TCB: Taking Care of Business in a Flash

3 Buchstaben mit einem Blitz: Elvis Presleys Motto Taking Care of Business (in a Flash) war in den 1970en als Logo auf Gegenständen seines beruflichen und persönlichen Lebens geradezu allgegenwärtig. Das von ihm selbst entworfene Logo fand sich auf dem Briefpapier ebenso wie auf dem Heck des eigenen Flugzeugs, an den Wänden des TV-Raums in Graceland, verarbeitet zu Schmuckstücken als Geschenk für gute Freunde und Mitarbeiter, auf Karate-Equipment aller Art, bis hin zu privaten Gegenständen wie den eigenen Brillengestellen und sündhaft teuren Ringen.

Ein kleines Vermögen wert: Elvis Presleys Ring mit TCB-Logo aus dem Jahr 1975, entworfen von Juwelier Lowel Hayes in Memphis im Auftrag des King. Der Diamant im Zentrum hat rund 11 Karat; Foto: July Mundy, EPE 2003

Symbolträchtig und ein kleines Vermögen wert: Elvis Presleys Ring mit TCB-Logo aus dem Jahr 1975, entworfen von Juwelier Lowel Hayes in Memphis im Auftrag des King. Der Diamant im Zentrum hat rund 11 Karat; Foto: July Mundy, EPE 2003

TCB: Bedeutungsebenen

Aber was bedeutet das eigentlich: Taking Care of Business in a Flash? Zunächst einmal ist Taking Care of Business eine heute ziemlich weit verbreitete Formulierung, die am ehesten zu verstehen ist als „tun, was getan werden muss“. Damit wird kurz und knapp der inneren Haltung Ausdruck verliehen, sich für Aufgaben verantwortlich zu fühlen, sie jederzeit sorgfältig, kompetent – und in Elvis’ Sinne auch noch blitzschnell – zu erledigen.

Auf gut Deutsch: nicht lange reden, zackig selbst die Ärmel hochkrempeln, ordentlich anpacken. Die Abkürzung T.C.O.B. für Taking Care of Business wird in Wirtschaftskreisen der USA auch verwendet, um die leitende Funktion eines Managers zu unterstreichen, damit kommen auch Führungsqualitäten als Bedeutung mit ins Spiel.

Aber es spielt noch eine weitere, indirektere Bedeutungsebene eine Rolle, die erst sichtbar wird, wenn man sich anschaut, wo der Ausdruck TCB Ende der 1960er – also etwa zu dem Zeitpunkt, als Elvis ihn als Lebensmotto adaptierte – besonders in Erscheinung trat: in der Musik afroamerikanischer Künstler nämlich. In Aretha Franklins Riesenhit Respect (1967), eine Coverversion von Otis Reddings gleichnamigen Song aus dem Jahr 1965, findet er sich in den Liedzeilen: R-E-S-P-E-C-T – Find out what it means to me – R-E-S-P-E-C-T – Take care … TCB. Interessanterweise ist diese TCB-Passage in Otis Reddings Original nicht enthalten.

Am 9. Dezember 1968, nur wenige Tage nachdem beim Sender NBC das berühmte TV-Special ELVIS (heute bekannt als 68 Comeback-Special) gezeigt worden war, ging ein weiteres sehr bekanntes TV-Special bei NBC auf Sendung: nämlich TCB der Motown Productions. Wie bei ELVIS handelte sich bei TCB um ein live vor Publikum aufgezeichnetes Musik-Special, in dem allerdings – damals längst nicht selbstverständlich – ausschließlich afroamerikanische Künstler auftraten: mit Diana Ross & The Supremes sowie The Temptations eine rein weibliche und eine rein männliche Gesangstruppe, die zur Crème de la Crème des berühmten Soullabels Motown gehörten.

Wie Elvis in den 1950ern waren die Künstler des Motown-Labels, das von Berry Gordy 1959 im „motor town“ Detroit gegründet wurde, überaus erfolgreich, da Ihnen die „Grenzüberschreitung“ in unterschiedliche musikalische Genres und ethnische Zugehörigkeiten gelang.

Im Programm des TCB-Specials waren neben heute noch so bekannten Hits wie Stop In The Name Of Love, You Keep Me Hangin’ On, das schon erwähnte Respect, Baby Love und The Impossible Dream (später kurz im Live-Repertoire von Elvis Presley) auch ein Song mit dem Titel TCB, ein Gute-Laune-Song, den die Supremes hier im Video mit The Temptations präsentieren:

Na, wenn das mal kein Carpe Diem-Song (nutze den Tag!) ist. Das Soundtrack-Album TCB – The Original Cast Soundtrack zur Sendung kam übrigens 1 Woche vor der TV-Sendung auf dem Markt und erreichte Platz 1 der U.S. Billboard Top Pop-Album-Charts (Quelle: Joel Whitburns BB-Chartstatistik), war also erfolgreicher als Elvis’ eigenes Soundtrack-Album zum Comeback-Special (Platz 8).

Elvis Backgroundsängerinnen 'The Sweet Inspirations'

Sangen für Elvis und Aretha Franklin: ‘The Sweet Inspirations’

Elvis Presleys Verwendung von TCB in einem von ihm selbst um 1970 entworfenen Logo ist kaum ein Zufall und sicher mehr als ein Gemeinplatz, wie man aufgrund der 1. Bedeutungsebene „tun, was getan werden muss“ und der Leichtigkeit des gleichnamigen Songs vielleicht vermuten könnte.

Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen, die den Erfolg von Motown und das TCB-TV-Special möglich machten, ist es einmal mehr ein symbolisches Bekenntnis Elvis Presleys zu seinen musikalischen Wurzeln zu einem Zeitpunkt, in dem er selbst nach Jahren der Konzentration auf seine Hollywoodkarriere wieder auf die Bühne zurückkehrte.

Eine Bühne, auf der eine Integration „weißer“ und „schwarzer“ Musikstile stattfand (→ White N.I.G.G.E.R.S and Black Angels, → Der Schamane in Las Vegas) – mit der Unterstützung von Musikerinnen wie etwa den Sweet Inspirations, jener afroamerikanischen Soulgruppe, die auch für Aretha Franklin Background sang.

TCB des Memphis Flash: und jetzt der Blitz

Mit diesen Bedeutungsebenen von TCB hat der Blitz, der die 3 Buchstaben in allen Ausführungen von Elvis Presleys Logo begleitet, erst einmal nichts zu tun. Priscilla Presley erzählt in der Dokumentation Elvis by The Presleys, dass ihrem Ex-Ehemann diese Inspiration während eines Gewitters kam, als sie zusammen im Flugzeug saßen.

Tatsächlich hat Elvis Presley jedoch schon viel früher in Logoentwürfen mit der Symbolik des Blitzes gearbeitet, wie Torsten Meck vom Elvis Museum in Düsseldorf festgestellt hat. So gibt es in der Sammlung der Elvis-Aficionados Andreas Schröer, Oskar Hentschel und Michael Knorr Skizzen aus Elvis’ Militärzeit in Deutschland, in denen der junge G.I. mit Blitzen in einem Logo experimentiert – hier offensichtlich inspiriert durch das Abzeichen seiner Einheit: der 3. US-Panzerdivision Spearhead.

Cover eines Captain Marvel-Comics

Cover eines Captain Marvel-Comics

 

Elvis' Skizze aus der Zeit seiner Stationierung in Deutschland, Spearhead-Abzeichen

Elvis’ Skizze aus der Zeit seiner Stationierung in Deutschland, Spearhead-Abzeichen

 

  - Fotos: Sammlung des Elvis Museums Düsseldorf

Teile von Elvis’ Original-Armeeausrüstung- alle Fotos: Sammlung Elvis Museums Düsseldorf

Aber Elvis’ Blitz-Symbolik lässt sich sogar noch weiter zurückverfolgen. Bevor Elvis Presley das Label „King of Rock ‘n’ Roll“ verpasst wurde, galt er als Memphis Flash – als musikalischer Blitz aus Memphis – eine Symbolik, die sich später auch in Alannah Myles Hit Black Velvet (1989) findet, eine der wohl schönsten musikalischen Hommagen an den King. Und auch die übernatürlichen Kräfte seiner Lieblings-Comicfigur aus Kindertagen – Captain Marvel Jr. – wurden durch den Blitz symbolisiert (→ Aloha From Hawaii: die Botschaft). Ein Blitz, der den Guten zum Sieg über das Böse verhilft.

Kette mit TCB-Anhänger, so wie Elvis Presley sie an Freunde und Angestellte verschenkte

Kette mit TCB-Anhänger, so wie Elvis Presley sie an Freunde und Angestellte verschenkte

Doch erst als das TCB um 1970 den Blitz ergänzt, hat Elvis Presley nach einigen Experimenten vor allem mit den Initialen seines Namens endgültig sein Logo gefunden. Im TCB-Logo der späteren Jahre werden grundlegende Überzeugungen, das deutliche Bekenntnis zur Tat (tu es, jetzt!) mit der Verbundenheit zu Herkunft und musikalischen Wurzeln zusammengeführt: Taking Care of Busines in a Flash eben!

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht weiter, dass es für Leute aus Elvis Presleys Umfeld als eine besondere Auszeichnung galt, von ihm selbst eine Kette mit den berühmten 3 Buchstaben inkl. Blitz als Anhänger geschenkt zu bekommen. Das Schmuckstück wurde extra für diesen Zweck entworfen. Es war das äußere Zeichen für die Aufnahme in einen exklusiven Club, in der der King das Sagen hatte und seine Werte galten. Und dieser Club war vor allem ein Herrenclub – die Damen hatten nämlich ein eigenes Logo: Tender Loving Care, abgekürzt TLC.

Heute wird Elvis’ TCB-Motto vor allem mit dem Kern seiner TCB-Band, deren Musiker er selbst als das Rückgrat vor allem seiner Live-Auftritte ab 1969 bezeichnete, in Verbindung gebracht: Lead-Gitarrist James Burton, Schlagzeuger Ronnie Tutt, Pianist Glen D. Hardin, Bassist Jerry Scheff und Rhythmus-Gitarrist John Wilkinson. Inwieweit die Jungs das TCB-Motto bis heute verinnerlicht haben, darum geht es → hier!

3 Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] erst einmal kein Glück, denn vor ihm war ein Drummer vom Motown-Label (→ zu TCB und Motown → Taking Care of Business in a Flash) dran, der ziemlich gut und sehr überzeugend war. Die Entscheidung war also eigentlich schon […]

  2. […] ← TCB: Taking Care of Business in a Flash […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.