Fever: Elvis im Duett mit Michael Bublé

Elvis Presley wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Und fast scheint es, als würde er seinen runden Geburtstag auch tatsächlich ganz groß feiern. Zumindest lassen die vielen Veranstaltungen, die rund um seinen Geburtstag im Januar und seinen Todestag im August weltweit zu seinen Ehren stattgefunden haben oder noch stattfinden, diesen Schluss zu.

Man bekommt den Eindruck, als sei Elvis Presley – am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren in Memphis/Tennessee verstorben – nie lebendiger gewesen als heute. Verfügbarer ist er in jedem Fall: Sein Image hat sich dank Social Media und einer traditionell sehr Community-freudigen Fangemeinde endgültig bis in den letzten Winkel dieses Erdballs verbreitet. „The King is dead – long live the King“ , schallt es aus allen Ecken!

Die Illusion, dass Elvis Presley irgendwo backstage auf seinen nächsten Auftritt wartet, ist fast perfekt. Bald wird er als Hologramm auf Tournee gehen – die technischen Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren. Das Einzige, was wirklich fehlt, sind neue Aufnahmen des King, ein lukrativer Absatzmarkt dafür ist zweifellos vorhanden.

Aus naheliegenden Gründen kann Mr. Presley dem aber nicht nachkommen, was zu immer neuen, teilweise auch ganz schön kuriosen Ideen seiner Nachlassverwalter und Plattenlabel Sony führt, wie man alte Aufnahmen des Memphis Flash „veredeln“ kann. Eine davon ist die beliebte Variante, ihn mit einem anderen Gesangsstar im Duett singen zu lassen.

Wir erinnern uns an die erfolgreiche Scheibe Elvis Presley Christmas Duets (2008), an das weniger erfolgreiche Love Me Tender-Duett mit Barbra Streisand (2014), das Hologramm-Duett mit der teilweise irgendwie irritiert aus der Wäsche schauenden Celine Dion bei If I Can Dream (2007) …

… und das erste der niedlichen „Familien-Duelle“ mit Elvis-Töchterchen Lisa Marie (1997), das mit Don’t Cry Daddy gehörig auf die Tränendrüse drückt.

Was alle Duette gemeinsam haben, ist, dass Elvis einen weiblichen Gesangspartner hat. Passt! Nun aber hat man sich was Neues ausgedacht. Im Herbst 2015 geht – wie Billboard jüngst verkündete – eine neue CD unter dem Titel If I Can Dream: Elvis Presley with The Royal Philharmonic Orchestra an den Start. Das finde ich ganz spannend, zumal es um Neuinterpretationen von Elvis-Hits geht, die unterschiedlich angegangen werden. Einige verwenden Elvis-Originalaufnahmen aus den Jahren 1956 bis 1973, bei anderen sind zeitgenössische Künstler zu hören. So weit, so gut.

Genau auf dieser Scheibe enthalten ist auch ein Elvis-Duett mit dem beliebten kanadischen Schmusesänger Michael Bublé. Dass Bublé sich an Elvis macht, ist nicht weiter erstaunlich, das tut er dauernd und er macht es – vor allem bei den Balladen – oft auch richtig gut, wie hier bei den Klassikern…

Can’t Help Falling In Love…

… oder Surrender zu hören ist.

Jetzt kommt der eigentlich Hammer: Das Elvis-Bublé-Duett ist ausgerechnet eins zu Fever, also einem Song, der sich kaum für ein Duett zwischen zwei Männern eignet – und schon gar nicht, wenn er im Schmusegesang daher kommt. Das könnte reichlich „schwül“ ausschlagen.

Und hier Elvis‘ Version vom legendären Elvis Is Back-Album (1960).

Der Song wurde übrigens 1956 von Eddie Cooley und Elvis‘ Hitmacher Otis Blackwell (Don’t Be Cruel, 1956), der hier unter dem Pseudonym John Davenport unterwegs war, für den R&B-Sänger Little Willie John komponiert. So richtig bekannt wurde Fever allerdings in der Version von Peggy Lee (1958), woraufhin das Lied in den letzten Jahrzehnten so ziemlich von jedem gecovert wurde, den man sich so vorstellen kann, darunter auch Madonna und Beyonce.

Wie man allerdings zwei Männer ein Duett dieses Songs singen lassen kann, das will mir – weder vom Text noch von der Interpretation her – einleuchten. Elvis im Duett mit Ann-Margret – á la You’re The Boss (1964) –  das wäre doch wesentlich naheliegender. Oder Bublé mit einem weiblichen Gesangspart, wem auch immer. Kann ich mir auch gut vorstellen. Aber diese beiden MANNEN. Wer denkt sich so was aus?

Wahrscheinlich irgendein Marketingmensch bei einem Musiklabel, der eine Schnittmenge zwischen der Hörerzielgruppe Elvis und der von Bublé ausgemacht hat und dem nichts Besseres eingefallen ist. Ich meine, man hätte die beiden ja Frank Sinatras Witchcraft und Elvis‘ Love Me Tender als Medley singen lassen können, das wäre dann noch knapp an schwül vorbei.

Bublé covert Sinatra unentwegt und auch der gute Elvis musste sich den Sinatra-Song 1960 in Sinatras TV-Show zu Ehren seiner Rückkehr aus Deutschland geben. Hier kommen Sinatra und Elvis mit Love Me Tender/Witchcraft aus dem Jahr 1960:

Das geht. Warum ich mir Elvis mit Bublé bei Fever so gar nicht vorstellen kann, liegt allerdings auch an Elvis‘ späteren Live-Interpretationen, bei denen der Song vor allem für eins eingesetzt wird: Viel Ulk und Spiel mit dem WEIBLICHEN Publikum, das auch nach Herzenlust quiekt bei der Nummer.

Hier Elvis live mit Fever in Las Vegas am 3. September 1973 – eine legendäre Version mit ordentlich viel abgewandltem Text und voller Anspielungen auf die Eskapaden seiner Bandmitglieder…

Au Backe! Und das jetzt im Duett mit Bublé? Ich bin gespannt. Reinhören werde ich natürlich… und habe es ein paar Wochen nach der Veröffentlichung meines Posts vom August 2015 auch getan. Ich muss sagen, das Arrangement hat was, sehr ansprechend, auch wenn die Duett-Situation Elvis/Bublé immer noch ein bisschen eigen ist:

Audio: Elvis und Michael Bublé mit Fever – am Anfang spricht Michael Bublé sehr liebenswert über seine große Bewunderung für Elvis Presley:

Elvis_IfICanDream

If I Can Dream: Elvis Presley with the Royal Philharmonic Orchestra
Label: RCA/Legacy
Erscheinungstermin: voraussichtlich Oktober 2015

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