50 Jahre Fun in Acapulco mit Elvis Presley: Spotlight Filmcrew

Seit 50 Jahren hat Elvis mächtig Spaß in Acapulco – und das obwohl er nie einen Fuß in das  mexikanische Urlaubsparadies gesetzt hat. Hollywood macht es möglich mit einer Hal Wallis-Produktion für Paramount Pictures aus dem Jahr 1963, die den ungeheuer einfallsreichen Titel Fun in Acapulco trägt und Elvis Presley in einer seiner Paraderollen zeigt: die des charmanten, singenden Sonnyboys und Womanizers.

Filmplakat 'Fun in Acapulco' 1963 - Foto: Helmut Radermacher: Das große Elvis Presley Filmbuch

Filmplakat ‚Fun in Acapulco‘ 1963 – Foto aus Helmut Radermachers Elvis Presley Filmbuch

Man ahnt es schon, der Film ist eine typische Elvis-Musikkomödie aus den frühen 1960ern (→ Elvis im Kino: Interview mit Musikwissenschaftler Björn Eckerl), so wie sie nach dem Megaerfolg von Blue Hawaii 1961 (dt. Blaues Hawai) – ebenfalls eine Hal Wallis-Produktion – für den King zum Standard wurden. Es ist also leicht, den Film wie die Redaktion des Filmmagazins Cinema schnell als „Elvis-Enchiladas mit schlapper Musiksoße“ abzutun. Und dennoch: Der Unterhaltungfilm, der mittlerweile ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, ist verblüffend gut gealtert. Woran liegt’s?

Nun, zuerst einmal wartet Fun In Acapulco mit noch heute gültigen Zutaten für einen erfolgreichen Unterhaltungsfilm auf: tolle Bilder von Sommer, Sonne, Meer, schöne Hotel- + Poollandschaften, Urlaubsfeeling mit gutaussehenden, leichtbekleideten Darstellern, Partystimmung und viel (hier: südamerikanisch inspirierter) Musik. Und dann ist da natürlich noch der Hauptdarsteller…

Nicht umsonst kam Fun In Acapulco im kalten Winter ins Kino – die US-Premiere war am 27. November, die deutsche Erstaufführung am 20. Dezember 1963.

Fun In Acapulco: Spotlight auf die Filmcrew

Aber auch die Filmcrew konnte sich sehen lassen. Produzent Hal Wallis (1898 – 1983) hatte – bevor er 1956 Elvis für die Hollywoodleinwand entdeckte – solche Klassiker wie Casablanca, Der Malteser Falke und eine ganze Reihe von Komödien mit Jerry Lewis und Dean Martin produziert. Wallis produzierte zwischen 1956 und 1966 insgesamt 9 Elvis-Filme, darunter das atmosphärisch dichte Drama → King Creole (1958), in dem Elvis Presley unter der Regie des großen Michael Curtiz‘ sein schauspielerisches Talent zeigen konnte, und den schon erwähnten Kassenschlager Blue Hawaii (1961). Hal Wallis gilt als der Erfinder des Elvis-Musicals.

Hal Wallis mit Elvis 1961

Hal Wallis im Gespräch mit Elvis 1961

 

Der Regisseur von Fun In Acapulco war ebenfalls kein Elvis-Neuling, hatte er doch schon die Regie in dem Elvis-Klassiker → Jailhouse Rock (1957) übernommen: Richard Thorpe (eigentlich Rollo Smolt Thorpe, 1896 – 1991). Auch Thorpe war eine bekannte Größe in Hollywood. Er hatte seine Karriere schon in der Stummfilm-Ära begonnen und führte bis zu seiner Pensionierung 1967 in fast 200 Filmen Regie, meist Low-Budgetkomödien und Western.

Regisseur Richard Thorpe

Regisseur Richard Thorpe

Zu seinen erfolgreicheren Filmen zählte u.a. Ivanhoe – der schwarze Ritter (1952). Regie führte er ebenfalls in The Great Caruso (1951) mit Mario Lanza in der Hauptrolle – ein Film, den der filmbegeisterte Teenager Elvis Presley mit Nebenjob als Kinoplatzanweiser durchaus gesehen haben dürfte. Im Studiosystem Hollywoods war Thorpe – Spitzname: Mr. One Take – ein beliebter Regisseur, einfach weil er besonders „budgetsensibel“ und effizient Regie führte. Als ansprucksvoller oder gar besonders kreativer Regisseur galt er hingegen nicht. Seine Vorliebe, möglichst alles mit einer Aufnahme in den Kasten zu bringen, sollte sich bei Fun In Acapulco negativer auswirken als in → Jailhouse Rock.

Pressefoto für Fun In Acapulco: Elvis mit Ursula Andress (links) und Elsa Cárdenas

Pressefoto für Fun In Acapulco: Elvis mit Ursula Andress (links) und Elsa Cárdenas

Auch die beiden weiblichen Hauptdarstelle-rinnen waren alles andere als völlig unbekannte Gesichter. Die mexikanische Schauspielerin Elsa Cárdenas (*1935), die den King im Film als forsche Stierkämpferin Dolores Gomez umgarnt, hatte u.a. schon neben James Dean und Elisabeth Taylor in Giganten (1956) gespielt.

Und wer erinnert sich nicht an die schöne Schweizerin Ursula Andress (*1936), die ihren Durchbruch 1962 als muschelsuchende Honey Ryder in dem Klassiker James Bond jagt Dr. No (1962) hatte, in dem sie als atemberaubende Erscheinung in einem weißen Bikini den Fluten entstieg. Weil die männlichen Kinobesucher bei diesem sexy Anblick ordentlich Schnappatmung hatten, durfte Ursula, die einst mit James Dean befreundet war, den Bikini für ihre Rolle als Marguerita Dauphin in Fun In Acapulco gleich anbehalten. Wie praktisch – nur die Farbe des Bikinis wechselte ;-).

Ursula Andress in "James Bond jagt Dr. No'" (1962)

Augenweide Ursula Andress in „James Bond jagt Dr. No‘ (1962)…

Ursula Andress in "Fun In Acapulco (1963) - Foto: Helmut Radermacher: Das große Elvis Presley Filmbuch

… und in „Fun In Acapulco (1963) – Foto: Helmut Radermacher: Das große Elvis Presley Filmbuch

Ursula Andress, die zwischen 1957 und 1966 mit dem Filmregisseur John Derek verheiratet war, zeigte zunächst wenig Begeisterung für ihre Rolle neben Elvis Presley, wie sie 2012 in einem Interview zugab. Doch das änderte sich sehr schnell, als sie ihn persönlich kennenlernte:

„Sie [Paramount Pictures] boten mir eine Rolle als junge russische Prinzessin an der Seite von Elvis Presley an. Ich zuckte zusammen und antwortet, dass ich mit jedem spiele, nur nicht mit Elvis Presley, den ich als ordinär empfand. Daraufhin schlug Paramount ein Treffen vor, zu welchem ich widerwillig ging. Doch ich hatte mich vollkommen geirrt: Elvis war unheimlich reizend, liebenswürdig und nett. Er entsprach überhaupt nicht seinem Image, welches er als Rock ’n‘ Roller hatte. Elvis hatte soeben seinen Militärdienst in Deutschland beendet und verfügte über hervorragende Manieren. Auch hier zeigte sich, dass die großen Stars privat oftmals anders sind, als wir sie von der Leinwand wahrnehmen.“
Ursula Andress im Interview 2012, www.persoenlich.com

Rasch kamen Gerüchte über eine Affäre auf. Doch Elvis – nicht gerade als Frauenverächter bekannt – soll gegenüber Angestellten und Freunden betont haben, die Uschi sei nicht sein Typ: zu breite Schultern, die seien ja breiter als seine! Außerdem sei da ja noch dieser furchtbar eifersüchtige Ehemann…

Die Uschi kuschelt sich mal ein bisschen an

In der Drehpause: Die Uschi kuschelt sich mal ein bisschen an – vom Ehemann keine Spur!

Na ja, also die Männer, die ich so kenne, achten bei Ursula Andress ja nicht unbedingt auf die SCHULTERN. Und wie ernstzunehmend eine solche Bemerkung, die im Beisein der späteren Ehefrau – Priscilla Beaulieu hatte sich gerade in Graceland häuslich eingerichtet – gemacht wird, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall haben sich die beiden Hauptdarsteller offensichtlich gut verstanden, denn die Uschi durfte in den Drehpausen schon mal auf Tuchfühlung gehen ;-). Das hat den britischen Talkshow-Gastgeber Jonathan Ross 2007 in einem Interview mit Ursula Andress dazu veranlasst, mal nachzuhören, ob da nicht doch was gelaufen ist. Woraufhin die Uschi vielsagend schwieg, allerdings mit einem Blick, der mehr als tausend Worte sagte…

Vielleicht hätte Jonathan Ross mehr erfahren, wenn er auch den zweiten weiblichen Co-Star, Elsa Cárdenas, interviewt hätte. Die rassige Cárdenas enthüllte nämlich erst kürzlich, dass sie eine Affäre mit dem King während der Dreharbeiten zu Fun in Acapulco hatte. Es sieht so aus, als hätte Elvis alle Hände voll zu tun gehabt, das Hollywood-Drehbuch möglichst realistisch nachzuempfinden…

Howard McNear

Howard McNear

Ein wesentlicher Grund, weshalb Elvis-Filme aus den 1960ern wie Folgen ein und derselben Serie wirken, liegt darin, dass sie zum Teil tatsächlich von demselben Drehbuchautor stammten. Allan Weiss war schon für Blue Hawaii (1961) und Girls, Girls, Girls (1962) im Einsatz, bevor er sich ans Werk für Fun In Acapulco (1963) machte. Später kamen noch Drehbucharbeiten für Roustabout (König der heißen Rhythmen, 1964), Paradise Hawaian Style (Südseeparadies, 1966) sowie Easy Come, Easy Go (Seemann Ahoi, 1967) dazu.

Auch einige der Nebendarsteller kamen in ähnlichen Rollen wiederholt in Elvis-Filmen zum Einsatz: Howard McNear beispielsweise spielte vor Fun In Acapulco schon in → Follow That Dream (Ein Sommer in Florida, 1961) und Blue Hawaii (Blaues Hawai, 1961), Ex-Playmate Teri Hope war später noch in Roustabout (König der heißen Rhythmen, 1964) zu sehen, während die Schauspielerin Teri Garr – 1983 für ihre Rolle in Tootsie für den Oscar nominiert – neben Fun In Acapulco noch in Kissin‘ Cousins (Die Wilden Weiber von Tennessee, 1964), Viva Las Vegas (1964), Girl Happy (Kurven-Lilli, 1965) und Clambake (Nur nicht Millionär sein, 1967) als Backgroundtänzerin reüssierte.

→ Teil 2: Elvis Presleys Fun In Acapulco: Drehbuch vs. Soundtrack
  Teil 3: Elvis in Fun In Acapulco: von James Dean der 1950er zu James Bond der 1960er.
→ Teil 4: Rollenbilder in Elvis Presleys Fun In Acapulco

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  1. […] The Trouble With Girls weicht wohltuend vom typischen Elvis-Musical der 1960er ab, wie es etwa bei Fun In Acapulco vorliegt, und verweist darauf, wohin die Reise mit dem Schauspieler Elvis Presley künftig noch […]

  2. […] The Trouble With Girls weicht wohltuend vom typischen Elvis-Musical der 1960er ab, wie es etwa bei Fun In Acapulco vorliegt, und schon allein deshalb ist er sehenswert.  Hier der Filmtrailer von The Trouble With […]

  3. […] The Trouble With Girls weicht wohltuend vom typischen Elvis-Musical der 1960er ab, wie es etwa bei Fun In Acapulco vorliegt. Hier der Filmtrailer von The Trouble With […]

  4. […] ist sicher die zwischen Mike und der schönen Stierkämpferin Dolores, gespielt von der → Mexikanerin Elsa Cárdenas. Mike begegnet Dolores gleich zu Beginn des Films bei seinem Ausflug in die Bar El Torito. Kaum […]

  5. […] paar andere warten mit außergewöhnlichen Szenen auf: Ich denke da an Bossa Nova Baby in Fun In Acapulco oder wie Elvis den Kopf eines Gefangenen gegen Gitterstäbe schlägt in Charro (1969)! Und dennoch […]

  6. […] Einsatz, ebenso wie  Drehbuchautoren, Soundtrackkomponisten, Musiker und Produzenten (→ siehe 50 Jahre Fun In Acapulco: Spotlight Filmcrew, → Fun In Acapulco: Drehbuch und […]

  7. […] gutes Drehbuch für ein Elvis-Musical zu schreiben, war selbst für den Wiederholungstäter → Allan Weiss, der vor Fun In Acapulco (1963) schon die Kassenschlager G.I. Blues (1960) und Blue Hawaii (1961) […]

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