Elvis in der Werbung – der King rockt die Musikindustrie!

Mit Elvis Presleys Image wird heute sehr gerne in TV-Werbespots und Printanzeigen geworben. Besonders Autohersteller wie BMW und Audi nutzen Elvis’ gelebte Auto Emoción ausgiebig für die eigene Marke. Letzteres manchmal mit ungeahnten Folgen – das hat der Hype um den Wackel-Elvis aus dem Audi-TV-Spot The Fan von 2001 eindrucksvoll bewiesen. Aber hat Elvis eigentlich zu Lebzeiten je Werbung für ein anderes Produkt als ELVIS gemacht?

Mein Freund Werner – immer noch kein Elvis-Fan– ist sich da sicher: wenn überhaupt, dann nur für was Essbares. Hätte mich auch gewundert, wenn Werner mal ein Klischee ausgelassen hätte ;-). Aber diesmal hat er zumindest nicht ganz unrecht.

Und zwar hat Elvis während seines Engagements bei der bekannten Country-Musikshow Louisiana Hayride (→ Elvis Louisiana Hayride 8. Januar 1955, → Elvis unbekannte Hayride-Aufnahme entdeckt) einen Radio-Werbespot für die Bäckerei Southern Maid Donuts und ihr gleichnamiges Produkt gesprochen. Mit Donuts sind diese ultrasüßen Teilchen mit Loch in der Mitte gemeint, die man auch bei uns zu kaufen bekommt. Sind sehr lecker, gehen aber sofort auf die Hüften, gnadenlos!

Dieser kurze Radio-Spot für Southern Maid Donuts, wofür sich übrigens auch andere bekannte Künstler wie Johnny Cash zur Verfügung gestellt haben, galt jedenfalls lange als die einzige Produktwerbung Elvis Presleys. Er wurde während der Radioübertragung der Louisiana Hayride-Show am 6. November 1954 gesendet:

„You can get them piping hot after 4 P.M., you can get them piping hot, Southern Maid Donuts hits the spot, you can get them piping hot after 4 P.M.“

Elvis rockt Victrola

Aber der gute Elvis ist letztendlich doch kein Einzeltäter in Sachen Werbung geblieben (→ siehe Kleider machen Leute – Elvis Presley und Bernard Lansky). 2 Jahre nach seinem Donut-Erstling hat er nämlich ausgiebig Produktwerbung für die Radio Corporation of America (RCA) gemacht, bei deren Plattenlabel RCA Records er seit Ende 1955 unter Vertrag war. Im Billboard Magazin vom 17. November 1956 erschien nämlich diese, an Musikhändler gerichtete Anzeige für einen tragbaren Plattenspieler, den Victrola von RCA.

Anzeige Victrola im Billboard-Magazin v. 17.11.1956

Den Victrola gab es in – wie in der Anzeige zu sehen ist – in zwei Ausführungen, beide leicht, tragbar und mit garantiertem „Goldkehlchen“-Sound. Aber der beste Tipp an die Musikhändler findet sich im kompletten oberen Teil der Anzeige, die nämlich nicht dem eigentlichen Produkt, dem Plattenspieler, sondern Elvis in Großaufnahme und das in gleich 3-facher Ausführung gewidmet ist. Neben bzw. unter Elvis machen sich die Abbildungen der beiden Victrola-Varianten fast mickrig aus.

Auch der Werbeslogan stellt nicht den Victrola in den Vordergrund, denn der Elvis Presley-Schriftzug ist deutlich größer als der für den Plattenspieler. Elvis ist hier eindeutig das Zugpferd, so viel ist mal klar. Schließlich gibt die Anzeige ganz unmissverständlich den Tipp an alle Musikhändler, ihren Kunden ein Elvis-Album gratis mitzugeben, wenn sie sich für einen der Elvis-Victrolas entscheiden.

Die Schutzhüllen der Plattenspieler waren zusätzlich mit einem Elvis-Autogramm signiert. Na dann… Wahrscheinlich haben sich die Victrolas verkauft wie warme Semmeln (ähem Donuts), wenn man Elvis’ gigantische Plattenverkäufe dieser Zeit trotz Gratisaktionen dieser Art bedenkt. Das Weihnachtsgeschäft 1956 dürfte auch nicht geschadet haben.

Damit man die frohe Botschaft vom Elvis-Victrola auch hören konnte, hat der Memphis Flash gleich noch 2 Radio-Spots für RCA mit einer Werbebotschaft an seine Fans eingespielt, die bis zur Veröffentlichung des Box-Sets Young Man With The Big Beat (2011) wohl nur echten  Insidern bekannt waren.

Ihr könnt beide Radio-Werbespots vom 26. Oktober 1956 auf der sehr informativen Website von Keith Flynn anhören (Audios sind etwas versteckt, man muss unter dem Datum 26.10.1956 mit dem Cursor über die Quellenangaben in der rechten Spalte fahren, dann taucht jeweils der Link zum Spot auf). Wirklich cool!

Mit Elvis stirbt die Musik nie

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf Elvis Presleys beeindruckende Karriere als solche ist es natürlich wenig überraschend, dass die Musikindustrie auch heute noch gerne mit dem King wirbt. Hier nun ein paar Beispiele jüngeren Datums, die Elvis Presleys Image kreativ einsetzen:

Anzeige für den Samsung MP3-Player

Die Anzeige der Agentur Cheil Worldwide in Südkorea bewirbt einen Samsung MP3-Player, aber auch wieder so, dass nicht direkt das Produkt, sondern sein Nutzen im Vordergrund steht. Keine technischen Details, sondern das Hören der Lieblingsmusik wird mit wenigen optischen Akzenten – Koteletten des Hörers, Jumpsuit-Elvis, der direkt ins Ohr singt – transportiert.

Sony Kopfhörer Kampagne Korea 2012

Anzeigenkampagne für SONY-Kopfhörer

Ziemlich dicht angelehnt an die Kreation von Cheil Worldwide für Panasonic ist das 2012 entwickelte Motiv Hello, Elvis der Agentur Welcomm Publicis Wordwide für die Kopfhörersparte des Konzerns Sony, der heute auch das musikalische Zuhause von Elvis Presley ist. Beworben wird die besondere Soundqualität von Sonys XBA-Kopfhörern auf dem asiatischen Markt, wiederum mit minimalistischen Mitteln: der Kopfhörer trägt schlicht Elvis unverkennbare Frisur. Die Anzeigenkampagne umfasst übrigens auch ein Motiv Mozart.

Anzeige für Panasonic MINI System

Diese Anzeige, bei der Elvis auf einem Wattestäbchen gelehnt rockt, ist eine Kreation der brasilianischen Agentur Fischer America Comunicacao Total für das Panasonic MINI System. Ist wohl nicht weiter erklärungsbedürftig.

Panasonic-Kampagne: Music should never stop

Nochmal Panasonic gibt’s in dieser Anzeige, die im Rahmen einer Kampagne von Fischer America in Brasilien entwickelt wurde. Dieses Anzeigenmotiv „Musik sollte niemals stoppen“ mit einem Elvis, der von einem Schlagloch aufgehalten wird während ein Auto davonfährt, bewirbt ein Autoradio von Panasonic mit sogenanntem „Anti-Skip-System“. Hier wird also ungestörter Hörgenuss garantiert, egal auf welchen holprigen Wegen man gerade unterwegs ist.

Anzeigenkampagne „The True Fathers Of Music“

Diese Anzeige der Kampagne „Die wahren Väter der Musik“ mit Johann Sebastian Bach, der Baby Elvis auf dem Arm hält, besticht gleichermaßen durch attraktives Layout und hintersinnige Werbeaussage. Konzipiert wurde sie von der Agentur La Facultad aus Ecuador für die alteingesessene peruanische Tageszeitung El Comercio (Der Handel). Fragt sich jetzt nur noch, was El Comercio mit Musik zu tun hat. Ganz einfach: Beworben wird eine wöchentliche CD-Beilage inkl. Booklet. Die CD beinhaltet Stücke von Bach, Beethoven, Haydn, Mozart und Chopin, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra.

Die Werbekampagne richtet sich an den Teil der Leserschaft, die in den 1960er bis 1980ern im Teenageralter war und mit „Klassikern“ wie Elvis Presley aufgewachsen ist. Sie will man für klassische Musik begeistern.

Fazit: Elvis scheint lebendiger denn je. Sein Image inspiriert Kreative weltweit zu immer neuen Ideen, um die Produkte ihrer Kunden in Szene zu setzen. Das ist sicher nicht von heute auf morgen passiert – es ist ein langer Weg von Southern Maid Donuts auf den Arm von Johann Sebastian Bach.

Elvis steht für Innovation und ist dennoch ein Klassiker. Nimmt man die Werbeaussagen aus der Automobilwerbung hinzu, dann sind Emotion, Humor und Spaß weitere wichtige Eckpfeiler seines Werbeimages. Aber das ist längst noch nicht alles – der King hat noch mehr zu bieten.

9 Antworten
  1. patricia
    patricia says:

    Hallo Martin,

    ja, ich habe noch weitere Informationen zu Elvis in der Werbung. Ich mache auf jeden Fall noch einen Blogbeitrag zu Elvis in der Konsumgüterwerbung und noch nicht umgesetzte Werbeideen.

    Das wird aber nicht gleich der nächste Beitrag werden, sonst wird es hier thematisch zu einseitig. Aber in den nächsten 4 Wochen kommt die Fortsetzung sicher ;-).

    Gruß
    patricia

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