Jailhouse Rock – der Film

Direkt im Anschluss an die erfolgreiche Aufnahmesession des Soundtracks von Jailhouse Rock, die Elvis Presley unterstützt vom Komponistenduo Jerry Leiber und Mike Stoller bei Radio Recorders in Los Angeles unter Dach und Fach gebracht hatte, begannen im Mai 1957 die eigentlichen Dreharbeiten für den MGM-Filmklassiker mit Elvis in der Hauptrolle.

Elvis Presley in seinem 3. Kinofilm Jailhouse Rock – Pressefoto 1957

Die Dreharbeiten starteten dabei nicht nur für den Memphis Flash, denn auch die Musiker Scotty Moore, Bill Black, D.J. Fontana, Komponist Mike Stoller und einige seiner Freunde  sind in kleinen Rollen in verschiedenen Szenen des Films zu sehen.

Jailhouse Rock – die Crew

Das Drehbuch zu Jailhouse Rock beruht auf einer Erzählung des Schauspielers und Drehbuchautors Nedrick “Ned” Young, der unter dem Pseudonym Nathan E. Douglas 1959 einen Oscar für sein Drehbuch The Defiant Ones (Flucht in Ketten) gewann. Als Produzent des Schwarzweiß-Films fungierte der mehrfach Oscar-nominierte Sandro S. Berman, der zuvor schon Blackboard Jungle (1955) mit dem bekannten Titelsong Rock Around The Clock von Bill Haley produziert hatte, assistiert von Kathryn Hereford (u.a. Die Brüder Karamasov).

Und auch der Regisseur von Jailhouse Rock war eine bekannte Größe in Hollywood. Allerdings hatte sich Richard Thorpe die Sporen eher in Low-Budget-Komödien und Westernfilmen verdient. Im Studiosystem Hollywoods war Thorpe – Spitzname: Mr. One Take – ein beliebter Regisseur der MGM, einfach weil er besonders “budgetsensibel” und effizient Regie führte. Als ansprucksvoller oder gar besonders kreativer Regisseur galt er nicht. Allerdings profitierte Jailhouse Rock durchaus von Thorpes Vorliebe, in besonders langen Einstellungen zu filmen, was Kameramann Robert J. Bronner stimmungsvoll umzusetzen wusste.

Klassisch: “That ain’t tactics, honey. That’s just the beast in me!” Elvis Presley mit Judy Tyler

Elvis selbst spielte in seinem 3. Film nicht nur die Hauptrolle, in Jailhouse Rock trägt der von ihm dargestellte Charakter (Vince Everett) erstmals überzeugend die Handlung  – und ist dabei im Gegensatz zu den meisten Protagonisten der 31 Elvis-Spielfilme ( → Elvis im Kino: Interview mit Filmwissenschaftler Björn Eckerl) kein gradlinig sympathischer Kerl,  was erheblich zum Reiz des Films beiträgt.

Vince Everett hat nämlich ein aufbrausendes Temperament, ist teilweise ganz schön unreif, reagiert gerne provozierend bis arrogant, tritt im Verlauf der Handlung einer Menge wohlmeinender Zeitgenossen auf die Zehen, schlägt nicht nur verbal gerne mal um sich, kriegt dabei selbst ordentlich eins auf die Mütze, schmollt ausgiebig,  ist tief drinnen doch ein Guter – und versprüht bei alldem viel jugendlichen Charme und Sex-Appeal. Und klar, er singt natürlich auch ;-).

Letzteres allerdings nicht von vornherein im klassischen Elvis-Stil, da die Songs Vince Everetts gesangliche Entwicklung vom unerfahrenen Talent zum Superstar spiegeln sollten → siehe auch Jailhouse Rock – die Aufnahmesession. Auch hier gibt es also eine grundlegende Abweichung von den meisten der späteren Filme mit Elvis Presley in der Hauptrolle.

Unterstützt wurde Elvis bei seiner ersten anspruchsvolleren Rolle u.a. von dem erfahrenen Schauspielkollegen Mickey Shaughnessy (From Here To Eternity/Verdammt in alle Ewigkeit) als Knastkumpel und Ex-Countrysänger Hunk Houghton sowie Judy Tyler in der Rolle der erfolgreichen Musikpromoterin Peggy Van Alden. Mit von der Partie waren außerdem Vaughn Taylor (Cat On A Hot Tin Roof/Die Katze auf dem heißen Blechdach, Psycho) als gewiefter Manager Mr. Shores, Jennifer Holden und Anne Neyland als Freundinnen von Vince.

Mickey Shaughnessy mit Elvis Presley in einer Schlüsselszene des Films

Jailhouse Rock – die Handlung

In die Handlung eingeführt wird Elvis gleich in der Eingangszene von Jailhouse Rock, die ihn als jungen (noch) sorglosen und offensichtlich auch beliebten Baggerfahrer Vince Everett an seiner Arbeitsstelle zeigt.

In der nächsten Szene begegnen wir ihm in einer Bar, wo er seinen Wochenlohn in einen Drink anlegt, Armdrücken mit dem Kneipenboss spielt (er verliert, auch selten in einem Elvis-Film) und für eine offensichtlich ältere Verehrerin den Kavalier spielt, als diese von ihrem Mann/Freund herumgestoßen wird.

Vince spielt den Kavalier… bevor er zuschlägt

Hier kommt erstmals das verhängnisvoll explosive Temperament von Vince zum Vorschein – im Vorlauf der sich entwickelnden Rauferei erschlägt er den Angreifer unbeabsichtigt und wird wegen Totschlags zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Im Gefängnis teilt Vince sich die Zelle mit dem älteren und mit allen Wassern gewaschenen Ex-Countrysänger Hunk Houghton, der ihn nicht nur in die Gepflogenheiten seiner neuen “Heimat” einführt, sondern auch sein ungeschliffenes Gesangstalent erkennt →  Young And Beautiful.

Hunk erklärt Vince, wie der Hase läuft

Autsch! Vince hat bei einer Knastrevolte mitgemacht und wird bestraft – der Wärter scheint die Aktion ordentlich zu genießen

Schon bald kann Hunk seinen Zellengenossen Vince überzeugen, bei einer TV-Sendung, die aus dem Gefängnis übertragen wird, mitzumachen. Der Auftritt, bei dem Vince den Song I Want To Be Free singt, ist ein voller Erfolg.

Als Vince daraufhin sehr viel Fanpost bekommt, sorgt der gerissene Hunk dafür, dass sein Zellengenosse möglichst nichts davon mitbekommt und überredet ihn, einen Vertrag mit ihm abzuschließen, der eine gemeinsame Karriere als Gesangsduo vorsieht, nachdem sie beide ihre Strafen abgesessen haben.

In einer Bar, in der Vince nach seiner Entlassung hofft, als Sänger anfangen zu können, lernt er die attraktive, selbstbewusste Musikpromoterin Peggy Van Alden kennen. Auch Peggy erkennt schnell das Talent des ungehobelten Kerls und beginnt, ihn zu fördern. Durch ihre Vermittlung macht Vince erstmals in einem Studio eine professionelle Aufnahme und entdeckt seinen eigenen unverkennbaren Stil (offensichtliche Parallelen des Drehbuchs zu Elvis Presleys Karriere sind selbstverständlich rein zufällig ;-)).

Don’t leave me now: Vince alias Elvis im Aufnahmestudio mit den Musikern Scotty Moore (Gitarre), Bill Black (Bass) und D.J. Fontana (Schlagzeug), nicht mehr im Bild: Mike Stoller am Piano

Bei dem Versuch, die erste gute Aufnahme von Vince bei einem bekannten Plattenlabel unterzubringen, werden sie vom Geschäftsführer des Labels betrogen. Auf Vince’ Vorschlag hin gründen die beiden daraufhin mit großem Erfolg ihr eigenes Label und suchen sich gleich noch einen guten Rechtsanwalt, der den kaufmännischen Part ihres Unternehmens fest im Griff hat (Vaughn Taylor als Mr. Shores).

Treat me nice: Peggy und Vince schmieden Pläne (oben); Mr. Shores, Peggy und Vince werden sich einig; Fotos: © Erik Lorentzen/Flaming Star 2012: Jailhouse Rock Frame by Frame

 

Während Vince von Erfolg zu Erfolg segelt und sich auch in Hollywood etabliert (aha!), was ihm ordentlich zu Kopf steigt, kommt es zunehmend zu Missverständnissen zwischen Peggy, die sich ganz offensichtlich verliebt hat, und Vince, der sich bei seinen eigenen Annäherungsversuchen zurückgewiesen fühlt. Der Kontakt zwischen den beiden bricht zeitweise ab.

You’re so square, Baby I don’t care: Vince hat neue Freundinnen in Hollywood: Sherry Wilson (Jennifer Holden, Foto oben) und Laury Jackson (Anne Neyland); Schauspielerin Anne Neyland (unten) soll Elvis auch privat bezaubert haben; Fotos: © Erik Lorentzen/Flaming Star 2012: Jailhouse Rock Frame by Frame

In diese Situation platzt der entlassene Hunk Houghton, der Vince nun an den gemeinsamen Vertrag erinnert. Nicht gerade mit großer Begeisterung erklärt sich Vince einverstanden, Hunk eine Chance in der anstehenden großen TV-Show zu geben, in der er selbst auftritt. Doch Hunks Hillbilly-Gesangsnummer One More Day ist so veraltet, dass die Produzenten der TV-Show sie kurzerhand rausschneiden, sie wird nicht gesendet. Vince’ Jailhouse Rock-Performance hingegen ist ein großer Erfolg!

Let’s rock everybody let’s rock, everybody in the whole cell block was dancing to the Jailhouse Rock…

Hunk ist nachvollziehbar frustiert, es kommt zunehmend zu Differenzen mit Vince, der seinen Partner kurzerhand zu seinem Handlanger degradiert. Auch möchte Vince seine und Peggys Plattenfirma gewinnbringend an ein größeres Label verkaufen. Peggy ist dagegen, da die Firma für sie einen ideellen Wert hat – auch hofft sie immer noch, dass Vince sich doch noch besinnt und sich nicht länger wie ein gefühlloser Vollidiot benimmt.

Vince treibt es auf die Spitze und bekommt es von Hunk faustdick

Das passiert jedoch erst, nachdem Vince von Hunk bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung so schwer am Kehlkopf verletzt wird, dass auch nach einer Operation die Gefahr des Stimmverlustes besteht. Wie am Anfang des Films bringt ein Gewaltakt die entscheidende Wende in der Handlung und auch der Haltung des Protagonisten. Vince versöhnt sich endlich mit seinen Freunden, Peggy und er finden zueinander – und die Stimme kommt auch zurück. Klassisches Happy End im Hollywood-Stil!

Versöhnung im Krankenhaus, seufz!

Everybody let’s rock – die berühmte Tanzszene

Ende gut, alles gut, hieß es aber längst nicht von Anfang an für Elvis bei den Dreharbeiten zu Jailhouse Rock. Denn die begannen für den King gleich mit einem Schocker. Beim ersten Treffen mit dem erfahrenen Choreographen Alex Romero (alias Alexander Bernard Quiroga) in einem Probenraum für Tänzer, ließ dieser Hollywoods neuen Jungstar gut gelaunt wissen, dass sie jetzt an einer Choreographie à la Fred Astaire und Gene Kelly arbeiten würden.

Elvis, der sich definitiv nicht als Tänzer in der Tradition der Hollyood-Musicals der 1940er und 1950er Jahre sah, war laut Kumpel George Klein von dieser Aussicht alles andere als begeistert, zeigte sich aber zunächst kooperativ, um dann nach der Vorführung der ersten Schritte sehr bestimmt zu sagen: “Das bin einfach nicht ich”!

Für Elvis Presley waren seine Bewegungen, wie er den Dokumentarfilmern Robert Abel und Pierre Adidge Jahre später erzählte, in erster Linie “body vibrations”, hervorgerufen durch die Musik, die den Körper wie von selbst in Bewegung setzt. Vordefinierte, bis ins Kleinste choreographierte Tanzschritte zu Hintergrundmusik waren schlicht nicht das, was er präsentieren wollte.

Das machte Eindruck auf Alex Romero, der vorschlug, Elvis solle doch mal ein paar Platten von sich auflegen und ihm einfach vorführen, wie er sich normalerweise dazu bewegt. Gesagt, getan! Daraufhin war die Sache für Romero klar, der sich zurückzog, um auf der Basis von Elvis’ eigenen Bewegungen eine Choreographie für die Szene und die anderen Tänzer zu entwickeln.

Von dem Ergebnis war Elvis begeistert und er feilte selbst weiter an seiner eigenen Performance, besonders nachdem Russ Tamblyn, eine seiner neuen Hollywood-Bekanntschaften, ihm ein paar pragmatische Tipps gegeben hatte, wie er seine body vibrations noch besser auf der Leinwand wirken lassen könnte. So entstand eine der berühmtesten Filmtanzszenen überhaupt, die Historikern heute als Urform des Rock- und Popvideos gilt.

Auch Tanzlegende Gene Kelly, der zu den Aufnahmen dieser Szene von Jailhouse Rock am MGM-Set vorbeischaute, soll applaudiert haben. Wer hätte das gedacht?

Warum sich selbst Gene Kelly beeindruckt zeigte, hat Tanzexpertin und Journalistin Pia Catton in einer ziemlich guten Analyse des Presleyschen Tanzstils (2007) – oder sagen wir besser, seiner body vibrations ;-), erklärt:

“His dancing is still enthralling to watch today, as with all great dancers, he had a particular quality of movement that made him a star. What was it about his style? Elvis, an untrained dancer, had a center of gravity that was low, à la Gene Kelly, but also set back and deep. His sexiest moves – legs rolling back and forth, smooth like jelly, hips rolling and tossing everywhere – were performed as if there were a paperweight on a string tied around his waist and hung from his lower back. With his weight adjusted to his back, he could free one leg to twist, pop, and jerk while maintaining perfect balance.”

Weiter geht Catton auf die offensichtlichen Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Tanzstil von Pop-Legende Michael Jackson ein:

“The freedom of those movements also helped him [Elvis] create the illusion that his legs  were out of control. In early stage performances, he would skid across the stage as if his legs were leading him; when one leg ‘stuck’, he’d mime picking it up and moving it. It’s akin to moves Michael Jackson used some 30 years later in the video for his 1983 hit ‘Beat It’: the knee springs up, he slaps it back down; the leg pops up again and thrashes like a fish before coming back to the floor for the choreographed steps with his posse.

Whereas Mr. Jackson has an ability to emphasize a pose with a snap so crisp it practically makes a sound, Elvis’s glory was in the shifting of his weight. This is strikingly clear in his breakout film, 1957’s ‘Jailhouse Rock’. In the performance of the title song, the weight shifts appear so fierce that one leg buckles while the other one locks. When he gets going fast, the force of the shifts make his shoulders jerk so hard he looks like he’s being electrocuted. When the shifts happen slower, with dramatic placement for emphasis, the sexuality is blatant.”

Verdammt gute Balance hat der King – Jailhouse Rock 1957

Elvis’ penchant for throwing his weight back also allowed him to get up on his toes for a few seconds. He could shimmy his feet and roll the ankles with brio, then pop up at the end of the spastic sequence. It was another move that Mr. Jackson would later appropriate and embellish with more choreographed steps. The difference, however, is remarkable: For Elvis, ending up on the toes was a natural progression of forcing his hips forward and weight back from which he could flow right out of the position. Mr. Jackson, by contrast, thrust up there – ate lunch – and waited for the explosion of the applause.”

Jailhouse Rock – im Kino

Abgesehen von dem Huppla um die berühmte Tanzsene, bei deren Dreh Elvis Presley eine Zahnkrone einatmete (ja, das geht tatsächlich), die ihm im Krankenhaus entfernt werden musste (sometimes life imitates art), verliefen die Dreharbeiten planmäßig und endeten für Elvis am 20. Juni 1957.

Hinter den Kulissen war der Memphis Flash viel mit Schauspielerfreund Nick Adams, der neben James Dean in Rebel Without A Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) gespielt hatte, seinen Kumpels aus Memphis und wechselnden Starlets unterwegs, genoss einfach das süße Leben in Hollywood.

Noch bevor Jailhouse Rock im Oktober 1957 in Memphis Premiere feierte, kam Elvis’ Schauspielkollegin Judy Tyler mit ihrem Ehemann bei einem tragischen Autounfall ums Leben. Bei der Premiere des Films waren dann weder sie noch Elvis selbst anwesend, er hatte sich seinen 3. Spielfilm lieber vorher schon im Rahmen einer Privatvorstellung angesehen. Und so wurde der Film damals im Kino per Trailer beworben:

Kommerziell war Jailhouse Rock – wie auch die Extended Play mit dem Soundtrack und die Single – sehr erfolgreich. Filmbranchenblatt Variety listete Jailhouse Rock auf Platz 14 der umsatzstärksten Filme des Jahres bei Einnahmen von etwa 4 Mio. und geschätzten Produktionskosten von etwa 400.000 USD.

Elvis selbst erhielt für diesen Klassiker übrigens ein Honorar von 250.000 USD plus 50% vom Nettogewinn, viel mehr als für seine beiden ersten Filme Love Me Tender (1956) und Loving You (1957).

Filmplakat von 1957

In West-Deutschland (war ja noch weit vor der Wende) kam Rhythmus hinter Gittern, so der deutsche Filmtitel, übrigens am 3. April 1958 in die Kinos.

Was sagten nun aber die Filmkritiker 1957? Und was sagen sie heute? Sicher ist, der Film wurde in den 1950ern sehr kontrovers aufgenommen. Bei den Besprechungen konservativer Blätter, wie z.B. der New York Times, aus dem Erscheinungsjahr 1957 kann man sich heute nur über den hohen Grad an Emotionalität wundern, mit der man sich dort über den Südstaatenakzent und den als skandalös empfundenen Musikstil des Hauptdarstellers echauffierte, ohne wirklich viel über den eigentlichen Film zu sagen.

Das Magazin Cue fand den Film schlicht mittelmäßig und geschmacklos und auch das Jazz-Magazin Down Beat, naturgemäß eher kein Fan von Rock ‘n’ Roll, meldete sich zu Wort, indem es Elvis Presleys Vorstellung als Vince Everett als amateurhaft und platt bezeichnete.

Die Los Angeles Times hingegen sprang in ihrer Besprechung auf den Zug des angeblich jugendgefährdenden Einflusses von Rock ‘n’ Roll auf und monierte in erster Linie, dass Jailhouse Rock das noch unterstütze, nicht zuletzt weil der Protagonist kein Vorbild sei. Wörtlich hieß es:

“Why a popular teen-age idol like Presley and the contemporary musical rage of rock ’n’ roll must be associated and identified with crime, greed, profanity, vulgarity and brutality is beyond imagination. If Screenwriter Guy Trosper, Producer Pandro S. Berman and MGM want to capitalize on the tremendous popularity of Presley, more power to them; if they want to wax rich on teen-age dollars, none can object. However, it would seem to be wise to do something FOR the rock ’n’ rollers and not something TO them. The kids flock to see and hear Presley sing. Yet in this picture the leading character plays a vicious, rude and unpleasant individual.”

Na, da hat Elvis Presley die dunkle Seite des Vince Everett wohl eine Spur zu überzeugend gespielt ;-). Oder spielte er sich am Ende hier nur selbst und landete im Film endlich dort, wo mancher die Rock ‘n’ Roller alle gerne sehen wollte – hinter schwedischen Gardinen? Dass die Frage sich für viele 1957 überhaupt stellte, sagt eine Menge über die damalige Zeit, ihre Moralvorstellungen und natürlich auch den Schauspieler Elvis Presley in einer durchaus schwierigen Rolle aus.

Andere Blätter hatten mit Film und Hauptdarsteller weit weniger Probleme und bewerteten  Jailhouse Rock schon damals jenseits dieser Kontroverse. Die Schenectady Gazette z.B. lobte die Kameraführung und Elvis Presleys Performance, ging auf die moderaten Produktionskosten ein und vermerkte positiv die schauspielerische Leistung u.a. von Judy Tyler. In der Gadsden Times hieß es:

“Elvis Presley not only proves himself as a dramatic actor in ‘Jailhouse Rock,’ but also reveals his versatility by dancing on the screen for the first time. The movie […] also contains Elvis’ unique style of singing.”

Ähnlich unaufgeregt wird der Film heute bewertet. Autor Thomas Doherty preist in seiner Publikation Teenagers and Teenpics: The Juvenalization of American Movies in the 1950s (2002) besonders den respektvollen Umgang mit dem Thema Rock ‘n’ Roll, die gelungene Choreographie des Titelsongs und die Kameraeinstellungen, während Filmkritiker Mark Deming (Allrovi) betont, dass kaum ein anderer der 31 Elvis-Spielfilme das Charisma des Hauptdarstellers so gut transportiert wie Jailhouse Rock. Das ist eine inzwischen weitverbreitete Ansicht, die auch bei der Redaktion des bekannten deutschen Filmagazins Cinema (siehe cinema.de) zu einer klar positiven Bewertung von Film und Hauptdarsteller führt.

Und was sagte nun die deutsche Kritik in den 1950ern? Das Lexikon des internationalen Films, das erstmals 1987 im Rowohlt-Verlag erschien und zeitgenössische Filmkritiken der Zeitschrift Film-Dienst ab 1947 listet, fällt ein negatives Urteil basierend auf einer aus den 1950ern stammenden Kritik, die seit Jahrzehnten ungeprüft wiederholt und damit unendlich vervielfältigt wird:

„Die billige Produktion – mit einem Drehbuch, das nicht weniger als 30 Songs ermöglichte – gehörte in den USA zu den zehn erfolgreichsten Kinofilmen des Jahres 1957.“

Dumm nur, dass der ursprüngliche Verfasser der Kritik den Film ganz offensichtlich nicht gesehen hat, denn wie könnte er sonst den Film aufgrund von 30 (!) Songs beurteilen? Noch schlimmer: Weder den Machern des Lexikons, das aktuell auch online verfügbar ist unter zweitausendeins.de, noch den vielen Abschreibern ist bis heute jemals aufgefallen, dass schon rein von der Logik her 30 Songs mit einer Länge von jeweils 2 bis 3 Minuten schlecht in einen anderthalbstündigen Film passen – auch nicht in einen Elvis-Film, nicht in diesen und in keinen seiner 30 anderen Spielfilme.

Da ist die Redaktion von Cinema schon eher auf der richtigen Fährte, denn Jailhouse Rock gilt 55 Jahre nach Entstehung als Klassiker seines Genres und als einer der besten Filme Elvis Presleys. Jailhouse Rock wurde 2004 in den USA in das Nationale Filmregister für kulturell, historisch und ästhetisch besonders relevante Filme aufgenommen.

Wer Jailhouse Rock noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Der Film läuft immer mal wieder im deutschen Fernsehen (häufig um den Geburts- oder Todestag des King herum), es gibt ihn aber auch auf DVD und mittlerweile schon als Blue-ray.

Buchtipp: Jailhouse Rock Frame by Frame

Im Frühjahr 2012 haben sich die langjährigen Elvis-Aficionados Erik Lorentzen und Pål Granlund, die schon den phantastischen Bildband King Creole – Frame by Frame zusammen herausgegeben haben, nun auch dem Film Jailhouse Rock gewidmet.

Herausgekommen ist ein empfehlenswerter Bildband, aus dem die meisten hier im Beitrag verwendeten Fotos stammen. Der Band hat einen ähnlichen Aufbau wie King Creole Frame by Frame, mit einführenden Texten von Mike Eder und Jim Curtin, allerdings kommen die Fotos meiner Ansicht nach nicht ganz an die atmosphärische Dichte der ihres Vorgängers heran.

Das möchte ich den Machern des Buches jedoch nicht anlasten, schließlich hängt das von der Qualität der ursprünglichen Fotos ab, die phantastisch waren im Falle von King Creole. Schöne Fotos von Gesprächen zwischen Hauptdarsteller und Regisseur sind bei Jailhouse Rock im Gegensatz zu King Creole wahrscheinlich schlicht nicht vorhanden, weil diese Gespräche zwischen Elvis und Mr. One-Take Thorpe kaum stattgefunden haben dürften.

Sehenswerte Fotos mit Schauspielkollegen vor und hinter den Kulissen enthält Jailhouse Rock Frame by Frame jedenfalls ausreichend – Augenfutter für jeden, der diesen Film zu seinen Lieblingsfilmen zählt. Vertrieben wird dieser Bildband wie sein Vorgänger u.a. über das Sammlerlabel Follow That Dream.

Jailhouse Rock Frame by Frame. Aus der Serie Elvis Presley in Hollywood,
von Erik Lorentzen & Pål Granlund, Hardcover: ca. 25 x 30 cm, 445 Seiten mit Hunderten Schwarzweiß- und Farbfotos,
© 2012 Flaming Star, ISBN: 9 788 292 567 06 7, Vertrieb: Sammlerlabel Follow That Dream

→ siehe außerdem Jailhouse Rock – ein Klassiker wird 55 und Jailhouse Rock – die Aufnahmesession des Soundtracks

12 Antworten
  1. Nondisposable Johnny
    Nondisposable Johnny says:

    Yes I definitely use the translator. Wasn’t aware you got a new one but I’d say on the whole it’s an improvement (I know an auto-translator is never going to be perfect, but I’m getting pretty good at interpolating!)

    30 songs in Jailhouse Rock? That might require a new category: Surrealistic Stuff People Say About Elvis!

    Antworten
    • patricia
      patricia says:

      Thanks, Johnny. Pia Catton is really spot on, I think. That’s why I decided to quote the most important parts of her article.

      You would’nt believe it, but there really is still this myth among German movie critics that Jailhouse Rock features 30 (!) Elvis songs. One guy started it in 1957 – and there it is, quoted almost in every article about the movie. Unbelievable. You should use this as a German example for your “most stupid things said about Elvis-column”.

      Btw, did you use my new automatic translation service? I’m afraid it’s not very good, but I hope it’s still of use for foreign visitors.

      Antworten

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  1. […] – bis Elvis aus dem Gefängnis kommt – sind wirklich scharf, so scharf wie die Dialoge in Jailhouse Rock and King Creole. Danach wird Roustabout konventioneller, aber ich schaue ihn trotzdem noch […]

  2. […] in den USA 1964 im Autokino angesehen haben. Haben sie bei dieser Gelegenheit tatsächlich Vince Everett aus Jailhouse Rock (1957) oder Danny Fisher aus King Creole (1958) auf der Kinoleinwand erwartet, dann dürfte Mike […]

  3. […] neben den Songs naturgemäß mehr Raum für die Entwicklung von Handlung und Charakteren – Jailhouse Rock (1957) und vor allem King Creole (1958) sind gute Beispiele […]

  4. […] Acapulco war ebenfalls kein Elvis-Neuling, hatte er doch schon die Regie in dem Elvis-Klassiker → Jailhouse Rock (1957) übernommen: Richard Thorpe (eigentlich Rollo Smolt Thorpe, 1896 – 1991). Auch Thorpe […]

  5. […] (gespielt von Christian Slater) laut darüber nachdenken, was er sich so alles mit dem Elvis aus Jailhouse Rock vorstellen könnte (ähem) […]

  6. […] über Elvis Filme → King Creole Frame by Frame → Jailhouse Rock – der Film → Interview mit Filmhistoriker Björn Eckerl. TweetPin It This entry was posted in 1960er, […]

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