Wandeln auf Elvis‘ Pfaden in Bad Nauheim

Auf den Spuren von Elvis in Bad Nauheim wandelt man am besten zu Fuß mit Tourguide und Elvis-Fan Hans-Ulrich Halwe. Der kennt nicht nur alle Orte, an denen Elvis Presley seine Freizeit verbrachte, sondern hat auch mit vielen Zeitzeugen Kontakt, die den King zum Teil täglich gesehen und gesprochen haben. So weiß Halwe von Dingen zu berichten, die sich so schnell in keinem Buch nachlesen lassen.

Foto: Auf Elvis‘ Pfaden in Bad Nauheim mit Hans-Ulrich Halwe; www.memphisflash.de

 

Diesen Anblick verehren die meisten Elvis-Fans, aber nicht wegen der immer noch schönen Jugendstilfassade und stilechten Einrichtung des Hotel Grunewald. Denn hier wohnte nach einer kurzen Stippvisite im Park-Hotel von Oktober 1958 bis Januar 1959 der King in Zimmer Nr. 10, gut zu erkennen durch den Balkon im obersten Stockwerk.

Foto: Hotel Grunewald heute; www.memphisflash.de

Von dort hatte Elvis Presley einen herrlichen Blick auf den Kurpark. Er soll sich das Hotel übrigens bei einer Taxifahrt durch Bad Nauheim u.a. wegen seiner schönen ruhigen Lage als neues Domizil ausgesucht haben – er zog ein mit Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae und den Leibwächtern Red West und Lamar Fike, später kam noch die Sekretärin Elisabeth Stefaniak dazu.

Foto: Haupteingang Hotel Grunewald; www.memphisflash.de

 

Lange Zeit konnte das Hotel nicht mehr von innen besichtigt werden, da die letzte Besitzerin, eine sehr betagte Dame, nach einem Treppensturz das Hotel aufgeben musste – daraufhin waren die Besitzverhältnisse über Jahre nicht geklärt.

2015 kaufte ein Bad Nauheimer Architekturbüro das Haus und bietet seitdem über die Elvis Presley Gesellschaft kleinen Gruppen exklusive Besichtigungen im Rahmen des European Elvis Festivals an. Die Architekten haben das Grunewald jetzt (Stand 2017/6) außerdem so restauriert, dass es ab August 2017 wieder als Hotel und Boarding House genutzt werden kann. Dabei bleibt das historische Ambiente des Hauses mit Elvis‘ berühmten Zimmer Nr. 10 erhalten.

Hotelgäste können demnächst also auch wieder in Elvis‘ altem Bett übernachten  – das Interesse daran ist groß. Schmunzelnd erzählt Halwe im Rahmen seiner Führung, dass ein Freund von ihm die Möglichkeit, eine Nacht in Zimmer Nr.10 zu verbringen, gut zu nutzen wusste und dort den Hochzeitstag seines Lebens verbrachte ;-).

Einen kurzen Blick ins königliche Schlafgemach im Hotel Grunewald 1958/59 ermöglicht das Foto unten: Hier hat sich Red West als Elvis verkleidet und aufs Bett seines berühmten Freundes drapiert. So sah das also aus damals.

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Foto: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010

Heute muss der Blick durch die Scheiben des Seiteneingangs genügen. Erstaunlich – das ehemalige Hotel Grunewald hat sich seit 1958/59 kaum verändert. Wer dieser Treppe (Foto unten) weiter nach oben folgt, kommt unweigerlich zu Zimmer Nr. 10.

Foto: Blick ins Innere des Hotel Grunewald, aufgenommen im August 2012; www.memphisflash.de

Wenn man im Erdgeschoss durch die Fenster schaut, dann kann man heute noch dieses Sofa erkennen, auf dem Elvis Presley es sich auf dem Foto unten mit Pudel Cherry gemütlich gemacht hat.

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Das Sofa steht heute noch in den Räumen, die von den Hotelgästen gemeinschaftlich genutzt wurden. Fotos: Jerry Osborne: Elvis As Any Other Soldier, 2010

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Als Elvis mit seinem Clan hier einzog, war es schnell vorbei mit der beschaulichen Ruhe im und um das Hotel Grunewald, da Red West und Lamar Fike aus Langeweile allerlei Blödsinn veranstalteten, wenn Elvis in der Kaserne Ray Barracks in Friedberg seinen Dienst verrichtete.

Und Vater Vernon war als lustiger Witwer auch nicht gerade ein Kind von Traurigkeit… Hinzu kamen Oma Minnie Maes Kochgewohnheiten – der Duft deftiger Südstaatenspeisen, die ihr Enkel so liebte – durchzog die Räume des Hotels, das außerdem ständig von Elvis‘ Fangemeinde belagert wurde.

Das alles hätte Hotelier Schmidt, der sehr angetan war von Elvis‘ höflicher und ruhiger Art,  noch weggesteckt, wenn der zackige Red und Klassenclown Lamar die Sache nicht irgendwann auf die Spitze getrieben hätten. Als Elvis‘ Schmidts Vorschlag, die Bodyguards, die der King in Bad Nauheim sowieso nicht brauchte, einfach „auszulagern“, ablehnte, musste der Presley-Clan wegen fehlender „Kurstadtkompabilität“ ausziehen – Hotelier Schmidt half bei der Suche nach einem passenden Haus zur Miete.

Die Suche nach einem Haus gestaltete sich schwierig, aber man wurde schließlich doch fündig in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim, wo man das Haus von Frau Pieper für eine damals astronomische Monatsmiete – gesprochen wird von zwei bis dreitausend Mark (!) – bezog. Frau Pieper war offensichtlich geschäftstüchtig und sehr darauf bedacht, ihr Eigentum zu schützen – sie blieb nämlich weiter im Haus wohnen und lieferte sich so manche Schlacht mit Oma Minnie Mae in deren Revier, der Küche.

Irgendwie raufte man sich aber zusammen, denn die Presleys wohnten bis zu ihrer Rückkehr in die USA Anfang März 1960 hier. In der Goethestraße 14 hat Elvis Presley im September 1959 auch seine spätere Ehefrau Priscilla Beaulieu kennengelernt.

Foto: Das Haus Goethestraße 14 heute; www.memphisflash.de

Das Haus in der Goethestraße ist heute in Privatbesitz und leider nicht zu besichtigen. So bleibt nur der Blick von der anderen Straßenseite. Das Haus ist gut wiederzuerkennen, nur der weiße Holzzaun, den die Fans früher so gerne bemalten, ist heute braun und hinter einer Hecke verborgen.

Auch in der Goethestraße 14 war Elvis ständig von Fans umlagert, doch schnell bildete sich ein fester Kern, zu dem auch Claus-Kurt Ilge gehörte, der sogar eine Ehrenrunde in der Schule in Kauf nahm, um möglichst häufig vor Ort zu sein, wenn Elvis Zeit für seine Fans hatte. Und die Zeit nahm der King sich praktisch täglich, wenn er nicht gerade auf Manöver (→ Elvis Presley gut getarnt in der Oberpfalz) war. Er kam dann vors Haus, gab Autogramme, ließ sich fotografieren und scherzte mit seinen Fans: ein Star zum Anfassen.

Foto oben: Fan der ersten Stunde – Claus-Kurt Ilge wandelt heute (oben) noch immer auf Elvis‘ Spuren in Bad Nauheim und Friedberg, www.memphisflash.de; Foto unten: Elvis mit Claus-Kurt (Mitte) in den 1950ern vor Elvis‘ Wohnsitz in der Goethestraße 14, Foto: Claus-Kurt Ilge

 

Claus-Kurt Ilge (Mitte) mit Elvis Presley und einem weiteren Fan vor dem Haus in der Goethestraße 14 in Bad Nauheim

Wenn G.I. Presley keine Zeit hatte, nahm er auch schon mal die Hintertür. Dazu parkte er in der Uhlandstraße und lief durch den Garten einer Nachbarin auf den rückseitigen Teil des Grundstücks Goethestraße 14. Als er das zum ersten Mal veranstaltete, fand das die deutsche Nachbarin aus der Uhlandstraße gar nicht komisch, sie dachte wohl der G.I. in Uniform sei der Vorbote der nächsten Invasion und scheuchte ihn mit viel Geschrei über ihr Grundstück.

Der King lernte dabei gleich ein neues deutsches Wort: RAAAAUUUUSSS! Auch als er auf sein Namensschild an der Uniform zeigte und versuchte zu erklären, wieso er diesen Weg nahm, war die ältere Dame nicht zu beschwichtigen – von Elvis Presley hatte sie noch nie gehört. Erst ein großer Blumenstrauß und die Übersetzungshilfe von Sekretärin Elisabeth Stefaniak konnte den Nachbarschaftsfrieden wiederherstellen – und Elvis hatte von da an freie Bahn durch den Garten in der Uhlandstraße.

Ganz in der Nähe von Goethe- und Uhlandstraße in Bad Nauheim befand sich Ende der 1950er Jahre ein Areal mit weitläufigen Wiesen und Obstbäumen. Hier spielte Elvis Presley mit seinen Freunden Football, machte Picknick und lag im Sommer zusammen mit deutschen Jugendlichen auf der Wiese, um zu entspannen. Ein (fast) ganz normales Leben.

Foto: Elvis beim Football vor dem Gradierwerk IV in der Nähe der Goethestraße; www.memphisflash.de

Elvis Presley und Roswitha Klaus genießen den Sommer in Bad Nauheim; Foto: elvispresleyverein.de

In Bad Nauheim war Elvis häufig auch einfach allein zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad unterwegs. Zwar zog er dabei oft – wie der Rattenfänger von Hameln – Fans  hinter sich her, wurde auch angesprochen und um Autogramme gebeten, aber er wurde nicht gemobbt, konnte sich ziemlich frei bewegen, selbst Platten im Geschäft einkaufen oder spontan ins Kino gehen.

Von der Goethestraße bis zur Innenstadt war es nicht weit, den Weg durch viel Grün vorbei an Bad Nauheims berühmten Rosenbeeten kann man heute noch wie vor mehr als 50 Jahren gehen und begegnet dabei so manchem bekannten Fotomotiv mit Elvis in Uniform, das später um die Welt ging.

Foto: Die Brücke ist noch da, nur das schmuckvolle Geländer ist aus Altersgründen inzwischen einem schlichteren gewichen; www.memphisflash.de

 

Mit seinem Vater Vernon soll er auch gerne durch die engen Gassen von Bad Nauheim spaziert sein, solch ein Ambiente kannten die beiden Südstaatler von zu Hause nicht. Auch dabei wurden sie in der Regel nicht weiter behelligt. Vor der historischen Burgpforte in Bad Nauheim entstand ein Foto, das ein sehr bekanntes Plattencover ziert.

                        Foto: Die Burgpforte heute (oben) und auf dem Cover der Elvis-Single 1959 (unten), www.memphisflash.de

Und auch die Gesundheitsleistungen der Kurstadt Bad Nauheim soll Elvis Presley angeblich genutzt haben. Da er häufiger an Mandelentzündungen litt, vor allem wenn er im Winter wochenlang auf Manöver war, empfahl ihm ein Arzt, sich regelmäßig zum Gradierbau I ganz in der Nähe der Goethestraße zu begeben um durch das Einatmen besonders salzhaltiger Luft Erkältungskrankheiten vorzubeugen.

Nach diesem Tipp soll der King so manches Mal seine tägliche Autogrammstraße von der Goethestraße vor das Gradierwerk I verlegt haben, um beim Autogrammegeben gleichzeitig Hals und Stimme etwas Gutes zu tun. Na, das klingt doch wie aus der Marketingbroschüre der Stadt Bad Nauheim ;-).

Foto: Immer noch gut für die Atemwege – Gradierwerk I 2012; www.memphisflash.de

 

Richtig spannend, so eine Tour auf Elvis‘ Pfaden in Bad Nauheim! Und das sind nur einige der Geschichten, die Bad Nauheimer über Elvis Presleys Aufenthalt in der Kurstadt erzählen können. Hans-Ulrich Halwes Tour wird mehrfach während des jährlich im August stattfindenden European Elvis Festivals in Bad Nauheim angeboten, kann aber auch zu einem anderen Zeitpunkt gebucht werden. Informationen dazu gibt es über die Tourist Information Bad Nauheim, Tel.: +49 (0) 60 32 – 92 99 20, E-Mail: info@bad-nauheim.de.

Wer im Anschluss an seine Tour durch Bad Nauheim noch auf Elvis‘ Pfaden in Friedberg wandeln möchte, der kann über den dortigen Elvis Presley Verein (EPV) eine Tour mit Zeitzeuge Claus Kurt Ilge durch die Ray Barracks, in denen Elvis Presley vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960 stationiert war, buchen.

5 Antworten
  1. schenk peter
    schenk peter says:

    grüezi
    ich bin ein elvis fan aus zürich, schweiz.
    ist es möglich eine private führung mit klaus ilge zu unternehmen?
    ich würde etwa um den 24. juni 2014 in bad nauheim sein.

    mit bestem dank und freundlichen grüssen, peter schenk

    Antworten
  2. memphisflash
    memphisflash says:

    Grüezi Peter,

    ich weiß nicht, ob Claus-Kurt Ilge private Führungen macht, aber wir fragen ihn einfach. Ich melde mich gleich per E-Mail bei Dir und Du bekommst seine Kontaktdaten. Er ist wirklich ein ganz Netter.

    Gruß
    The Memphis Flash

    Antworten
  3. Oskar Hentschel
    Oskar Hentschel says:

    Leider heißt die künstlich errichtete „Dornenhecke“, über die man das Solewasser laufen lässt, damit es verdunstet und eine salzhaltige Luft verursacht, nicht Grenadierbau, sondern Gradierwerk.

    Antworten
    • memphisflash
      memphisflash says:

      Yep, war tatsächlich einmal im Beitrag falsch geschrieben, habe ich wohl eine Korrektur übersehen. Danke für den Hinweis. Sonnige Grüße

      Antworten

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  1. […] Spaß, ein buntes Rahmenprogramm (→ Wandeln auf Elvis’ Pfaden in Bad Nauheim, Impressionen vom Fackellauf) und natürlich richtig gute Musik gab es auf dem European Elvis Festival in Bad Nauheim Mitte […]

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