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Der Schamane in Las Vegas: Elvis als Serienheld (1969 – 1977) ist der Titel einer spannenden Studie von Professor Heinrich Detering, die im August 2012 im transcript Verlag erschienen ist. Integriert ist Deterings Studie über den King in Professor Frank Kelleters geisteswissenschaftlichem Band Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion → vollständige Angaben zum Buch siehe Ende des Beitrags.

Professor Heinrich Detering schreibt über Elvis als den Schamanen in Las Vegas – Foto: Detering

Heinrich Detering, Jahrgang 1959, ist Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und hat seit 2005 einen Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Georg-August-Universität in Göttingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Themen Kunst – Religion – Kunstreligion vom 18. Jahrhundert bis zur Popkultur sowie die deutsch-skandinavischen Literaturbeziehungen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. 2007 hat er zudem eine vielbeachtete Publikation über Bob Dylan im Reclam Verlag herausgebracht.

The Memphis Flash hat Professor Detering zu seinem Projekt über Elvis Presley interviewt.

INTERVIEW

The Memphis Flash: Professor Detering, warum ausgerechnet Elvis Presley? Wie kommt der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dazu, eine Studie über den King of Rock ‘n‘ Roll zu verfassen?

Heinrich Detering: Dieser Aufsatz über Elvis in Vegas ist hoffentlich der Anfang einer längeren Arbeit über Elvis als Künstler, über die Entwicklung von Elvis’ Kunst. Die kritische Diskussion um Elvis ist immer noch sehr auf Biographisches konzentriert, auf seine privaten Beziehungen, seinen kommerziellen Werdegang, seine Krankheiten, seinen Körper. Aber worin diese Kunst eigentlich besteht, die ja erst der Grund dafür ist, dass wir uns schließlich auch für seine Beziehungen und seinen Körper interessieren, darüber gibt es erstaunlich wenig zu lesen. Wie lässt sich diese Stimme beschreiben, was macht er mit seinen Song-Vorlagen, wie inszeniert er die Songs und sich selber, welche Beziehungen lässt er entstehen zwischen den Songs, seinen Arrangements, seiner Stimme, seiner Kostümierung, seiner körperlichen Präsenz, und in welchem Verhältnis steht dies alles zu der Kultur seiner Zeit?

The Memphis Flash: Gibt es neben diesem wissenschaftlichen Interesse an dem Künstler Elvis Presley auch eine persönliche Ebene, eine eher private Vorgeschichte?

Heinrich Detering: Meine private Geschichte mit Elvis ist lang. Als ich ungefähr elf oder zwölf war, schenkte mir eine Tante ihre Sammlung von Rock ’n’-Roll-Singles, lauter Originalpressungen von Fats Domino, Eddie Cochran, Duane Eddy, den Kalin Twins, Chuck Berry. Elvis war am umfangreichsten vertreten. Es war das Beste, was die Tante für meine Erziehung getan hat. Jailhouse Rock, Don’t, Heartbreak Hotel habe ich Tag für Tag gehört; es hat mir auch eine Ahnung davon gegeben, welche unterschiedlichen Seiten (und Stimmen) es bei Elvis zu entdecken gibt. Als ich dann mit fünfzehn zum ersten Mal Dylan begegnete, verblassten die Rock ’n’ Roll-Helden. Es ist mir so gegangen, wie ich es von Freunden später auch gehört habe, dass die Elvis-Welt mir im Vergleich damit kommerziell und banal erschien. Es hat dann lange gedauert, bis ich, so um 1990, Elvis allmählich wiederentdeckte, und das verdanke ich ganz wesentlich auch Dylan selbst. Seitdem höre ich nicht auf, über Elvis zu staunen. Weiterlesen

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Gäbe es nicht die berühmten Fotos Alfred Wertheimers vom Juli 1956, dann wäre Barbara Hearn wahrscheinlich nicht viel mehr als eine ferne Erinnerung, eine attraktive Fußnote in der Biographie Elvis Presleys. Und das wäre richtig schade.

Die Fotos Alfred Wertheimers jedoch, die dieser in dem zweifellos wichtigsten Jahr in der Karriere Elvis Presleys von ihm selbst, seiner Familie und seinen Freunden in New York und Memphis machte, rückt auch Freundin Barbara Hearn in den Fokus.

Barbara Hearn mit Elvis Presley im Wohnzimmer der Presleys, Audubon Drive, Memphis 1956

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Bis zum Frühjahr 1957 hatte Elvis Presley schon eine ganze Reihe von Songs des Komponistenteams Jerry Leiber und Mike Stoller erfolgreich vertont, darunter den Megahit Hound Dog. Demnach war es auch keine allzu große Überraschung, dass es gleich mehrere Songs, die das Duo für den Soundtrack des MGM-Films Jailhouse Rock bei Elvis Presleys Musikverlag einreichte, in die Endauswahl schafften. Völlig neu war allerdings, dass dies für Jerry Leiber und Mike Stoller mit der Einladung verbunden war, bei der Aufnahmesession selbst mit von der Partie zu sein.

Elvis Presley (Mitte) mit den Komponisten Jerry Leiber (links)  und Mike Stoller (rechts)

Die Aufnahmesession zu Jailhouse Rock fand am 30. April und den ersten Maitagen 1957 bei Radio Recorders in Los Angeles statt. Elvis Presley traf am 27. April 1957 per Zug zusammen mit Freddy Bienstock vom Musikverlag Hill & Range, Cousin Gene Smith, den Freunden George Klein und Arthur Hooton in Los Angeles ein, wo er sich mit seinem Gefolge im vornehmen Beverly Wilshire Hotel einquartierte.

Zuvor hatte sich der Memphis Flash fast den ganzen April über – nach einer Konzerttournee, die ihn u.a. nach Kanada führte – in seiner Wahlheimatstadt aufgehalten, um mit seinen Eltern den bevorstehenden Umzug in das erst kürzlich erworbene neue Zuhause Graceland vorzubereiten. Im Zug ging er dann mit Musikverleger Freddy Bienstock – ein Cousin der Hill & Range-Begründer Jean und Julian Aberbach – noch einmal das für den Soundtrack von Jailhouse Rock ausgewählte Songmaterial durch – Songs, die auch die Zustimmung der für den Film verantwortlichen MGM-Studiobosse gefunden hatten.

Bühne frei für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Jerry Leiber und Mike Stoller hingegen fanden sich am 30. April 1957 direkt bei Radio Recorders in Los Angeles ein, wo sie auf Elvis‘ bewährte Bandkollegen Scotty Moore (Gitarre), Bill Black (Bass) sowie D.J. Fontana (Schlagzeug), die Backgroundformation The Jordanaires, Dudley Brooks (Piano), Toningenieur Thorne Nogar und MGM-Produzent Jeff Alexander trafen.

Ihrem ersten Treffen mit Elvis Presley sahen die beiden Jungkomponisten kurioserweise nicht mit allzu großen Erwartungen entgegen. Aus einem – wie sie später selbst zugaben – nicht wirklich nachvollziehbaren Grund, gingen sie davon aus, es handele sich bei dem „Landei“ aus Memphis einfach um einen schnöseligen, musikalisch wahrscheinlich wenig begabten, dafür aber verwöhnten Jungstar – kurz: ein musikalisches Leichtgewicht. Wie man sich täuschen kann… Weiterlesen

Andy Warhols Double Elvis bei Sothebys - 9. Mai 2012

Andy Warhols Siebdruck Double Elvis (Ferus Type,1963) wechselte gestern im Auktionshaus Sothebys für sage und schreibe 37 Millionen USD (Endpreis, umgerechnet über 28 Millionen Euro) den Besitzer.

Kunstkenner hatten im Vorfeld mit einem Verkaufswert zwischen 30 und 50 Millionen USD gerechnet. Mit diesem silberfarbenen Siebdruck kam die erste Double Elvis-Variante Warhols seit 1995 unter den Hammer. Das Bild soll aus der Privatsammlung eines US-Amerikaners stammen, der es in Elvis Presleys Todesjahr 1977 gekauft hatte. Mehr zu Andy Warhols Elvis-Siebdrucken → Elvis und Andy Warhol – Kings of Popular Art.

Na, da hat doch einer ein richtiges Schnäppchen gemacht, oder ;-)? Der neue Besitzer (oder die neue Besitzerin) hat übrigens per Telefon geboten und ist nicht namentlich bekannt. Aber bevor ich mich jetzt verplaudere, sollte ich besser ganz schnell die Wohnzimmerwand freiräumen… bevor die Möbelpacker von Sothebys vor der Türe stehen. Wenn ich nur wüsste, wohin ich mit dem Sofa soll…

Elvis Presleys dritter Kinofilm Jailhouse Rock (Rhythmus hinter Gittern, 1957) gilt heute als Klassiker der amerikanischen Film- und Musikgeschichte. Jailhouse Rock wurde 2004 in das Nationale Filmregister der USA für kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevante Filme aufgenommen und 2008 in einer Umfrage des Empire Magazins als einer der 500 besten Filme aller Zeiten ausgezeichnet.

Anerkannter Klassiker: Elvis Presley in seinem dritten Hollywoodfilm Jailhouse Rock (1957).

Der gleichnamige Titelsong des Films zählt laut Rolling Stone zu den 100 besten Songs, die zentrale Musik- und Tanzszene von Jailhouse Rock gilt Musikhistorikern als Prototyp des modernen Musikvideos.

Wer hätte das gedacht? Der King, von seinen Kritikern, Biografen und Fans oft gleichermaßen geschmäht für seine 31 Spielfilme, hat mindestens einen echten Klassiker im Portfolio. Das verwundert jedoch nur auf den ersten Blick, denn wie kaum ein anderer Film seiner Ära transportierte Jailhouse Rock das rebellische Lebensgefühl der Rock ’n’ Roll-Generation in den 1950ern. In Jailhouse Rock kulminierte das Rock ’n’ Roll-Lebensgefühl erstmals musikalisch und filmisch in einer Person: Elvis Presley, King of Rock ’n’ Roll.

Bis zu diesem Zeitpunkt spielte Musik nämlich auch in den früheren richtungsweisenden Filmen wie Blackboard Jungle (Saat der Gewalt, 1955), der Bill Haleys Rock Around The Clock mit großem Erfolg als Titelsong verwendete, nicht die Hauptrolle – die Musik war hier (noch) nicht personalisiert durch den Hauptdarsteller (Glenn Ford). Dies änderte sich mit Jailhouse Rock 1957, der übrigens wie Blackboard Jungle ebenfalls von Pandro S. Berman für MGM produziert wurde.

Höhepunkt des Schwarzweißfilm-Klassikers mit Elvis Presley in der dramatischen Hauptrolle des musikalisch begabten „bad boy“ Vince Everett, den sein explosives Temperament hinter schwedische Gardinen verfrachtet, ist die berühmte Musik- und Tanzszene, der Jailhouse Rock – so ziemlich jeder dürfte sie irgendwann einmal gesehen haben, spätestens seit YouTube Einzug gehalten hat.

 

Der Titelsong Jailhouse Rock mit seiner Fülle subtiler Anspielungen, u.a. homoerotischer Natur (man wundert sich sattsam, was da alles so durch die Zensur ging), wurde von dem bekannten Komponistenduo Jerry Leiber und Mike Stoller direkt für den Film verfasst. Überhaupt stammen gleich vier der sechs im Film von Elvis Presley dargebotenen Songs aus ihrer Feder.

Dabei stand diese fruchtbare Zusammenarbeit, die ihren Höhepunkt Ende April/Anfang Mai 1957 in den Jailhouse Rock-Aufnahmesessions fand, zunächst unter gar keinem guten Stern.  Weiterlesen

Nach Samsung und Panasonic hat nun auch Elvis Presleys musikalisches Zuhause Sony den King für eine neue Anzeigenkampagne in 2012 entdeckt.

Sony Kopfhörer Kampagne Korea 2012

Weitere Informationen zu dieser Werbekampagne im Blogbeitrag Elvis in der Werbung – der King rockt die Musikindustrie!

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Wenn die Kings of Popular Art, Elvis Presley und Andy Warhol, gemeinsam ins Scheinwerferlicht treten, dann horcht die internationale Kunstszene auf. Am 9. Mai 2012 soll im Auktionshaus Sothebys Andy Warhols Siebdruck „Double Elvis“ (Ferus Type, 1963) versteigert werden. Erwartet wird ein Erlös von bis zu 50 Millionen USD, umgerechnet über 38 Millionen Euro.

Elvis und Andy Warhol – The Kings of Popular Art

Diese Summe muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. So phantastisch der Betrag erscheint, so ist er noch nicht einmal der Höchste für ein Warhol-Kunstwerk mit Elvis-Motiv. Warhols 8 Elvises, ebenfalls von 1963, wurde 2008 von dem italienischen Sammler Annibale Berlingieri, in dessen Privatbesitz sich der Siebdruck in Warhols Lieblingsfarbe Silber über 40 Jahre befand, für unglaubliche 100 Millionen USD in private Hand verkauft.

Andy Warhols 8 Elvises

Damit ist 8 Elvises der bislang teuerste Warhol überhaupt und katapultierte den ehemaligen Werbegrafiker in Sachen Anlagewert auf dem internationalen Kunstmarkt in die Riege von Pablo Picasso, Jackson Pollock, Willem De Kooning und Gustav Klimt. Der aktuelle Besitzer der 8 Elvises zieht es übrigens vor, anonym zu bleiben und sich im stillen Kämmerlein an Warhols Elvii (Achtung: Elvis hat seinen eigenen Plural ;-)) zu erfreuen – irgendwie nachvollziehbar.

Andy Warhols Schlagzeilen

Andy Warhol, eigentlich Andrew Warhola, wurde als Sohn russischer Einwanderer 1928 in New York City geboren und arbeitete zunächst – bevor er zur Lichtfigur der amerikanischen Pop Art avancierte – sehr erfolgreich als Werbegrafiker. So entwarf Warhol schon in den 1950er Jahren Albumcover u.a. für Elvis Presleys Plattenfirma RCA, hier allerdings nie für ein Elvis-Album. Besonders bekannt sind seine späteren Cover für Alben der Rolling Stones und Velvet Underground.

Vor allem die Schlagzeilen der Boulevardpresse, die Stories über die großen und kleinen Katastrophen im Leben von Stars wie Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor und Elvis Presley waren eine wichtige Inspirationsquelle für sein künstlerisches Schaffen, als Andy Warhol seinen lukrativen Brot-und-Butter-Job Ende der 1950er an den Nagel hängte. Weiterlesen

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Für eine kleine Weile hatte Elvis Presley eine zweite Heimat in der Düsseldorfer Altstadt. Denn genau dort hatten sich die bekannten deutschen Elvis-Sammler Oskar Hentschel, Michael Knorr und Andreas Schröer knapp 2 Jahre lang einen großen Traum erfüllt und gemeinsam mit Torsten Meck ihre über Jahrzehnte liebevoll zusammengetragene Schätze in einer eigenfinanzierten, permanenten Elvis-Ausstellung gebündelt. Mit etwa 1.500 Sammlerstücken sollen Hentschel, Schröer und Knorr die größte private Sammlung von Besitzstücken des King of Rock ’n‘ Roll außerhalb der USA ihr eigen nennen.

Über 600 Exponate aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren waren von Ende 2011 bis August 2013 in der Elvis-Ausstellung in der Flinger Str. 11 zu bewundern. Ich habe das Museum in der Düsseldorfer Altstadt im März 2012 besucht: Mein Beitrag aus dieser Zeit gibt einen kleinen Einblick in die umfangreiche Sammlung der drei Elvis-Aficionados – eine Sammlung, die aktuell leider keine feste Heimat hat.

  

Fotos: Eingang zur Elvis-Ausstellung in Düsseldorf, Sammler Oskar Hentschel
 

Doch was diese Elvis-Ausstellung von anderen ihrer Art unterscheidet – man denke an die wohl größte auf dem Gelände von Elvis Presleys ehemaligem Wohnsitz Graceland in Memphis, Tennessee – ist weniger die Menge an Exponaten als deren Art. Hier in Düsseldorf hatte man anhand der vielen, bislang unbekannten Ausstellungsstücke aus dem persönlichen Besitz Elvis Presleys die einmalige Gelegenheit, mehr als nur einen Blick hinter die Fassade des Superstars auf die Privatperson zu werfen.

Foto: Elvis Presley war kein großer Briefeschreiber, dennoch sind mehr handschriftliche Briefe von ihm erhalten als gerne kolportiert wird. Die Sammlung Hentschel, Schröer, Knorr besitzt alleine 12 davon. Dies ist ein Brief vom 14.11.1958 an Freunde zuhause, indem es u.a. heißt: „Well I don’t even know what made me decide to write a letter but I guess I’m so homesick and lonely.“

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Es gibt ein paar Dinge auf dieser Welt, die wohl tatsächlich nur ein Elvis Presley fertigbringt. Erfolgreich auf Europa-Tournee zu gehen, und das 35 Jahre nach dem eigenen Tod, gehört zu diesen Dingen. 2012 ist Elvis in Concert „back in the building“, am 26. März in der Frankfurter Festhalle, am 27. März in Hamburg.

Elvis in Concert

Elvis in Concert ist eine Show, die Elvis Presleys Live-Auftritte der Jahre 1968 bis 1973 eindrucksvoll wieder aufleben lässt. Elvis‘ Original-Musiker dieser Zeit – darunter Lead-Gitarrist James Burton, Pianist Glen D. Hardin, Schlagzeuger Ronnie Tutt, erstmals auch Bassist Norbert Putnam, Orchesterleiter Joe Guercio, Background-Sängerin Estelle Brown von den Sweet Inspirations sowie die Gospelquartett-Mitglieder Joe Moscheo und Terry Blackwood von den Imperials – spielen live, während ihr Boss per Großleinwand zugespielt wird.

Fotos v.l.n.r.: Elvis mit den Imperials, die Sweet Inspirations, Elvis mit TCB-Band, Orchesterleiter Joe Guercio

Schräg? Vielleicht. Funktioniert es? Und ob! Der Show gelingt es tatsächlich, die Dynamik eines typischen Elvis-Konzerts authentisch zu transportieren.  Verwendet wird hierfür Videomaterial der Konzertdokumentationen Elvis That’s The Way It Is (1970), Elvis On Tour (1972) sowie der beiden TV-Specials ELVIS (1968, besser bekannt als 68er Comeback-Special) und Aloha From Hawaii (1973). Von diesen Aufnahmen wurde für die Show alles an Sound entfernt bis auf Elvis‘ Stimme, die live von TCB-Band, British Philharmonic Orchestra und Backgroundsängern begleitet wird.

Das Ergebnis ist eine Zeitreise der ganz besonderen Art, kann man die Profimusiker auf der Großleinwand zusammen mit Elvis in den 1970ern und dann hautnah auf der Bühne 40 Jahre später erleben. Und der King selbst? Stimmlich ohnehin eine Klasse für sich, als Live-Performer fast schon außerirdisch charismatisch. Das Ganze ist so mitreißend, dass man als Zuschauer nach kurzer Zeit einfach vergisst, dass die Hauptattraktion gar nicht physisch anwesend ist. Wahrscheinlich kann man ihn heute sowieso besser sehen als in den 1970ern, in denen die Elvis Presley Show ohne Großleinwände arbeitete. Besser hören kann man ihn wohl heute auch angesichts der Qualität moderner Soundsysteme. Weiterlesen

Mit Elvis Presleys Image wird heute sehr gerne in TV-Werbespots und Printanzeigen geworben. Besonders Autohersteller wie BMW und Audi nutzen Elvis’ gelebte Auto Emoción ausgiebig für die eigene Marke. Letzteres manchmal mit ungeahnten Folgen – das hat der Hype um den Wackel-Elvis aus dem Audi-TV-Spot The Fan von 2001 eindrucksvoll bewiesen. Aber hat Elvis eigentlich zu Lebzeiten je Werbung für ein anderes Produkt als ELVIS gemacht?

Mein Freund Werner – immer noch kein Elvis-Fan– ist sich da sicher: wenn überhaupt, dann nur für was Essbares. Hätte mich auch gewundert, wenn Werner mal ein Klischee ausgelassen hätte ;-). Aber diesmal hat er zumindest nicht ganz unrecht.

Und zwar hat Elvis während seines Engagements bei der bekannten Country-Musikshow Louisiana Hayride (→ Elvis Louisiana Hayride 8. Januar 1955, → Elvis unbekannte Hayride-Aufnahme entdeckt) einen Radio-Werbespot für die Bäckerei Southern Maid Donuts und ihr gleichnamiges Produkt gesprochen. Mit Donuts sind diese ultrasüßen Teilchen mit Loch in der Mitte gemeint, die man auch bei uns zu kaufen bekommt. Sind sehr lecker, gehen aber sofort auf die Hüften, gnadenlos!

Dieser kurze Radio-Spot für Southern Maid Donuts, wofür sich übrigens auch andere bekannte Künstler wie Johnny Cash zur Verfügung gestellt haben, galt jedenfalls lange als die einzige Produktwerbung Elvis Presleys. Er wurde während der Radioübertragung der Louisiana Hayride-Show am 6. November 1954 gesendet:

„You can get them piping hot after 4 P.M., you can get them piping hot, Southern Maid Donuts hits the spot, you can get them piping hot after 4 P.M.“

Elvis rockt Victrola

Aber der gute Elvis ist letztendlich doch kein Einzeltäter in Sachen Werbung geblieben (→ siehe Kleider machen Leute – Elvis Presley und Bernard Lansky). 2 Jahre nach seinem Donut-Erstling hat er nämlich ausgiebig Produktwerbung für die Radio Corporation of America (RCA) gemacht, bei deren Plattenlabel RCA Records er seit Ende 1955 unter Vertrag war. Im Billboard Magazin vom 17. November 1956 erschien nämlich diese, an Musikhändler gerichtete Anzeige für einen tragbaren Plattenspieler, den Victrola von RCA. Weiterlesen

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Björn Eckerl, Jahrgang 1976, studierte in Frankfurt und Bologna Filmwissenschaft, Germanistik und Politologie. Er ist Gesellschafter der Frankfurter Design- und Werbeagentur VIER FÜR TEXAS und hat Ende 2011 im Stroemfeld Verlag sein erstes Buch Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können veröffentlicht. The Memphis Flash hat Björn Eckerl interviewt.

INTERVIEW

Filmkenner und Buchautor Björn Eckerl

The Memphis Flash: Herr Eckerl, warum Elvis? Was hat Sie dazu bewogen, ausgerechnet ein Buch über Elvis Presley zu schreiben?

Björn Eckerl: Ich habe ja Filmwissenschaften studiert, dann aber während meines Studiums mit Freunden die Design- und Werbeagentur VIER FÜR TEXAS gegründet. Da war es erstmal nichts mit der Magisterarbeit. Mit fünf Jahren Verzögerung hab ich dann parallel zum Job einen neuen Anlauf genommen. Dazu passte Elvis sehr gut – ich wollte kein zu abstraktes Thema, sondern eins mit Fleisch sozusagen, etwas, das mich auch sinnlich beschäftigt.

Gerade weil ich mittlerweile etwas Abstand zur akademischen Arbeit gefunden hatte, fand ich es interessant, die Perspektive des Fans fruchtbar zu machen. Das wird ja normal eher wie im Labor betrieben: Ah, schau mal diese Fans, wie lässt sich dieser kopflose Haufen denn psychologisch analysieren? Ich fand es interessant, das eigene Fan-Sein ganz persönlich zum Gegenstand zu nehmen, gerne auch wissenschaftlich, aber eben anders als Adorno und Horkheimer, die uns alle zu Marionetten der Kulturindustrie machen.

The Memphis Flash: Waren Sie denn zu diesem Zeitpunkt schon ein Elvis-Fan?

Björn Eckerl: Zuerst einmal nicht. Obwohl ich ziemlich musikbegeistert bin, gehörte Elvis bislang zu diesen Stars, bei denen es mir schwerfiel, wirklich zuzuhören, weil sie eben diese immense Strahlkraft haben, die alles andere zudeckt. Elvis ist der Inbegriff des Stars überhaupt und das war es auch in erster Linie, was mich zunächst ganz distanziert wissenschaftlich interessiert hat.

Dass sich dieser Blick verändert hat, begann mit einer Szene aus G.I. Blues, die dann auch zum Auslöser für mein Buch wurde: Hier sehen wir Elvis im Kasperletheater, wie er nicht die Puppen spielt, sondern mit ihnen; wie er sich selbst zur Puppe macht und das dem Publikum ganz offensiv zeigt. Er bietet sich als Projektionsfläche an und scheint zu sagen: „Ich kann für Dich alles sein und alles bedeuten“. Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen; irgendwann stellte ich dann rückblickend fest, dass ich längst zum Fan geworden war.

 

The Memphis Flash: So gut wie immer, wenn von Elvis Presleys Filmkarriere, von Elvis dem Schauspieler die Rede ist, dann sind sich Biografen, Fans und Kritiker überraschend einig: die Filme markieren den künstlerischen Tiefpunkt einer ansonsten fast makellosen Karriere. Wie erklären Sie sich diese Haltung und inwieweit ist sie berechtigt? Weiterlesen