Viva Las Vegas: ein Pop Art-Klassiker wird 50!

Vor 50 Jahren, am 20. Mai 1964, lief Viva Las Vegas – Elvis Presleys 15. Hollywoodfilm – in den amerikanischen Kinos an. Deutschlandpremiere war am 24. Juli unter dem Titel Tolle Nächte in Las Vegas. Höchste Zeit für eine Hommage an einen unterhaltsamen Filmklassiker und seine beiden charismatischen Hauptdarsteller: Elvis Presley und Ann-Margret Olsson!

Nose to nose: Ann-Magret als Rusty mit Elvis Presley alias Lucky Jackson in Viva Las Vegas

Ann-Margret als Rusty mit Elvis Presley alias Lucky Jackson in ‚Viva Las Vegas‘ (1964)

2 echte Klassiker hat Elvis Presleys vielgeschmähte Hollywoodkarriere (→ Elvis in Hollywood, → Elvis im Kino) hervorgebracht, da sind sich Filmhistoriker mittlerweile ziemlich einig: → Jailhouse Rock (1957), der Rock ’n‘ Roll-Film schlechthin – 2004 ins Nationale Filmregister der USA als kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevanter Film aufgenommen – und… Viva Las Vegas (1964), ein klassisches Elvis-Musical der 1960er.

Nun könnten die Filme auf den ersten Blick unterschiedlicher gar nicht sein: der eine ein musikalisch unterlegtes Drama um einen „angry young man“ in der Tradition von Dean und Brando, der andere eine farbenfrohe Musikkomödie um einen Rennfahrer, der sein Glück ausgerechnet in Las Vegas findet. Können die wirklich in einer Liga spielen? Und ob. Viva Las Vegas gilt unter amerikanischen Filmhistorikern heute als „a visionary cultural artifact“, konkreter ausgedrückt als:

„A fully realized example for the early- to mid-’60s pop art movement, in its cinematic specifics it signifies every American fantasy of innocence and lust, flawless beauty and easy money, good times and charmed lives.“

– zitiert nach Douglas Brode: Elvis Cinema and Popular Culture, 2006

Viva Las Vegas wird also als filmische Pop Art erster Güte geschätzt, was Andy Warhols guten Riecher (→ Elvis und Andy Warhol: Kings of Popular Art) einmal mehr bestätigt. Eine Bewertung, der sich – in anderen Worten – auch Filmhistoriker James Neibaur → The Elvis Movies und Film-Aficionado → Paul Simpson in ihren Veröffentlichungen anschließen.

Viva Las Vegas: Spotlight Filmcrew

Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr, denn bei Viva Las Vegas – eine Produktion der MGM unter der Regie des Filmproduzenten und Regisseurs George Sidney – war eine Filmcrew am Werk, die den Auftrag, eine unterhaltsame, zeitgemäße Musikkomödie zu schaffen offensichtlich nicht nur ernst nahm, sondern mit den vorhandenen Mitteln auch kreativ umzusetzen wusste.Das ist vor allem bei den Gesangs- und Tanznummern von Elvis und Ann-Margret zu sehen.

Herausgekommen ist ein Film-Musical, das dem Team um Hollywoodproduzent Hal Wallis, der als eigentlicher Erfinder des Elvis-Musicals (G.I. Blues, Blue Hawaii, → Fun In Acapulco) gilt, zeigte, wie man’s besser machen kann.

My baby loves me: Ann-Magret und Elvis legen eine flotte Sohle aufs Parkett

My baby loves me: Ann-Margret und Elvis legen eine flotte Sohle aufs Parkett

Mit Ann-Margret Olsson besetzte Viva Las Vegas nur 1 weibliche Hauptrolle, während sich sonst in einem Elvis-Film gleich eine ganze Riege mehr oder minder bekannter (und begabter) Darstellerinnen die Klinke in die Hand gaben. Ann-Margret jedoch war 1963 selbst schon ein Star und konnte dem King das Wasser reichen, was Leinwandpräsenz und Musikalität anging.

Take a real deep breath...

Take a real deep breath…

In Viva Las Vegas präsentierte sich Ann-Margret als weiblicher Elvis – sehr talentiert, musikalisch und äußerst attraktiv. Wenn Ann  im Film ihren „Pelvis“ schwingt, muss der King Gas geben, damit er mitkommt ;-). Die schöne Ann mag nicht die eindrucksvollste Sängerin auf diesem Planeten sein, aber sie ist eindeutig eine ausgezeichnete Performerin. Beim Anblick ihrer Beine in Hot Pants oder  gerade mal noch als blickdicht zu bezeichnenden Leggings (oder sind das etwa Strumpfhosen?) dürfte mehr als nur ein männlicher Kinobesucher ordentlich Schnappatmung bekommen haben.

Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten für Viva Las Vegas, die vom 15. Juli bis 16. September 1963 an verschiedenen Orten des US-Bundesstaates Nevada und auf dem MGM-Studiogelände in Hollywood stattfanden, hatte die gebürtige Schwedin (*1941 in Valsjöbyn) schon einen filmischen Erfolg als Hauptdarstellerin in Bye Bye Birdie (1963) im Kasten.

Bye Bye Birdie entstand ebenfalls unter der Regie von George Sidney und war eine Adaption eines erfolgreichen Broadway Musicals mit einem Elvis-Thema.  In dem Musical geht es um einen Jungstar und Teenie-Schwarm, der zum Militär eingezogen wird, was seine Fangemeinde mächtig aus dem Häuschen bringt… Guck‘ mal an!

Doch das war längst noch nicht der einzige Elvis-Bezug, denn Ann-Margret brachte nach ihrer Entdeckung in Las Vegas durch George Burns 1961 ihr Debütalbum And here she is: Ann-Margret ausgerechnet bei Elvis‘ Plattenfirma RCA raus. 1962 versuchte sie sich auch an einem Cover von Elvis Megahit Heartbreak Hotel (1956):

Das alles brachte ihr den Namen „weiblicher Elvis“ ein. Sie hatte „ihren Elvis“ also schon ganz gut drauf, als sie bei Viva Las Vegas anheuerte. Ann-Margrets Gesangskarriere entwickelte sich jedoch nicht wirklich erfolgreich. Nur eins ihrer Alben – The Beauty And The Beard (1964) – kam in die Charts. 1966 ließ RCA den Plattenvertrag mit ihr auslaufen.

Als Schauspielerin war sie erfolgreicher: Ihr Filmdebüt hatte sie 1961 neben der großen Bette Davies in Pocket Full Of Rainbows, es folgte 1962 eine Rolle im Remake des Musicals State Fair neben Pat Boone und Bobby Darin. Für Ihre Rollen in State Fair und Bye Bye Birdie wurde Ann-Margret mit dem Laurel Award (Goldener Lorbeer) für die beste musikalische Performance sowie die beste weibliche Darstellung in einer Komödie ausgezeichnet.

Filmregisseur und -produzent George Sidney

Filmregisseur und -produzent George Sidney

Muscialerfahrung hatte ebenfalls Regisseur George Sidney (1916-2002), der zusammen mit Jack Cummings Viva Las Vegas auch produzierte. Sidney führte u.a. Regie bei Annie Get Your Gun (1950), Kiss Me Kate (1953) und das schon erwähnte Musical Bye Bye Birdie.

Die Tatsache, dass Sidney und Ann-Margret bereits erfolgreich zusammengearbeitet hatten und der Regisseur wohl auch deshalb Elvis‘ Leinwandpräsenz zugunsten der von Ann-Margret kürzte, führte zu Irritationen im Elvis-Camp. Schließlich war Viva Las Vegas doch ein Elvis-Film, entsprechend musste Elvis am häufigsten zu sehen sein. Sidney jedoch, der sich andere Elvis-Musicals angeschaut hatte, fand, dass mehr Spannung erzeugt wurde, wenn die Einstellungen häufig zwischen den Hauptdarstellern wechseln.

Das Resultat gibt Sidney Recht: der Film lebt vor allem von der Interaktion der beiden Hauptdarsteller und wird mit den Kameraeinstellungen in der Tat gut eingefangen. Allerdings gelang es dem Regisseur nicht, im festgelegten Produktionsbudget zu bleiben, was einer der Hauptgründe gewesen sein dürfte, weshalb Viva Las Vegas sein einziger Elvis-Film blieb. Immerhin hat er einen Pop Art-Klassiker geschaffen, wie man heute weiß.

Cesare Danova alias Deitinger in 'Duel of Honor'

Cesare Danova alias Deitinger in einer frühen Rolle: ‚Duel of Honor‘ (1958)

Auch die Nebendarsteller von Viva Las Vegas waren keine völlig unbekannten Gesichter. Der Italiener Cesare Danova (1926-1992, eigentlich Cesare Deitinger) – in Viva Las Vegas als Count Elmo Mancini zu sehen – hatte sich seine Sporen schon als Schauspieler in Italien verdient, bevor er in den 1950ern in die USA emigrierte.

1963 wurde Danova bekannt durch seine Rolle neben Richard Burton und Elizabeth Taylor in Cleopatra. In späteren Jahren war er vor allem in erfolgreichen TV-Produktionen zu sehen: Falcon Crest, Hart to Hart, Mission: Impossible, Magnum.

William Demarest

William Demarest

William Demarest (1892-1982), der in Viva Las Vegas den Vater von Rusty Martin (Ann-Margret) gibt, wirkte in seiner fast 50-jährigen Karriere als Filmschauspieler, vor allem Komiker, in mehr als 170 Produktionen mit.

Für seine Rolle in Der Jazzsänger (The Jolson Story) wurde Demarest 1946 für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Ab den 1950ern war er auch häufig im TV zu sehen, zu seinen bekanntesten Rollen hier gehört die des Onkel Charley in der Serie My Three Sons.

Bemerkenswert: Das Drehbuch zu Viva Las Vegas schrieb ausnahmsweise eine Frau, was für Elvis-Filme ungewöhnlich ist. Kurzgeschichtenautorin Sally Benson (1897-1972) schaffte zuvor schon die Vorlagen für so erfolgreiche Musicals wie Meet Me In St. Louis (1944) und Anna And The King Of Siam (1947), letzteres brachte ihr eine Oscar-Nominierung ein.

Viva Las Vegas im Kino

Nun gilt Viva Las Vegas, wie eingangs gesagt, unter Filmhistorikern als Pop Art-Klassiker. Aber wie wurde der Film eigentlich wahrgenommen, als er 1964 in den Kinos anlief? Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass die Weltpremiere nicht in den USA, sondern Mitte März 1964 in Großbritannien unter dem Titel Love In Las Vegas stattfand. Es folgten Premieren in Skandinavien und Japan, bevor am 20. Mai 1964 die USA und gut zwei Monate später auch Deutschland folgten.

Deutsches Kinoplakat für Tolle Nächte in Las Vegas - aus Helmut Radermacher: Das große Elvis Presley Filmbuch

Deutsches Kinoplakat für Tolle Nächte in Las Vegas – aus Helmut Radermacher: Das große Elvis Presley Filmbuch

An der Kinokasse war der Film ein Erfolg. Gedreht für ein Budget von geschätzt 1 Mio. USD spielt er weltweit rund 10 Mio ein, gut 50 Prozent davon allein in den USA. Laut Paul Simpson, Autor von → Elvis Films FAQ, entspräche das in etwa einer Summe von 39 Mio. USD in der heutigen Zeit. Den Zuschauern hatte es also schon mal gefallen, was man auch daran sehen kann, dass Viva Las Vegas bei den Laurel Awards, die auf  Umfragen bei den Kinobetreibern hin vergeben wurden, mit einem 2. Platz (Gewinner: Goldgräber-Molly) belohnt wurde.

Aber was sagte die zeitgenössische Filmkritik? Rezensent Howard Thompson von der New York Times – man kennt den Spaßvogel schon von seiner Rezension zu Fun In Acapulco – fand die Schauspielerriege gut zusammengestellt, den Soundtrack ordentlich, den ganzen Film ansprechend, wenn auch „unimportant as a banana split“, ein leichter Unterhaltungsfilm eben, allerdings ein fesselnder.  Beim Filmmagazin Variety hingegen war man wenig begeistert und fand das Drehbuch zu dünn, die Kombination der Hauptdarsteller „over the top“.

Fazit: Viva Las Vegas ist einer der Elvis-Filme, die man wirklich gesehen haben sollte. Es gibt ihn selbstverständlich auf DVD, mittlerweile auch als Blu-Ray-Edition. Dabei ist Viva Las Vegas sicherlich kein Film, der den Anspruch hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Sein einziger Anspruch ist, zu unterhalten: mit Musik, dynamischen Tanzeinlagen, einer farbenfrohen Kulisse und zwei sympathischen, attraktiven Hauptdarstellern. Und das gelingt dem Pop Art-Klassiker auch 50 Jahre nach seinem Kinodebüt außerordentlich gut.


 

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