Elvis und The Jordanaires: Gordon Stoker in Memoriam

Am 27. März 2013 ist ein weiterer der langjährigen Weggefährten Elvis Presleys im Alter von 88 Jahren in Brentwood/Tennessee verstorben: Gordon Stoker. Als Tenor des Gesangsquartetts The Jordanaires hat Gordon Stoker ab 1956 den Sound vieler großer Elvis-Hits wesentlich geprägt – im Aufnahmestudio ebenso wie live auf der Bühne und auf der großen Kinoleinwand.

Gordon und ‚The Jordanaires‘ in der Besetzung zwischen 1954 und 1958 – im Uhrzeigersinn: Gordon Stoker,  Hugh Jarrett, Neal Matthews und Hoyt Hawkins; Foto: jordanaires.net

Gordon Stoker kam am 3. August 1924 in Gleason/Tennessee zur Welt. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf – schon im Alter von 8 Jahren sang und spielte er Orgel in der Kirche. Schon früh verdiente er sich die ersten Sporen als Pianist in The Clement Trio, war mit 15 Jahren einer der jüngsten Performer auf der Bühne der Grand Ole Opry und wurde von John Daniel für das damals in der Country-Szene sehr populäre John Daniel Quartet entdeckt. 1943 kam der Ruf von Uncle Sam an die Front – Stoker diente in der Air Force und war in Australien stationiert.

Gordon Stoker und ‚The Jordanaires‘

1945 kehrte Gordon Stoker in die USA zurück, wo er zunächst an der Oaklahoma Baptist University Psychologie, Musik und Gesang studierte. Aber die Heimat ließ ihn nicht los, 1948 siedelte er nach Nashville über, wo er zunächst sein Studium fortsetzte, jedoch letztendlich nicht abschloss. Stattdessen zog es ihn wieder zum Daniel Quartet – bis sich 1949 eine neue Chance über das Gesangsquartett The Jordanaires eröffnete.

The Jordanaires waren erst ein Jahr zuvor (1948)  in Springfield/Missouri von den Brüdern Bill und Monty Matthews  gegründet worden, die in den frühen 1940ern mit zwei weiteren Matthew-Brüdern zunächst als Foggy River Boys-Quartett unterwegs gewesen waren. The Jordanaires vervollständigten in der 1. Besetzung Culley Holt und Bob Hubbard. Als der Pianist der Truppe 1949 eingezogen wurde, suchte man Ersatz, Gordon Stoker spielte vor, bekam den Job und begleitete die Jordanaires ab 1950. In dieser Zeit lernte Gordon auch seine spätere Ehefrau Jean kennen.

Erst 1952, als Bill Matthews, der erste Tenor des Quartetts, einen Live-Auftritt nicht wahrnehmen konnte, sprang Gordon spontan als Tenor ein – und so sollte es für ein sattes halbes Jahrhundert bleiben. Zwischen 1953 und 1982 blieb die Kernbesetzung der Jordanaires fast unverändert mit Gordon Stoker als 1., Neal Matthews als 2. Tenor und Hoyt Hawkins als Bariton. Als Hoyt 1982 starb, übernahm Duane West seine Position – weitere Mitglieder waren Hugh Jarrett, der 1954 von Holt die Bass-Position übernahm, bevor er 1958 dauerhaft von Ray Walker abgelöst wurde.

Die Jordanaires starteten zunächst eher als Gospel-Quartett bevor sie – u.a. durch ihre Auftritte bei der Grand Ole Opry und die Zusammenarbeit mit Eddy Arnold in der TV-Show Eddy Arnold Time – sehr bekannt und erfolgreich in der Country-Szene wurden, wo sie erheblich zum typischen Nashville-Sound beitrugen.

Die Mitglieder der Jordanaires 1948 bis heute

1. Tenor

  • Bill Matthews (1948–51)
  • Gordon Stoker (als Pianist, auch 2. Tenor: 1950–2013)
  • Don Bruce (1952–53)

2. Tenor

  • Bob Hubbard (1948–52)
  • Neal Matthews (1953–2000)
  • Curtis Young (2000– heute)

Bariton

  • Monty Matthews (1948–52)
  • Hoyt Hawkins (1952–82)
  • Duane West (1982–99)
  • Louis Nunley (1999–2012)

Bass

  • Culley Holt (1948–54)
  • Hugh Jarrett (1954–58)
  • Ray Walker (1958– heute)

Hier zwei Gospelaufnahmen der Jordanaires, deren Manager Gordon Stoker schließlich wurde, aus dem Jahr 1953 (Decca-Label) und ein Live-Auftritt von 1958. Man ahnt schon, was der King an den Jungs gefunden hat ;-):

 

Ein Elvis Presley stellt sich vor

An einem Sonntag im Jahr 1955 hatten Gordon und seine Jordanaires einen Auftritt in einer Show mit Country-Größe Eddy Arnold in Memphis, bei dem sie unter anderem den Gospel-Klassiker Peace In The Valley sangen, ein Lieblingssong Elvis Presleys. Nach der Show,  so erinnerte Gordon sich später,  schaute ein junger blonder Mann – ruhig und sehr freundlich – hinter der Bühne bei dem Quartett vorbei. Weder Stoker noch die anderen Jordanaires hatten bis zu diesem Zeitpunkt je von ihm gehört. Er stellte sich als Elvis Presley vor, der aktuell beim SUN-Label (→ Elvis Presley – A Boy From Tupelo) unter Vertrag sei und ließ die 4 Jungs wissen: „If I ever get a recording contract with a major company, I want you guys to back me up„.

Ein Traum wird war: Elvis und „seine“ Jordanaires 1956 – Gordon Stoker links im Bild

Die Jordanaires wünschten dem Jungen viel Glück, gaben aber nicht viel auf sein Versprechen, denn solche Vorfälle gab es häufiger und selten führten sie wirklich zu etwas. Aber diesmal sollten sie sich täuschen. Anfang Januar 1956 bekam Gordon Stoker einen Anruf von Country-Größe Chet Atkins, der auch für das Plattenlabel RCA arbeitete, wo er für die erste Aufnahmesession eines brandneuen Künstlers zuständig war, den man erst Ende 1955 unter Vertrag genommen hatte: Elvis Presley.

Chet Atkins erzählte Gordon, dass der neue Junge sich wahrscheinlich nicht lange würde halten können, aber es sei geplant, Gordon ohne die restlichen Jordanaires, dafür aber zusammen mit den ebenfalls erst kürzlich unter Vertrag genommenen Brock & Ben Speer als Backgroundsänger für Elvis einzusetzen. So kam es am 11. Januar 1956 tatsächlich zu einer ersten Zusammenarbeit zwischen Gordon Stoker und Elvis Presley, die auch gleich einen Klassiker hervorbrachte, nämlich die Single-B-Seite I Was The One,  die A-Seite war Heartbreak Hotel:

Hörprobe I Was The One – Boxset Young Man With The Big Beat

I Was The One

 

Atkins sollte glücklicherweise nicht Recht behalten mit seiner düsteren Vorhersage, was die Karriere von Elvis Presley anging.  Denn Elvis‘ erste RCA-Single Heartbreak Hotel/I Was The One entpuppte sich als Durchbruch für den Mann aus Memphis – im März 1956 toppte Heartbreak Hotel in den USA sowohl die Billboard Hot 100 als auch die Country-Charts und kam auf Platz 3 in den R & B-Charts. I Was The One mit Gordon Stoker kam immerhin auf Rang 8 in Billboards Country- und Rang 19 in den Hot 100-Charts (→ Joel Whitburns Chart-Statistik).

Elvis mit den Jordanaires 1957 – Gordon Stoker links im Bild

Als Gordon Stoker daraufhin mit den Speer-Brüdern im April 1956 erneut für eine RCA-Aufnahmesession von Elvis Presley engagiert wurde und dieser ihn nach der Aufnahme von I Want You, I Need You, I Love You beseite nahm, um zu fragen, wo denn eigentlich die restlichen Jordanaires seien, schließlich wolle er doch die komplette Truppe für seinen Sound, war Gordon endgültig klar, wie der Hase lief.

Gordon gab Elvis‘ Wunsch seinerseits an RCA weiter und von nun an wurde ihm auch entsprochen. Denn die Single-A-Seite  I Want You, I Need You, I Love You (B-Seite: My Baby Left Me) war noch erfolgreicher als I Was The One, indem der Song sowohl Rang 1 von Billboards Hot 100 als auch der Country & Western-Charts und Platz 3 in den R & B-Charts erreichte. Damit stand einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit der kompletten Jordanaire-Truppe nichts mehr entgegen.

Hörprobe I Want You, I Need You, I Love You – Boxset Young Man With The Big Beat

I Want You, I Need You, I Love

 

Elvis mit den Jordanaires 1960

Elvis und ‚The Jordanaires‘ – das passte einfach!

In den nächsten gut anderthalb Jahrzehnten waren die Jordanaires bei fast jeder Aufnahmesession dabei, egal ob Studio oder Soundtrack. In einer Zeit, in der es nicht selbstverständlich war, dass Musiker, Produzenten und Toningenieure auf den Plattenaufnahmen eines Künstlers namentlich genannt wurden, setzte Elvis die Nennung der Jordanaires auf seinen Platten durch. An die Arbeit der Jordanaires mit Elvis im Studio erinnerte sich Gordons Kollege Ray Walker in einem Interview:

„The sessions were pressure-less. Elvis had the best insight and outlook of anyone we have ever worked with. He got along well with everyone on the sessions. Even if one might have been a little troublesome. We all had a good time in a creative atmosphere. […] Elvis had total recall or near photograhic memory, for all practical purposes. He could hear a song once or twice and record it without the use of written words if he wanted to. The basic singing over and over again was for the feel he wanted to get.“

– Ray Walker

Bei Live-Auftritten begleiteten The Jordanaires Elvis Presley ebenso, wie etwa bei denen in der legendären Ed Sullivan Show, und bald schon waren sie auch in einigen seiner frühen Hollywoodfilme mit von der Partie.

Hollywood ruft: Elvis mit den Jordanaires, die sich hier als Tänzer im Film Loving You (1957)  versuchen, Gordon rechts außen:

Elvis und die Jordanaires mit dem Titelsong des Klassikers King Creole 1958 (Gordon hinten links) – die Sänger hier mit Instrumenten, die sie nicht spielen:

Elvis und die Jordanaires im Zug nach Frankfurt: G.I. Blues (Cafè Europa) 1960

Gordon Stoker selbst über seine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit Elvis Presley:

 

The Jordanaires – die Zeit danach

Als Elvis 1969 nach Beendigung seiner Hollywoodkarriere (→ Elvis: Back In Memphis) in Las Vegas seine Rückkehr zur Bühne zelebrierte, entschieden sich Gordon Stoker und die Jordanaires für ihre erfolgreiche Studioarbeit in Nashville und gegen das Engagement in der Spielerhauptstadt. Elvis Presley musste sich daraufhin eine andere Backgroundtruppe für die Live-Auftritte zusammenstellen, was letztendlich auch Folgen für die Studioaufnahmen hatte.

Die Jordanaires waren in der Folge weiter sehr erfolgreich als Background-Sänger vor allem für viele Country-Musiker, darunter Marty Robbins,  Patsy Cline, Jim Reeves, George Jones, Loretta Lynn, Tammy Wynette, Dolly Parton, K. D. Lang, Willie Nelson, Johnny Cash, Kenny Rogers, Merle Haggard, Ricky Nelson, Chicago, Neil Young, Jimmy Buffett, Connie Francis, die Judds und Vince Gill.  Auch mit Ann-Margret  und Ringo Starr haben sie zusammengearbeitet. Man schätzt, dass Songs mit dem Gesang der Jordanaires sich über 2,6 Millionen Mal verkauft haben. Nicht schlecht – Herr Specht!

Außerdem haben die Jordanaires mit großem Erfolg eigene Platten herausgebracht – ihre Zusammenarbeit mit Produzent Art Greenshaw ab 1999  führte zu 6 Grammy-Nominierungen für Best Album Of The Year in der Kategorie Gospel und einem Grammy-Award für We Called Him Mr. Gospel (2003). 1998 wurden Gordon Stoker und seine Jordanaires in die Gospel Music Hall of Fame, 2001  in die Country Music Hall of Fame aufgenommen.

Eine Wahnsinnstruppe diese Jordanaires, das ist mal sicher. Und ganz schön clever von Mr. Presley, sich die Jungs so früh zu sichern. Meine persönlichen Top-Favoriten von Elvis und den Jordanaires gibt’s zum Reinhören im nächsten Post → Top 20 vom Dream Team ;-)!

4 Antworten

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