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Elvis Presley wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Und fast scheint es, als würde er seinen runden Geburtstag auch tatsächlich ganz groß feiern. Zumindest lassen die vielen Veranstaltungen, die rund um seinen Geburtstag im Januar und seinen Todestag im August weltweit zu seinen Ehren stattgefunden haben oder noch stattfinden, diesen Schluss zu.

Man bekommt den Eindruck, als sei Elvis Presley – am 16. August 1977 im Alter von 42 Jahren in Memphis/Tennessee verstorben – nie lebendiger gewesen als heute. Verfügbarer ist er in jedem Fall: Sein Image hat sich dank Social Media und einer traditionell sehr Community-freudigen Fangemeinde endgültig bis in den letzten Winkel dieses Erdballs verbreitet. „The King is dead – long live the King“ , schallt es aus allen Ecken!

Die Illusion, dass Elvis Presley irgendwo backstage auf seinen nächsten Auftritt wartet, ist fast perfekt. Bald wird er als Hologramm auf Tournee gehen – die technischen Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren. Das Einzige, was wirklich fehlt, sind neue Aufnahmen des King, ein lukrativer Absatzmarkt dafür ist zweifellos vorhanden.

Aus naheliegenden Gründen kann Mr. Presley dem aber nicht nachkommen, was zu immer neuen, teilweise auch ganz schön kuriosen Ideen seiner Nachlassverwalter und Plattenlabel Sony führt, wie man alte Aufnahmen des Memphis Flash „veredeln“ kann. Eine davon ist die beliebte Variante, ihn mit einem anderen Gesangsstar im Duett singen zu lassen.

Elvis‘ posthumer Duett-Marathon

Wir erinnern uns an die erfolgreiche Scheibe Elvis Presley Christmas Duets (2008), an das weniger erfolgreiche Love Me Tender-Duett mit Barbra Streisand (2014), das Hologramm-Duett mit der teilweise irgendwie irritiert aus der Wäsche schauenden Celine Dion bei If I Can Dream (2007) …

… und das erste der niedlichen „Familien-Duelle“ mit Elvis-Töchterchen Lisa Marie (1997), das mit Don’t Cry Daddy gehörig auf die Tränendrüse drückt.

Was alle Duette gemeinsam haben, ist, dass Elvis einen weiblichen Gesangspartner hat. Passt! Nun aber hat man sich was Neues ausgedacht. Im Herbst 2015 geht – wie Billboard jüngst verkündete – eine neue CD unter dem Titel If I Can Dream: Elvis Presley with The Royal Philharmonic Orchestra an den Start. Das finde ich ganz spannend, zumal es um Neuinterpretationen von Elvis-Hits geht, die unterschiedlich angegangen werden. Einige verwenden Elvis-Originalaufnahmen aus den Jahren 1956 bis 1973, bei anderen sind zeitgenössische Künstler zu hören. So weit, so gut.

Genau auf dieser Scheibe enthalten ist auch ein Elvis-Duett mit dem beliebten kanadischen Schmusesänger Michael Bublé. Dass Bublé sich an Elvis macht, ist nicht weiter erstaunlich, das tut er dauernd und er macht es – vor allem bei den Balladen – oft auch richtig gut, wie hier bei den Klassikern…

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Es ist ein sonniger, warmer Wochentag im Juli 2015. Die Einfahrt zu dem großzügigen Grundstück am ruhigen Stadtrand von Bad Nauheim macht unvermittelt eine Biegung nach rechts. Plötzlich steht sie vor mir und streckt mir freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen: Angelika Springauf. Die Jahre haben der zierlichen, gepflegten Frau, mit der ich zum Interview verabredet bin, kaum etwas anhaben können. Angelika Springauf hat sich ihre Jugendlichkeit bis ins Alter bewahrt – beneidenswert!

Sofort habe ich das berühmte Foto vor Augen, das die lächelnde 14-jährige Angelika mit ihrem hübschen dunklen Pagenkopf zeigt, rechts neben ihr gut gelaunt der wohl berühmteste GI, den es je in die Wetterau verschlagen hat: Elvis Presley. Die beiden stehen vor dem Gartentor des Hauses Goethestraße 14, wo Elvis Presley vom Februar 1959 bis Anfang März 1960 zusammen mit seinem Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und zwei Freunden – Red West und Lamar Fike – wohnte.

Angelika Springauf am Gartentor von Elvis Presleys Wohnsitz in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim 1959

Am Gartentor mit Nachbar Elvis: Angelika Springauf und Elvis Presley vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, ca. 1959 – Foto: Angelika Springauf

Das Foto lässt viel Vertrautheit erahnen: Lässig hat der King die Arme ausgebreitet auf die Pfosten neben dem Gartentor gelegt und Angelika steht wie selbstverständlich dicht neben ihm. Der Schnappschuss einer Freundin ist eine Momentaufnahme, die Vertrautheit hingegen ist über Monate gewachsen: Angelika Springauf wohnt Ende der 1950er Jahre nur wenige Fußminuten entfernt von der Goethestraße 14 in Bad Nauheim. Die 14-jährige Realschülerin und der berühmte GI auf dem Foto sind also gewissermaßen Nachbarn – Nachbarn, die sich fast täglich begegnen, denn Angelika ist damals schon ein Fan des King.

Im Laufschritt drei Minuten: Rock ’n‘ Roll, Elvis und das Kino

Lachend erzählt die heute 70-Jährige von ihrem Glück, zufällig einen Logenplatz im Deutschlandabenteuer Elvis Presleys ergattert zu haben: Im Laufschritt drei Minuten braucht sie damals von ihrem Lieblingsplatz vorm Gartentor in der Goethestraße bis nach Hause. Um 22.00 Uhr muss der Teenager spätestens daheim bei den Eltern sein, ansonsten hat die gebürtige Bad Nauheimerin durchaus ihre Freiheiten im nicht gerade liberalen Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre. Vor allem die Mutter zeigt Verständnis für Angelika.

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