner größten Fans geschlagen geben: Paul McCartney. Ob weitere Nominierungen und endlich auch mal wieder ein Gewinn folgen? Abwarten.

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