Elvis – so isses!

Wenn es um Elvis Presley geht, dann gibt es im Grunde nur eine einzige Sache, die mich wirklich entttäuscht – nur eine Tatsache, die ich zutiefst bedaure: Ich hatte nie die Möglichkeit, diesen großartigen Performer je live zu erleben.

Elvis Presley 1970

Elvis Presley 1970

Und warum? Ich bin einfach zu jung! Elvis Presley hätte es mindestens bis gut in die 1980er, besser noch die 1990er, schaffen müssen, um mir eine realistische Chance zu geben, eines seiner Konzerte zu besuchen. Da beneide ich die Fans etwa der Rolling Stones oder eines Bob Dylan, die immer noch in den Genuss von Live-Auftritten ihrer Lieblinge kommen. So gut habe ich es nicht.

Dabei wäre mir kaum eine Anreise zu weit, kaum ein Ticketpreis zu hoch, um wenigstens 1 Konzert live zu erleben – in Las Vegas oder sonstwo auf dieser Welt. Aus naheliegenden Gründen – der vermaledeite 16. August 1977 hat mir unwiederbringlich einen Strich durch die Rechnung gemacht – ist das unmöglich: That’s The Way It Is. So isses nun mal.

Elvis Presley live in Las Vegas, Sommer 1970

Elvis Presley live in Las Vegas, Sommer 1970

Aber ein Trostpflaster gibt es doch: Ich bin nicht allein. Es gibt eine Menge „Zu-spät-Geborener“ auf diesem Elvis-Planeten. Und weil das so ist, hat der King nicht nur sein eigenes Sammlerlabel Follow That Dream unter dem Dach von Plattenlabel SONY, sondern man bemüht sich dort auch, den „Verlustschmerz“ konsumfreudiger Elvis-Aficionados mit einer geradezu Schwindel erregenden Folge immer neuer Veröffentlichungen vorhandener Aufnahmen zu lindern (→ zum Thema unübersichtliche Diskographie). Irgendwie doch sehr nett von den SONY-Mannen, wenn natürlich auch nicht ganz uneigennützig ;-). So isses nun mal.

Anfang August 2014 hat SONY jedenfalls ein besonderes Leckerli aus dem Archiv gezogenen – einen sicheren Gewinner, der genau solche Leute wie mich ins Visier nimmt: nämlich ein Deluxe-Boxset von Elvis That’s The Way It Is.

Cover des Deluxe-Boxset 'Elvis That's The Way It Is', Sony 2014

Cover des Deluxe-Boxset ‚Elvis That’s The Way It Is‘, Sony 2014

Dieses hochwertige, wirklich sehr geschmackvoll aufgemachte Boxset – man beachte liebevolle Details wie der mit Glanzlack in Szene gesetzte schwarze Haarschopf des King auf dem ganz in Schwarz-Weiß gehaltenen Cover (siehe Abb. oben) – widmet sich ganz der 1970 unter der Regie von Denis Sanders für MGM entstandenen gleichnamigen  Konzertdokumentation, dem entsprechenden Live-Album, das im November 1970 in den USA erstmals auf den Markt kam, den beiden Singles aus diesem Zeitraum (I’ve Lost You/The Next Step Is Love, You Don’t Have To Say You Love Me/Patch It Up) und vor allem den 6 vollständigen Konzertmitschnitten (!) – entstanden zwischen dem 10. und 13. August 1970 sowie einzelnen Aufnahmen von den Proben.

Bestandteile des Deluxe-Boxsets Elvis 'That's The Way It Is' (2014) - 8 CDs und 2 DVDs

Bestandteile des Deluxe-Boxsets Elvis ‚That’s The Way It Is‘ (2014) – 8 CDs und 2 DVDs

Nun ist vieles von dem im Boxset enthaltenen Material zum Teil schon mehrfach im Rahmen anderer Veröffentlichungen – sei es auf dem Sammlerlabel Follow That Dream oder etwa der Legacy-Serie und natürlich einer Fülle an Bootlegs – verwertet worden, was den „Controllern“ unter den Elvis-Fans natürlich nicht entgangen ist.

Daraus hat sich eine sehr vorhersehbare, teilweise ganz schön hitzige Debatte über den Betrug des Plattenlabels an echten Elviskennern ergeben, die geradezu genötigt (häh?) werden, dieselben Aufnahmen immer wieder zu kaufen. Das Ganze kann man schön anhand der Amazon-Rezensionen zum Set verfolgen. Es geht doch wirklich nix über Erbsenzähler.

Dabei machen die SONY-Mannen gar keinen Hehl aus der Mehrfachverwertung. Im aktuellen Deluxe-Boxset haben sie sogar eine Serie farbenfroher Icons eingeführt (Farbpalette passend zu den CDs im Set), die auf Fußnoten verweisen, in denen man die Info findet, wo die Aufnahme schon mal offiziell erschienen ist. Jau, die kennen ihre Erbsenzähler! Werde nie begreifen, wieso ausgerechnet ein Künstler, der dauernd alle Fünfe gerade sein ließ, so viele davon unter seinen Fans hat.

Ein Spaßvogel, aber sicher kein Erbsenzähler: Elvis bei den Proben zur Konzertdokumentation 'Elvis That's The Way It Is' (1970)

Sicher kein Erbsenzähler und das ist gut so: Elvis hat Spaß bei den Proben zur Konzertdokumentation ‚Elvis That’s The Way It Is‘ (1970)

Ich jedenfalls bereue den Kauf dieses Sets nicht, obwohl auch ich zugegebenermaßen eine ganze Reihe der Aufnahmen schon habe. Dennoch überzeugt mich neben dem hochwertigen, sehr ansprechenden Design – das Auge hört mit (!) – die für meine Ohren stimmige Soundqualität (es wurde fleißig ge-remastered und ge-remixed), aber vor allem befriedigt das Set meinen Verlustschmerz.

Elvis That’s The Way It Is Deluxe gibt mir nämlich die Möglichkeit, mich 44 Jahre später an einen der besten Tische des großen Showrooms im International Hotel (später HILTON) zu beamen (→ Are You… Laughing Tonight) und nacheinander – oder wann immer ich Zeit dazu finde – gleich 6 vollständige Konzerte Elvis Presleys auf einem seiner Höhepunkte als Live-Performer zu hören – in guter Soundqualität.

Und das ist gar nicht so selbstverständlich. Denn Elvis-Konzerte sind zu Lebzeiten im seltensten Falle vollständig, sondern praktisch immer nur im Zusammenschnitt präsentiert worden. Hat damit zu tun, dass man zu viele Wiederholungen, etwa durch die Performance von Klassikern, auf neueren Veröffentlichungen vermeiden wollte (→ siehe auch Live-Album Elvis On Stage).

Daher einziger wirklicher Wermutstropfen beim Set für mich (den Verlust von Charlie Hodges Backgroundgesang kann ich verschmerzen, beim Rest der Gesangstruppe hätte ich ein Problem): Die beiden enthaltenen DVDs mit Denis Sanders‘ Original-Konzertdokumentation von 1970 bringt ebenso wenig 1:1 die passenden Bilder zu den CDs wie die editierte Version von 2000. Da gibt es für Warner, hier liegen wohl die Rechte, noch ordentlich „Luft nach oben“, zumal u.a. Elvis That’s The Way It Is The Complete Works des Labels International vor ein paar Jahren ja gezeigt hat, dass sehr viel mehr Material gefilmt als für die Dokumentation letztendlich verwendet wurde. Selbst auf YouTube ist sehr viel mehr davon zu sehen. Aber ich bin mir sicher: Früher oder später kriegen auch die Jungs von Warner das gebacken ;-).

Aber bevor ich jetzt selbst die Erbsenzählerei anfange, gibt’s hier gegen den Verlustschmerz aller „Zu-spät-Geborenen“ das Konzert der Dinner Show vom 12. August 1970 zum Reinhören. Alle Audios stammen natürlich vom Deluxe-Boxset Elvis That’s The Way It Is (2014) – bestellbar über Amazon. Viel Spaß mit einem Konzert, das mit einem Fehlstart beginnt und im weiteren Verlauf viel von Elvis‘ Humor und der Atmosphäre seiner Konzerte in Las Vegas 1970 einfängt. That’s Way It Is – so isses!

Audio: That’s Alright

 

Audio: I Got A Woman

 

Audio: Hound Dog

 

Audio: Heartbreak Hotel

 

Audio: Love Me Tender

 

Audio: I’ve Lost You

 

Audio: I Just Can’t Help Believin‘

 

Audio: Patch It Up

 

Audio: Twenty Days And Twenty Nights

 

Audio: You Lost That Lovin‘ Feelin‘

 

Audio: Polk Salad Annie

 

Audio: Band-Vorstellung

 

Audio: Blue Suede Shoes

 

Audio: You Don’t Have To Say You Love Me

 

Audio: Bridge Over Troubled Water

 

Audio: Suspicious Minds

 

Audio: Can’t Help Falling in Love

2 Antworten
  1. manuela wilke
    manuela wilke says:

    Es ist keineswegs Erbsenzählerei darauf hinzuweisen das man bei dieser Box viel Geld für wenig neues ausgeben muss und es keine – wie bei den Boxen anderer Künstler üblich – günstige Alternative mit dem unveröffentlichten Material für den treuen Fan gibt.
    Auch ist das Fehlen von Hodge`s Stimme ein absolutes Unding da er zu Elvis musikalischem Konzept gehörte.

    Desweiteren ist vieles auf der Box – anders als versprochen wurde – gekürzt und zensiert.

    Bei diesem Preis eine Unverschämtheit.

    Ihr Freude über das Produkt in allen Ehren, aber eine solche – in der Summe – viel zu unkritische Betrachtungsweise wird kann von mir nicht als seriös eingestuft werden.

    Antworten

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