Elvis Presley grüßt die Oberpfälzer – Original oder Fälschung?

Original oder Fälschung? Am 5. Februar 1960 hatte der Reporter Josef Andreas Müller (alias Sepp Anderl Müller, wie er in der Oberpfalz heißt), der damals als freier Journalist u.a. für die Amberger Zeitung arbeitete, G.I. Elvis Presley interviewt und fotografiert.

G.I. Elvis Presley mit deutschen Frolleins im Gasthaus Goldenes Lamm in Hirschau am 5. Februar 1960, fotografiert von Josef Andreas Müller

Müllers Fotos wurden am 8. Februar 1960 auch für einen Beitrag im Nabburger Volksboten verwendet, in dem außerdem ein handschriftlicher Gruß Elvis Presleys veröffentlicht wurde. Fotos und Artikel im Nabburger Volksboten sind noch bis zum 19. August 2012 in der sehenswerten Ausstellung Elvis Presley gut getarnt in der Oberpfalz des Volkskundemuseums Burglengenfeld ausgestellt, die der Historiker Peter Heigl betreut.

Original oder Fälschung? Gruß von Elvis, veröffentlicht im Nabburger Volksboten am 8. Februar 1960

Der bekannte Sammler Oskar Hentschel, der seit Ende 2011 in der Düsseldorfer Altstadt mit Michael Knorr und Andreas Schröer ein Elvis-Museum betreibt, hat sich jetzt zu Wort gemeldet – er ist sich sicher, dass es sich bei dem im Nabburger Volksboten veröffentlichten Gruß um eine ziemlich platte Fälschung handelt. Hentschels Argument: “Selbst Volksschüler Elvis Presley hätte geschrieben ‘In 23 days I will be home’ statt das Volksschul-Englisch ‘I’ am to house’.” Könnte Hentschel da recht haben?

Vielleicht hat Elvis sich ja einfach einen Spaß erlaubt mit “to house” und “zuhause”. Schwierig zu sagen, wie diese Notiz zustande kam. Die Handschrift ist der von Elvis Presley jedenfalls ähnlich – für meine Augen. Ein Handschriftenexperte könnte das sicher sehr viel besser beurteilen.

Wie dem auch sei, der Fotograf Sepp Müller hatte offensichtlich einen guten Draht zum King gefunden an diesem Februartag 1960, denn er erhielt noch in demselben Jahr, genauer gesagt am 8. September 1960, Post aus Memphis – in Form eines handschriftlichen Briefes, der ebenfalls in Burglengenfeld ausgestellt ist. Elvis bezieht sich hier u.a. auf die Dreharbeiten zu seinem aktuellen Film, der tatsächlich von Black Star in Flaming Lance und schließlich in Flaming Star umbenannt wurde.

Elvis Presleys Brief an Josef Andreas Müller vom 8. September 1960 – ausgestellt im Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld

Handschriftliche Post aus Memphis bekamen auch noch andere Weggefährten aus Deutschland, wie z.B. der Hotelier des Grunewald in Bad Nauheim, wo Elvis Presley zu Beginn seiner Zeit in Deutschland wohnte, bevor er das Haus in der Goethestraße 14 mietete. Da bietet sich doch direkt ein Handschriftenvergleich an…

Der handschriftliche Brief an Herrn Schmidt trägt den Poststempel 3. August 1960, ist also gut einen Monat älter als der an Josef Andreas Müller und ist im Elvis-Museum in Düsseldorf ausgestellt. Witzigerweise erzählt Elvis hier, dass er den Jordanaires ein bisschen Deutsch versucht hat beizubringen, als sie den Song Wooden Heart (Muss i denn…) für den Film G.I. Blues aufnahmen.

Brief Elvis Presleys an Hotelier Schmidt in Bad Nauheim v. 3. August 1960 – ausgestellt im Elvis-Museum in Düsseldorf

Mal abgesehen von der Frage, ob es sich bei dem Gruß an die Oberpfälzer um ein Original oder eine Fälschung handelt bzw. wie viel Deutsch der King eigentlich nach knapp 17 Monaten als G.I. in Deutschland tatsächlich konnte, belegen die hier gezeigten Briefe an Müller und Schmidt, dass der Memphis Flash zumindest eine ungekünstelte, persönliche Art zu schreiben hatte, jedenfalls in seiner Muttersprache.

Man wundert sich nur, dass die Briefe überhaupt ankamen. Schaut euch mal die Adressierung auf dem Umschlag an Schmidt an…  Dabei hatte der gute Elvis doch ein Sekretariat, schon wegen der ganzen Fanpost – bestückt mit jungen und vor allem hübschen Damen ;-). Da hätte man doch noch den Namen des Hotels und die Postleitzahl ergänzen können, oder?

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