Elvis Presley-Museum in Düsseldorf

Für eine kleine Weile hatte Elvis Presley eine zweite Heimat in der Düsseldorfer Altstadt. Denn genau dort hatten sich die bekannten deutschen Elvis-Sammler Oskar Hentschel, Michael Knorr und Andreas Schröer knapp 2 Jahre lang einen großen Traum erfüllt und gemeinsam mit Torsten Meck ihre über Jahrzehnte liebevoll zusammengetragene Schätze in einer eigenfinanzierten, permanenten Elvis-Ausstellung gebündelt. Mit etwa 1.500 Sammlerstücken sollen Hentschel, Schröer und Knorr die größte private Sammlung von Besitzstücken des King of Rock ’n‘ Roll außerhalb der USA ihr eigen nennen.

Über 600 Exponate aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren waren von Ende 2011 bis August 2013 in der Elvis-Ausstellung in der Flinger Str. 11 zu bewundern. Ich habe das Museum in der Düsseldorfer Altstadt im März 2012 besucht: Mein Beitrag aus dieser Zeit gibt einen kleinen Einblick in die umfangreiche Sammlung der drei Elvis-Aficionados – eine Sammlung, die aktuell leider keine feste Heimat hat.

  

Fotos: Eingang zur Elvis-Ausstellung in Düsseldorf, Sammler Oskar Hentschel
 

Doch was diese Elvis-Ausstellung von anderen ihrer Art unterscheidet – man denke an die wohl größte auf dem Gelände von Elvis Presleys ehemaligem Wohnsitz Graceland in Memphis, Tennessee – ist weniger die Menge an Exponaten als deren Art. Hier in Düsseldorf hatte man anhand der vielen, bislang unbekannten Ausstellungsstücke aus dem persönlichen Besitz Elvis Presleys die einmalige Gelegenheit, mehr als nur einen Blick hinter die Fassade des Superstars auf die Privatperson zu werfen.

Foto: Elvis Presley war kein großer Briefeschreiber, dennoch sind mehr handschriftliche Briefe von ihm erhalten als gerne kolportiert wird. Die Sammlung Hentschel, Schröer, Knorr besitzt alleine 12 davon. Dies ist ein Brief vom 14.11.1958 an Freunde zuhause, indem es u.a. heißt: „Well I don’t even know what made me decide to write a letter but I guess I’m so homesick and lonely.“

Elvis Presley ganz privat

Neben privater Kleidung und Bühnenausstattung, Filmgarderobe und natürlich Musikinstrumenten finden sich handschriftliche Briefe, Bücher mit persönlichen Anmerkungen, eine Familienbibel der Presleys von 1870, gern gehörte Schallplatten sowie persönliche Einrichtungsgegenstände unter den Exponaten der Düsseldorfer Elvis-Ausstellung. So wird der Superstar als Person erfahrbar – Menschlichkeit, Humor und Bodenständigkeit inklusive.

Fotos (v.o.n.u.): Schuljahrbücher Elvis Presleys von der Humes High School in Memphis, an der er 1953 seinen Abschluss machte; rechts inmitten von frühen Merchandising-Produkten – interessant hier der Button ‚I Hate Elvis‘ – ein Taschenbuch mit Cartoons von George Price, ein Geschenk mit liebevoller Widmung von Vater Vernon Presley an seinen Sohn zum 12. Geburtstag, datiert 8.1.1947.
 

Fotos v.o.n.u.: Anzugjacke, die Elvis Presley in den 1950ern häufiger trug; Verkaufsunterlagen der SUN Records Buchhaltung mit Auflistung aller Elvis-Singles sowie Lieferungen an Händler v. 1955, vermerkt ist zudem die Vertragsablösesumme an RCA in Höhe von USD 35.000 plus weiterer 5.000 für Elvis; handschriftliche Songliste für einen Live-Auftritt von Elvis‘ Gitarrist Scotty Moore.

 

Fotos (v.o.n.u.): Elvis liebte Cartoons und ist hier selbst kreativ geworden. Die Zeichnung illustriert, was passiert, nachdem man einen Vertrag mit der Radio Corporation of America, der Plattenfirma von Elvis, unterzeichnet hat – man verwandelt sich nämlich vom Mann in den Hund Nipper, Nipper war das Logo v. RCA; in der Mitte eine der Lieblingsgitarren von Elvis, eine ISANA, die er Ende 1958 in Deutschland im Frankfurter Musikhaus Hummel erstand; rechts eine Seite aus seinem persönlichen Terminkalender v. 1959.
 

G.I. Elvis Presley in Deutschland

Schwerpunkt der Ausstellung in Düsseldorf war Elvis Presleys Stationierung als G.I. in Deutschland vom Oktober 1958 bis Anfang März 1960, als der King in der 3. US-Panzerdivision in Friedbergals regulärer Soldat seinen Dienst tat und im altehrwürdigen Kurort Bad Nauheim wohnte.

Fotos (v.o.n.u.): Elvis war ein Ordentlicher, was seine private Plattensammlung anging. Alles wurde schön säuberlich beschriftet und kommentiert, manchmal allerdings auch mit Anmerkungen wie „shit“. Hier sind Singles u.a. von Chuck Berry, Buddy Holly und Bill Haley gelistet.
 

 
Fotos (v.o.n.u.): Handschriftlicher Brief Elvis Presleys an Otto Schmidt, Hotelier des Grunewald in Bad Nauheim, wo Elvis mit seinen Verwandten und Freunden wohnte bevor er in der Goethestraße 14 ein Haus mietete. Der Brief ist vom 3.8. 1960, d.h. nach seiner Rückkehr in die USA, und Elvis erzählt vom Abschluss der Dreharbeiten zu G.I. Blues (Café Europa) und vom Spaß, den er mit den Sängern seiner Backgroundgruppe The Jordanaires beim Singen des deutschen Textes von Wooden Heart hatte; rechts daneben eine Tasche für Elvis Presleys Fahrzeugpapiere von 1959.
 

 

Fotos (v.o.n.u.): Arabischer Kaftan, ein Geschenk des 13. Sohns von König Ibn Saud aus Saudi-Arabien, der Elvis 1959 anlässlich eines Kuraufenthaltes in Bad Nauheim einen Besuch abstattete. Als Scheich verkleidet (siehe kleines Foto links) soll Elvis dann zusammen mit Vater Vernon im Februar 1960 unerkannt die Mainzer Fassnacht unsicher gemacht haben. Ob das stimmt? Eine schöne Geschichte ist es auf jeden Fall. Foto rechts: Teile von Elvis‘ Armeeausrüstung.
 

Von Deutschland über Hollywood nach Las Vegas

Neben den Exponaten aus der Militärzeit in Deutschland waren weitere Vitrinen mit Ausstellungsstücken aus den Film- und Konzertjahren der 1960er bzw. 1970er zu sehen.

Fotos (v.o.n.u.): Einer der Lieblingsautoren Elvis Presleys war der libanesisch-amerikanische Philosoph Kahlil Gibran, dessen Hauptwerk ‚The Prophet‘ ist. Hier abgebildet ist eine Ausgabe von ‚A Tear And A Smile‘, die Elvis seinem Leibwächter Sam Thompson schenkte. Rechts daneben eine Seite aus dem Innenteil mit Unterstreichungen und Anmerkungen, wie sie sich vielfach in Büchern Elvis Presleys finden.
 

Fotos (v.o.n.u.): Elvis Presley litt an Grünem Star, weshalb er in den 1970ern meist mit Sonnenbrille (hier ein Modell von 1972) unterwegs war. Laut Sammler Oskar Hentschel besorgte er sich gerne preiswerte Brillengestelle an der Tankstelle, um dann die Kunststoffgläser von seinem Optiker durch Präzisionsgläsern höchster Güte austauschen zu lassen. Und natürlich wurden auch seine Initalen noch eingearbeitet – Brillentuning Elvis-Style! Rechts eine Auswahl von Schmuckstücken, die Schmuckliebhaber Elvis Presley in den 1970ern trug.
 

Fazit: Mein Besuch dieser liebevoll zusammengestellten Ausstellung hat sich auf jeden Fall (nicht nur für ausgewiesene Elvis-Fans) gelohnt und ließ sich außerdem wunderbar mit einem Bummel durch die Düsseldorfer Altstadt verbinden ;-). Wer wie ich die Gelegenheit einer persönlichen Führung von einem der drei Elvis-Aficionados Hentschel, Schröer und Knorr durch die Ausstellung hatte, erfuhr außerdem eine Menge kurzweilige Elvis-Anekdoten, die es so kaum irgendwo zu lesen oder hören gibt.

So bleibt zu hoffen, dass die Elvis-Ausstellung bald eine neue feste Heimat findet. Ich drücke fest die Daumen. Teile der Sammlung werden immer wieder als Leihgaben in anderen Museen oder auf Wanderausstellungen gezeigt.

8 Antworten

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  1. […] schon viel früher in Logoentwürfen mit der Symbolik des Blitzes gearbeitet, wie Torsten Meck vom Elvis Museum in Düsseldorf festgestellt hat. So gibt es in der Sammlung der Elvis-Aficionados Andreas Schröer, Oskar […]

  2. […] einer Kombi-Veranstaltung, die von den Machern der sehenswerten Elvis Presley-Ausstellung  (→ Elvis lebt in Düsseldorf) organisiert wird. King Creole wird im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Michael Curtiz […]

  3. […] Oktober 1958 bis Anfang März 1960 war Deutschland das Zuhause von G.I. Elvis Presley (→ Elvis lebt in Düsseldorf + Elvis Presley gut getarnt in der Oberpfalz) und Bad Nauheim sozusagen sein „Memphis East“. Der […]

  4. […] Gruß Elvis Presleys an den Nabburger Volksboten, den Oskar Hentschel, der in Düsseldorf ein Elvis-Museum betreibt, schlicht für eine Fälschung hält (→ Elvis Presley grüßt die Oberpfälzer – […]

  5. […] Hentschel, der seit Ende 2011 in Düsseldorfer Altstadt mit Michael Knorr und Andres Schröer ein Elvis-Museum betreibt, hat sich jetzt zu Wort gemeldet – er ist sich sicher, dass es sich bei dem im […]

  6. […] Presley und dem Superstar der 1950er und 1960er Jahre, hierbei allerdings nicht – wie beim Elvis-Museum in der Düsseldorfer Altstadt – auf der Präsentation von Gegenständen aus dem persönlichem Besitz des Memphis Flash, […]

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