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Es ist überraschend kühl an diesem Morgen Mitte August 2014, als wir den Jüdischen Friedhof in Coburg betreten. Am Eingang empfängt uns ein großer Gedenkstein, auf dem unter der Überschrift „Opfer des Faschismus 1941–1954“ etwa 50 Namen in Stein gemeißelt sind. Es sind Namen von Coburger Bürgern jüdischen Glaubens, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Ein Name fehlt auf diesem Gedenkstein: Alfred Wertheimer.

Genau dieser Name ist der Grund, weshalb sich unsere kleine Gruppe an diesem kühlen, wenn auch sonnigen Morgen auf dem Jüdischen Friedhof in Coburg einfindet. Wir, das sind der wegen seiner legendären Fotos vom jungen Elvis Presley bekannte Fotograf Alfred Wertheimer aus den USA, das Coburger Ehepaar Helmut und Karin Radermacher und ich selbst.

  • Am Eingang zum jüdischen Friedhof in Coburg; Foto: www.memphisflash.de

Der 84-jährige Fotograf hat erst ein paar Tage zuvor auf Einladung der Elvis Presley Gesellschaft (EPG) im Rahmen des European Elvis Festivals in Bad Nauheim eine Ausstellung seiner Fotos eröffnet und begleitet, um anschließend nach fast 60 Jahren erstmals wieder seine Heimatstadt Coburg zu besuchen.

Im Sommer 1936 hatte Wertheimer Deutschland mit seinen Eltern, dem Metzgerehepaar Käthe und Julius Wertheimer, sowie dem älteren Bruder Heinz in Richtung USA verlassen – noch rechtzeitig bevor die Deportationen der Coburger Juden in die todbringenden Konzentrationslager der Nationalsozialisten im großen Stil begannen.

Initiiert haben diesen Besuch Wertheimers in Oberfranken die leidenschaftlichen Elvis-Fans Karin und Helmut Radermacher, die nicht nur zu dem Fotografen seit längerem Kontakt pflegen, sondern auch zu dessen Nichte Pam Wertheimer. Die erfolgreiche Künstleragentin, die u.a. Sängerin Sheryl Crow managt, hat selbst einige Zeit in Deutschland gelebt und ist sehr interessiert an ihrer deutsch-jüdischen Familiengeschichte. Sie hat Coburg im Jahr zuvor einen Besuch abgestattet und ihren Onkel motiviert, im Herbst des Lebens noch einmal seinen deutschen Wurzeln nachzuspüren.

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Am 4. Dezember 1956 hat Elvis Presley einen seiner berühmten spontanen Einfälle. Mit seiner neuesten Flamme Marilyn Evans aus Las Vegas und Musikerfreund Cliff Gleaves im Schlepptau ist er in einem seiner Straßenkreuzer unterwegs durch Memphis, als er sich spontan entschließt, bei seiner alten Wirkungsstätte – Sam Phillips SUN-Studio, 706 Union Avenue – vorbeizuschauen.

  • The Kings of Rock 'n' Roll haben richtig Spaß (v.l.n.r.): Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Elvis (am Klavier) und Johnny Cash am 4. Dezember 1956 im Sun Studio in Memphis

Genau hier im SUN-Studio hat er fast auf den Tag genau zweieinhalb Jahre zuvor seine erste kommerzielle Single That’s All Right (Mama)/Blue Moon Of Kentucky aufgenommen und damit praktisch aus dem Stand heraus seine Megakarriere gestartet. Inzwischen ein  Superstar mit lukrativem Plattenvertrag beim bekannten New Yorker Label RCA und einer beeindruckenden Folge an Nummer-1-Hits sowie gleich 2 Nummer-1-Alben in den amerikanischen Charts innerhalb weniger Monate, kehrt der King of Rock ’n‘ Roll an diesem milden Dezembernachmittag 1956 dorthin zurück, wo alles anfing für ihn.

Elvis trifft Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash

Als Elvis gut gelaunt zusammen mit Marilyn Evans und Cliff Gleaves bei Sam Phillips reinschneit, ist einer seiner erfolgreichen Nachfolger bei SUN – Carl Perkins – gerade mit einer eigenen Aufnahmesession zugange. Perkins nimmt an diesem Tag einen seiner bekanntesten Songs – Matchbox – auf und wird dabei unterstützt von seinen Brüdern Clayton und Jay, Schlagzeuger W.S. Holland und einem noch wenig bekannten Mann am Klavier: Jerry Lee Lewis. Lewis arbeitet für Studioinhaber Phillips als Session-Pianist.

Nach ein bisschen Smalltalk mit Entdecker Phillips und Anhören der Perkins-Aufnahme, die ihm gut gefällt, gesellt sich Elvis zu den anderen Musikern im Aufnahmeraum, setzt sich ans Klavier und startet damit eine Jam-Session unter seiner Führung, an der alles spontan, nichts vorbereitet und erst recht nichts geprobt ist. Mit anderen Worten die Session ist vor allem eins: very Elvis, d.h. Spaß unter Kumpels, die einen sehr ähnlichen musikalischen Hintergrund haben.

Elvis übernimmt bei den meisten Songs den Leadgesang, ist an der Gitarre zu hören und gibt bald den Platz am Klavier frei für Jerry Lee Lewis, der ordentlich in die Tasten haut und auch gesanglich ganz vorne mit dabei ist. Zurückhaltender als Lewis gibt sich Carl Perkins, der Gitarre und Gesang beisteuert. Auf den erhaltenen Aufnahmen dieser Jam-Session praktisch gar nicht zu hören ist der 4. berühmte SUN-Künstler, der an diesem Tag ebenfalls bei Sam Phillips vorbeischaut: Johnny Cash.

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