Fun In Acapulco: Elvis in seinem 13. Kinofilm

Elvis Presleys 13. Kinofilm Fun In Acapulco (1963) ist ein klassisches Elvis-Musical, wie es nach dem Mega-Erfolg des Vorläufers Blue Hawaii (1961) – beide Filme wurden von Hal Wallis produziert – für den King in den 1960ern zum Standard wurde.

Elvis Presley in seinem 13. Kinofilm 'Fun In Acapulco'

Schicker Serienheld: Elvis Presley in seinem 13. Kinofilm ‘Fun In Acapulco’ (1963)

Elvis-Musicals wirken wie Teile einer Fortsetzungsserie. Im Zentrum steht nicht nur immer wieder derselbe Hauptdarsteller, auch die Nebendarsteller kommen mehrfach zum Einsatz, ebenso wie  Drehbuchautoren, Soundtrackkomponisten, Musiker und Produzenten (→ siehe 50 Jahre Fun In Acapulco: Spotlight Filmcrew,Fun In Acapulco: Drehbuch und Soundtrack).

Man kann sich sogar ohne allzu große Mühe den Spaß machen, Szenen verschiedener Elvis-Musicals aus den 1960ern so miteinander zu kombinieren, dass ein neuer Film entsteht, den es in der Form niemals gegeben hat und der trotzdem als Elvis-Film funktioniert – ein paar kreative Fans haben sich daran auch schon versucht, wie ein Blick in YouTube zeigt. Das liegt vor allem an dem Protagonisten, dessen Musical-Persona der 1960er über Jahre beim Kinopublikum so gut ankam – Elvis Presley gehörte in den 1960ern zeitweise zu den bestbezahlten Kassenmagneten Hollywoods -, dass sie in Serie reproduziert wurde.

Dabei hatte sich die Elvis-Filmpersona von den 1950ern zu den 1960er stark verändert, was längst nicht jedem Fan der 1. Stunde gefiel. Man denke nur an John Lennons häufig zitierte Aussage: “Elvis died the day he went into the army”. Das wäre dann also 1958 mit Abschluss der Dreharbeiten zu Elvis 4. Kinofilm → King Creole der Fall gewesen.

Diesen Klassiker hat – wie Fun In Acapulco – übrigens auch der umtriebige Hal Wallis produziert, für den es Anfang der 1960er nur eine garantiert (kommerziell) erfolgreiche Produktion in Hollywood gab: einen Elvis-Presley-Film. Aus Sicht eines Veteranen der Hollywood-Filmproduktion darf man das durchaus als Kompliment verstehen.

Aber zurück zu dem bekennenden Elvis-Fan John Lennon. Hat er Recht? Das dürfte wohl in erster Linie eine Frage der Perspektive sein. Witzigerweise soll ausgerechnet Fun In Acapulco der Elvis-Film gewesen sein, den die Beatles sich bei ihrem 1. Aufenthalt in den USA 1964 im Autokino angesehen haben.

Haben die 4 Jungs aus Liverpool bei dieser Gelegenheit tatsächlich Vince Everett aus Jailhouse Rock (1957) oder Danny Fisher aus King Creole (1958) auf der Kinoleinwand erwartet, dann dürfte Mike Windgren aus Fun In Acapulco (1963) in der Tat eine Überraschung gewesen sein. Bleibt die Frage, inwieweit sich Mike Windgren von Danny und Vince unterscheidet. Kurz: Was ist dieser Mike eigentlich für ein Typ?

Danny vs Mike: vom James Dean der 1950er zum James Bond der 1960er

Dass Fun In Acapulco klar ein Elvis-Musical mit reichlich Urlaubsambiente ist, wird schon beim Vorspann deutlich: Gezeigt wird eine Postkartenidylle, zu hören ist unverkennbar Elvis Presley mit dem Titelsong. Der Protagonist ist also zu hören, noch bevor er zu sehen ist. Es ist also sofort klar: Hier gibt es den singenden Elvis in einer neuen Variante.

Audio: Titelsong Fun In Acapulco (Quelle: gleichnamige FTD)

 

Doch lange muss der Zuschauer auch nicht auf den Anblick des Protagonisten warten. Gleich in der 1. Szene begegnet er Elvis alias Mike Windgren auf einem Motorboot, das vor Acapulco vor Anker liegt. Und schon in dieser einen Szene werden die wesentlichen Charakteristika der Elvis-Persona umrissen. Merke: Ein ELVIS entwickelt sich nicht, er IST!

Im ersten Moment meint der Zuschauer, Mike Windgren sei der Bootsbesitzer, so schnieke kommt er daher. Hollywoods Parade-Kostümbildnerin Edith Head – für ihre Kostümentwürfe im Laufe ihrer Karriere unglaubliche 35-mal für den Oscar nominiert – hat hier ganze Arbeit geleistet und aus dem Dandy-Rocker Elvis der 1950er (→ Kleider machen Leute) einen Dandy ohne Rocker vom Scheitel über die bewegten Hüften bis zur Sohle maßgeschneidert.

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Dandy ohne Rocker: Elvis in seinem 13. Kinofilm ‘Fun In Acapulco’ (1963)

 

Gestutzt sind auch die in den 1950ern Anstoß erregenden Koteletten, die berühmte Tolle gebändigt – die ganze Frisur des Mike Windgren assoziiert: Egal wie sehr mein Träger auch unter Strom stehen mag, bei mir bleibt alles an seinem Platz. Wozu gibt’s Haarspray ;-). Den Rest besorgt das Make-up, mit dem er reichlich ausgestattet ist.

Dass Mike trotz seines gepflegten Äußeren nicht der Besitzer des Bootes ist, sondern für einen reichen Amerikaner als eine Art Bootsführer arbeitet, wird schnell aufgelöst, muss auch, denn ein Elvis ist in all seinen Filmen ein Mann der Tat, der die Ärmel hochkrempelt, oft gleich mehrere Jobs parallel hat, ohne dabei Coolness und gute Laune zu verlieren.

Ein Mann der Tat macht auch seine eigenen Stunts: Elvis Presley als Mike Windgren kopfüber am Trapez

Ein Mann der Tat macht auch seine eigenen Stunts: Elvis Presley als Mike Windgren kopfüber am Trapez

Einen Elvis als Schreibtischtäter wird man in keinem seiner Filme finden – zu sehr bedarf seine Leinwandpräsenz der Aktion, der Bewegung, um zu wirken – so auch als Mike Windgren. Mike ist Hochseilartist, Bootsführer, Sänger (klar) und Bademeister in einem.

Schon in der Eingangsszene wird das Verhältnis der Elvis-Persona Mike zu Männern und zu Frauen, also letztendlich auch zum Kinopublikum, plakativ definiert. Was das Verhältnis zu Männern angeht, ist Mike in erster Linie ein sympathischer Kumpeltyp, was durch seine 1. Begegnung mit den 4 Amigos – eine Gesangstruppe, die lautstark für ihren abendlichen Auftritt in der Bar El Torito wirbt – deutlich gemacht wird.

Sein Verhältnis zu Frauen wird durch die Szene mit der minderjährigen Tochter seines Arbeitgebers – gespielt durch Ex-Playmate Teri Hope – charakterisiert: Mike/Elvis ist ein Womanizer, allerdings einer, der sich nicht für Lolitas (Vladimir Nabokov: Lolita, 1955), sondern erwachsene Frauen interessiert, was er auch im weiteren Verlauf des Films hinreichend dokumentiert. Ist das Mädchen zu jung, gibt er den großen Bruder in der Beschützerrolle. Ein Mike Windgren weiß, wie weit er gehen darf. Mike Windgren: ein sympathischer Kumpeltyp mit einer großen Vorliebe fürs weibliche Geschlecht.

Mike ist kein Außenseiter oder rebellischer angry young man à la Danny Fisher hungrig nach Anerkennung und Erfolg, er bewegt sich altersmäßig vielmehr in Richtung 30 und ist längst angekommen in der gut situierten Mitte der amerikanischen Gesellschaft, die es sich leisten kann, in Acapulco zu urlauben. Das wird dem Zuschauer schon auf den 1. Blick durch das äußere Erscheinungsbild Mikes vermittelt.

Hahn im Korb: Elvis mit Ursula Andress (links) und Elsa Cárdenas

Hahn im Korb: Elvis mit Ursula Andress (links) und Elsa Cárdenas

Dass der Hauptdarsteller im Film gleich mehrere Jobs hat, also nicht auf der “faulen Haut” in der Sonne liegt, ändert an dieser Wahrnehmung nichts. Dieser Aspekt erscheint als eine eher zu vernachlässigende Eigenart des ohnehin reichlich konstruierten, vom Soundtrack unterlaufenen Drehbuchs (→ Fun In Acapulco: Drehbuch und Soundtrack).

Als Figur ist Mike aus Fun In Acapulco (1963) ein Mann seiner Zeit. Deutlich ist am Typus des damals sehr populären Playboys angelehnt, wie ihn Hugh Hefners 1953 gegründetes gleichnamiges Magazin, der Industriellensohn Gunter Sachs – in den 1960ern verbandelt mit der Schauspielerin Brigitte Bardot – oder auch die frühen James Bond-Verfilmungen mit Sean Connery in der Hauptrolle (inkl. Bond-Girl Ursula Andress, Elvis’ Filmpartnerin in Fun In Acapulco) propagieren.

Doch wie viel “Macho” steckt wirklich in der Figur des Mike? Wie eingleisig ist sein Verhältnis zu Frauen und welche Rollenbilder werden in Fun In Acapulco vermittelt? Dazu siehe → Fortsetzung Rollenbilder in Elvis Presleys Film Fun In Acapulco.

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  1. […] Beatle John Lennon sich 1964 im Kinosessel also nicht “abgeholt” gefühlt hat → siehe Elvis in seinem 13. Kinofilm, ist das gar kein Wunder ;-). Er war nicht die Hauptzielgruppe für diesen […]

  2. […] → Fortsetzung in Teil 2: Elvis Presleys Fun In Acapulco: Drehbuch vs. Soundtrack → Fortsetzung Teil 3: Elvis in Fun In Acapulco: von James Dean der 1950er zu James Bond der 1960er. […]

  3. […] → Fortsetzung Teil 3: Elvis in Fun In Acapulco: von James Dean der 1950er zu James Bond der 1960er. […]

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