Buchtipp: Elvis’ Favorite Director von Michael A. Hoey

31 Hollywoodstreifen (→ Elvis in Hollywood) hat Elvis Presley zwischen 1956 und 1969 gedreht. Das ist eine ganz schöne Menge für jemanden, der in erster Linie Musiker war und gerade einmal 42 Jahre “alt” wurde. Nun bezweifelt heute kaum noch jemand, dass der King Musikgeschichte geschrieben hat, als Schaupieler gilt er den meisten jedoch eher als Leichtgewicht – freundlich formuliert.

Trotzdem erfreuen sich seine Musikkomödien bis heute großer Beliebtheit. Sie laufen immer noch regelmäßig im TV und erleben gerade eine erstaunliche Renaissance auf YouTube. Hier der Trailer zu Live A Little Love A Little (Liebling, Lass’ das Lügen, 1968), ein Film, bei dem Hollywood-Urgestein Norman Taurog Regie führte und Michael A. Hoey das Drehbuch schrieb – basierend auf der Romanvorlage Kiss My Firm And Pliant Lips:

Geht es um Elvis den Schauspieler, dann sprechen wohlmeinende Kritiker gerne von “nicht entfaltetem Potenzial”, weniger wohlmeindende Biografen – meist sind es Musikhistoriker – halten Elvis’ Filmkarriere schlicht für  Zeitverschwendung, da ihrer Meinung nach einfach nicht genügend Talent vorhanden war und auch die Qualität der Soundtracks weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Hinzu kommt, dass Elvis Presley seiner Hollywoodkarriere selbst sehr kritisch gegenüberstand (→ Audio von 1972 mit Elvis’ eigenenen Aussagen zu seinen Filmen).

Entsprechend weist die riesige Menge an Literatur über Elvis Presley – abgesehen von zum Teil toll aufgemachten Bildbänden für Fans, in denen etwa die Dreharbeiten und Kinoerfolge dokumentiert werden (→ Summer of ’61, → King Creole Frame by Frame, Helmut Radermachers Das Große Elvis Presley Filmbuch) – verhältnismäßig wenig Veröffentlichungen auf, in denen Autoren, die mit Filmhistorie und Filmindustrie vertraut sind, sich zum Thema äußern. Ein paar löbliche Ausnahmen habe ich hier im Blog schon besprochen: Elvis Films FAQ von Paul Simpson und Björn Eckerls Elvis im Kino. Beide Publikationen sind jüngeren Datums, ebenso wie Bill Brams hervorragendes Elvis Frame by Frame.

Gerade erst erschienen ist ein weiterer Band, der signalisiert, dass offensichtlich langsam aber sicher Bewegung in das Thema Elvis Presleys Filmkarriere kommt: Elvis’ Favorite Director – The Amazing 52-Year Career of Norman Taurog von Michael A. Hoey. Dieses Buch über Elvis und den Regisseur Norman Taurog zeichnet zeichnet gleich mehrere Dinge aus, die es lesenswert machen.

Mindestens 3 gute Gründe für Michael A. Hoeys “Elvis’ Favorite Director”

Michale A. Hoey, Norman Taurog, Nancy Sinatra und Elvis bei den Dreharbeiten zum Film 'Speedway'

Michael A. Hoey (links), Norman Taurog, Nancy Sinatra und Elvis bei den Dreharbeiten zum Film ‘Speedway’ 1967

Zuerst einmal stammt Elvis Favorite Director von einem Insider der Hollywoodmaschinerie, denn Michael A. Hoey (*1934) ist nicht nur Sohn des Schaupielers Dennis Hoey, sondern lange selbst erfolgreich als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur tätig gewesen. Hoey arbeitete ab 1963 eng mit Hollywood-Regisseur Norman Taurog zusammen und schrieb Ende der 1960er  u.a. zwei Drehbücher für Elvis-Filme, nämlich Stay Away Joe und das erwähnte Live A Little Love A Little.

Bislang wenig bekannt: Ein drittes Drehbuch, das Hoey zusammen mit Norman Taurog verfasste, um dem King in den 1960ern aus der Musical-Sackgasse zu verhelfen, wurde nicht realisiert. Auch wurde sein Drehbuch für → Stay Away Joe (dt. Harte Fäuste, heiße Lieder) vom Regisseur nicht wie konzipiert umgesetzt, worüber sich Hoey heute noch sattsam ärgert. Schließlich hat er dem Flash die Filmfigur des Joe Lightcloud geradezu aufs Leibchen geschneidert. Und: Michael Hoey hat Elvis Presley persönlich gekannt und während der Dreharbeiten zu mehreren seiner Filme erlebt. Ein Insider eben.

Der junge Norman Taurog - Foto: Paramount

Der junge Norman Taurog – Foto: Paramount

Außerdem wirft Hoeys Neuerscheinung ein sehr interessantes Licht auf die lange, erfolgreiche Karriere des Regisseurs Norman Taurog (1898 – 1981), der sein Handwerk in der Stummfilmära von der Pike auf lernte – er war als Teenager selbst Schauspieler, arbeitete sich dann vom Requisiteur über die Regieassistenz bis zum Regisseur und Drehbuchautor hoch. 1931 wurde Taurog – zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal Mitte 30 – als jüngster Regisseur mit einem Acadamy Award für den Film Skippy ausgezeichnet.

Taurog war früh auf Komödien spezialisiert, er führte in mehr als 100 Kurzfilmen der Stummfilm-Ära und gleich für mehrere Hollywoodstudios in 78  großen Spielfilmproduktionen Regie, in denen er so bekannten Schauspielern wie Spencer Tracy, Cary Grant, Deborah Kerr, David Niven, Mickey Rooney, Dean Martin, Jerry Lewis und Sängern wie Judy Garland, Mario Lanza, Bing Crosby sagte, wo es lang ging. Spencer Tracy erhielt unter der Regie Taurogs für seine Rolle als Pater Flanagan in Boys Town (Teufelskerle, 1938) seinen 2. Oscar als bester Schauspieler.

Sicher war Norman Taurog nie ein so gefeierter Regisseur wie etwa ein Billy Wilder oder ein Alfred Hitchcock, um nur mal 2 zu nennen, aber er galt als jemand, der sein Handwerk wirklich beherrschte, noch dazu sehr umgänglich und sympathisch war. Alles Eigenschaften, die ihn zu einem bevorzugte Regisseur Elvis Presleys werden ließen.

Elvis mit Regisseur Norman Taurog am Filmset von 'Live A Little Love A Little'

Elvis mit Regisseur Norman Taurog am Filmset von ‘Live A Little Love A Little’

Last but not least: Taurog hat in 9 der 31 Elvis-Filme zwischen 1960 und 1968 Regie geführt, womit er den Regie-Rekord hält. Mit dem letzten – Live A Little Love A Little, ging er, inzwischen auf einem Auge ganz, auf dem anderen teilweise erblindet, sozusagen in Pension.

Zu den Elvis-Filmen unter Taurogs Regie gehören die Erfolgsfilme G.I. Blues (1960) und Blue Hawaii (1961), ferner Girls Girls Girls (1962), It Happened At The World’s Fair (1963), Tickle Me (1965), Spinout (1966), Double Trouble (1967), Speedway (1968) und Live A Little Love A Little (1968).

Elvis Presley und Norman Taurog haben sich – das weiß nicht nur Michael Hoey zu berichten – sehr gemocht, auch wenn sie beide nicht gerade begeistert von der Art der Drehbücher waren, mit denen sie für die Elvis-Komödien vor allem ab Mitte der 1960er arbeiten mussten. Elvis hat sich bei seinem langjährigen Regisseur schließlich mit einem Cadillac für dessen Unterstützung bedankt. Und Taurog? Der war noch Jahre nach Beendigung seiner Karriere unterwegs mit diesem Cadillac, gefahren von seinem Chauffeur.

Dem Schauspieler Elvis Presley stellte Taurog Ende der 1960er ein differenziertes Zeugnis aus, das durchaus nachdenklich macht. War doch was dran am unerschlossenen Potenzial?:

“I’ve  done a lot of pictures with Elvis and I feel he still has talent to give which hasn’t been touched yet. To me he’s a fine light comedian. He’s not an actor, but a reactor. He always tackles his roles with a comedic tongue-in-cheek. I feel as he matures he could turn into a very fine character actor.”
– Norman Taurog, zitiert nach Michael A. Hoey

 

Buchcover_HoeyFazit: Empfehlenswertes Buch für alle, die sich für Norman Taurogs Karriere, Hollywood und natürlich die Filme Elvis Presleys interessieren. Die Publikation enthält viel Neues und bislang wenig Bekanntes, ist allerdings kein Fotobuch! Kapitel, die sich ausschließlich mit Taurogs Karriere beschäftigen, wechseln sich mit solchen zu den Taurog-Elvis-Filmen ab – die Erzählweise ist also nicht streng chronologisch. Das ist gut gelöst und kommt sicher den Lesern, die sich in erster Linie für Elvis Presley interessieren, entgegen.

Einziges Manko aus meiner Sicht: Eigentlich bietet Hoey hier Stoff für 2 Bücher – eine Biografie Norman Taurogs, die auch ohne Elvis interessant wäre, und eine separate Veröffentlichung speziell zu den Elvis-Filmen. Genug Stoff hätte er wahrlich gehabt. Ein bisschen schade auch, dass Hoey in Sachen nicht realisiertes Elvis-Drehbuch nicht mehr ins Detail geht.

Michael A. Hoey: Elvis’ Favorite Director: The Amazing 52-Year Career of Norman Taurog,  370 Seiten,  Bearmanor Media 2013, Sprache: Englisch, ISBN-10: 1593937555 I ISBN-13: 978-1593937553, Preis Taschenbuch: 19,44 EUR, Kindle: 7,60 EUR (beides Amazon)

2 Antworten
  1. patricia
    patricia says:

    Danke, Rader. Und ja, die Filme werden immer noch vorschnell alle in einen Topf geworfen und insgesamt wenig differenziert betrachtet. Da wird auch vieles, was vor über 50 Jahren schon falsch wiedergegeben wurde – man denke nur an die angeblich 30 Songs im Film ‘Jailhouse Rock’, von denen die Zeitschrift Film-Dienst fälschlicherweise erstmals sprach, was dann im Filmlexikon usw. landete – bis heute munter nachgeplappert. Aber es sieht so aus, als kämen die Filmleute – siehe Hoey – so langsam aus den Puschen mit ihrer eigenen Darstellung. Gruß patricia

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  2. Rader
    Rader says:

    Sehr gut durchdachte Beschreibung.
    Generell ist so, dass die Elvis-Filme im Schnitt besser sind als sie allgemein gemacht werden. Mir scheint, manche haben Gefallen daran, es vielen anderen nur nachzuplappern, Negatives zu verbreiten.

    Antworten

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