Elvis im Kino – Interview mit Björn Eckerl

Björn Eckerl, Jahrgang 1976, studierte in Frankfurt und Bologna Filmwissenschaft, Germanistik und Politologie. Er ist Gesellschafter der Frankfurter Design- und Werbeagentur VIER FÜR TEXAS und hat Ende 2011 im Stroemfeld Verlag sein erstes Buch Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können veröffentlicht. The Memphis Flash hat Björn Eckerl interviewt.

The Memphis Flash: Herr Eckerl, warum Elvis? Was hat Sie dazu bewogen, ausgerechnet ein Buch über Elvis Presley zu schreiben?

Björn Eckerl: Ich habe ja Filmwissenschaften studiert, dann aber während meines Studiums mit Freunden die Design- und Werbeagentur VIER FÜR TEXAS gegründet. Da war es erstmal nichts mit der Magisterarbeit. Mit fünf Jahren Verzögerung hab ich dann parallel zum Job einen neuen Anlauf genommen. Dazu passte Elvis sehr gut – ich wollte kein zu abstraktes Thema, sondern eins mit Fleisch sozusagen, etwas, das mich auch sinnlich beschäftigt.

Gerade weil ich mittlerweile etwas Abstand zur akademischen Arbeit gefunden hatte, fand ich es interessant, die Perspektive des Fans fruchtbar zu machen. Das wird ja normal eher wie im Labor betrieben: Ah, schau mal diese Fans, wie lässt sich dieser kopflose Haufen denn psychologisch analysieren? Ich fand es interessant, das eigene Fan-Sein ganz persönlich zum Gegenstand zu nehmen, gerne auch wissenschaftlich, aber eben anders als Adorno und Horkheimer, die uns alle zu Marionetten der Kulturindustrie machen.

The Memphis Flash: Waren Sie denn zu diesem Zeitpunkt schon ein Elvis-Fan?

Björn Eckerl: Zuerst einmal nicht. Obwohl ich ziemlich musikbegeistert bin, gehörte Elvis bislang zu diesen Stars, bei denen es mir schwerfiel, wirklich zuzuhören, weil sie eben diese immense Strahlkraft haben, die alles andere zudeckt. Elvis ist der Inbegriff des Stars überhaupt und das war es auch in erster Linie, was mich zunächst ganz distanziert wissenschaftlich interessiert hat.

Dass sich dieser Blick verändert hat, begann mit einer Szene aus G.I. Blues, die dann auch zum Auslöser für mein Buch wurde: Hier sehen wir Elvis im Kasperletheater, wie er nicht die Puppen spielt, sondern mit ihnen; wie er sich selbst zur Puppe macht und das dem Publikum ganz offensiv zeigt. Er bietet sich als Projektionsfläche an und scheint zu sagen: „Ich kann für Dich alles sein und alles bedeuten“. Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen; irgendwann stellte ich dann rückblickend fest, dass ich längst zum Fan geworden war.

 

The Memphis Flash: So gut wie immer, wenn von Elvis Presleys Filmkarriere, von Elvis dem Schauspieler die Rede ist, dann sind sich Biografen, Fans und Kritiker überraschend einig: die Filme markieren den künstlerischen Tiefpunkt einer ansonsten fast makellosen Karriere. Wie erklären Sie sich diese Haltung und inwieweit ist sie berechtigt?

Björn Eckerl: Den Filmen scheint etwas Verbotenes anzuhängen, sie haben was von Guilty Pleasures. Tatsächlich sind sie ja auch ganz schön albern, das hat fast schon etwas Surreales. Aber irgendwie scheint es fast schick, sich über sie lustig zu machen. Wie sähe es denn aus, so etwas offen gut zu finden? Viele sehen in diesen Filmen die Nötigung der Überfigur Elvis, sich zu demütigen, sich unter Wert zu verkaufen, in Situationen zu agieren, die ihrer unwürdig sind. Deswegen wird von Fans, Biografen und Kritikern gerne eine Mythologie als Ausweg konstruiert, die eine Erklärung für Elvis‘ Bereitschaft liefert, das mit sich machen zu lassen.

The Memphis Flash: Hier spielen Sie auf die kanonisierte Rolle von Elvis’ Manager, Colonel Tom Parker, an?

Björn Eckerl: Ja, hier kommt Colonel Parker sehr gelegen, diese schon mythisch diabolisierte Figur und Sinnbild für die Kasernierung, die Unterdrückung des Künstlers. Parker verkörpert den rationalen Gegenpol zu Elvis‘ Sinnlichkeit. Er ist als der gewiefte, unnachgiebige Geschäftsmann etabliert, der wie kaum ein anderer Elvis‘ Genie kastriert und domestiziert hat. So zum Beispiel Klaus Theweleit in seinem Buch der Könige: Er sieht in Parker „das einzige mächtige Handicap in Elvis Leben […], ein Grundmangel, der ihn hindert, frei zu wachsen und zu wuchern“. Wie immer es tatsächlich gewesen ist, liefert diese Konstellation eine gerne angenommene Erklärung für den Verlauf der Filmkarriere. So richtet sich die Kritik nicht gegen Elvis und seine Bereitschaft, diese Art von Filmen zu machen, sondern sein Management.

The Memphis Flash: Was sagen Sie denn zu der Kritik, Elvis Presley sei ein schlechter Filmschauspieler gewesen?

Björn Eckerl: Diese Kritik gründet auf dem gängigen Kunstverständnis, demzufolge ein richtiger Filmschauspieler nur sein kann, wer die Kontrolle über seine Rolle hat, diese über Monate intensiv einstudiert und sich, wie z. B. ein Robert de Niro, auch körperlich darauf zurichtet. Das trifft auf Elvis Presley natürlich gar nicht zu, der in seinen Filmen immer klar erkennbar Elvis ist, jeden Unsinn mitmacht und einen Film nach dem anderen nach mehr oder weniger gleichem Rezept produziert.

Die klassische Kritik sieht ihn als fremdgesteuert – tatsächlich sind Filmschauspieler aber immer fremdgesteuert – vom Studio, vom Drehbuch, vom Regisseur. Sie sind immer mehr Re-Akteure als Akteure, spielen aber so, als wären sie in Kontrolle. Ironischerweise gerade Elvis nicht, der bis auf wenige Ausnahmen nicht mal so tut als ob. Elvis ist immer Elvis der Star und damit unseren Wünschen als Publikum zu Diensten – er tritt in seinen Rollen lediglich in unterschiedlichen Verkleidungen auf. Die Maske ergänzt den uns bekannten Star nur um ein Accessoire, das den Schaulustgewinn erhöht.

The Memphis Flash: Bei aller Kritik an Elvis‘ Kinofilmen werden ihnen heute ganze Thementage auf TV-Sendern wie ARTE und Turner Classic Movies gewidmet. Warum und wie „funktionieren“ diese Filme letztendlich doch und welche Rolle spielen sie Ihrer Meinung nach für den anhaltenden Erfolg des Phänomens Elvis Presley?

Björn Eckerl: Sie funktionieren wegen Elvis, ganz einfach. Er ist es, der die Filme bis heute interessant macht. Wie vor 50 Jahren werden sie angeschaut, weil Elvis mitspielt und man ihn, den Star, sehen will. Elvis ist, von den Kulissen abgesehen, die einzige Attraktion seiner Filme, und zwar nicht als Schauspieler im klassisch dramatischen Sinne, sondern als Film- und Popstar, als sich zur Schau stellender Körper und als Stimme natürlich.

Die Faszination von Elvis – gerade in seinen Filmen – liegt in einer Art doppelten Bewegung. Er ist immer Verführer und Verführter zugleich, er erobert und wird gleichzeitig von seinem Publikum und der Rolle erobert. Auch die Lust am Peinlichen spielt eine Rolle. Das ist ein bisschen, wie wenn wir „Bauer sucht Frau“ ansehen. Der Protagonist erniedrigt sich, das Publikum verzeiht und schaut lustvoll immer wieder hin. Wer hier wen verführt, erobert, unterwirft ist nie ganz klar – und darin liegt der Reiz.

The Memphis Flash: Kann man also sagen, dass diese Art von Filmen – gerade weil sie so sind, wie sie sind – seinen Status als Superstar sogar noch erhöhen?

Björn Eckerl: Ganz bestimmt. Die Filme holen den Star aus dem Olymp, damit er nachher umso glanzvoller scheinen kann. Anders gesagt: die Filme verlieren, aber das ist egal, weil Elvis gewinnt.

The Memphis Flash: Auf 3 der 31 Kinofilme, in denen Elvis Presley zwischen 1956 und 1969 gespielt hat, gehen Sie in Ihrem Buch detailliert ein. Das sind Love Me Tender, G.I. Blues und Blue Hawaii. Warum gerade diese drei?

Björn Eckerl: Love Me Tender war mir als Elvis’ erster Film besonders wichtig. Elvis’ erster Auftritt auf der großen Leinwand findet erst nach über 20 Minuten statt. Wir sehen Elvis zuerst im Hintergrund der Szene, er wird als Hinzugekommener eingeführt und bleibt das über den ganzen Film. Er wird als weicher, femininer Mann gezeigt, ist mehr Kind als Ehemann und gerade damit attraktiv für sein Publikum.

Für mein Gefühl zeigt Love Me Tender Elvis auch als Fan des Kinos, als den Zuschauer, der glauben möchte gegen alle Tatsachen. Damit zeigt sich schon im ersten Film sein Programm als Schauspieler und Star: Selber auch Fan zu sein und anzunehmen, was ihm gegeben wird – jedes Drehbuch und jede Fantasie aus dem Zuschauerraum.

The Memphis Flash: Was ist das Besondere an G.I. Blues?

Björn Eckerl: Von der für mich entscheidenden Szene hatte ich ja schon gesprochen. G.I. Blues zeigt Elvis für mich ganz stark in Kulissen, umgegeben von Stereotypen, wie sie die Armee und der Aufenthalt in Deutschland nun mal anbieten. Es ist toll zu sehen, wie Elvis diese Klischees durch seine physische Präsenz immer wieder durcheinanderbringt.

The Memphis Flash: Blue Hawaii – der ultimative Elvis-Film?

Björn Eckerl: Irgendwie schon – mit Blue Hawaii wurde der Elvis-Film zumindest endgültig zum Genre. Er ist der erfolgreichste, träumerischste, bildmächtigste seiner Filme und scheint die Formel zu enthalten für die Filme, die danach reihenweise und mit anhaltendem Erfolg produziert werden sollten. Interessant auch hier wieder: Der Film macht keinen Hehl aus seinem Konzept, er geht damit ganz offen um und lädt uns ein, einfach mitzumachen.

The Memphis Flash:  Elvis selbst hat in einem Interview mit den Dokumentarfilmern Robert Abel und Pierre Adidge für die Konzertdokumentation Elvis On Tour 1972 seiner Frustration über die Formelhaftigkeit seiner Kinofilme offen Ausdruck verliehen.

Audio: Elvis Presley spricht über seine Filmkarriere mit den Dokumentarfilmern Robert Abel und Pierre Adidge

Elvis übernimmt hier selbst die Verantwortung für seine Filmkarriere und kommt zu dem Schluss, dass niemand in Hollywood habe ihm bewusst schaden wollen, aber er hätte sich mehr an Herausforderung gewünscht als das Image, dass man von ihm hatte bzw. vermitteln wollte. Wie bewerten Sie seine Sichtweise?

Björn Eckerl: Dieser Frust ist natürlich absolut nachvollziehbar. Es ist ja kaum vorstellbar, was es – physisch wie psychisch – bedeutet haben muss, diesen Job zu machen, die Projektionsfläche zu sein für so viele, zum Teil ganz widersprüchliche Wünsche und Träume. Im Rückblick ist es fast verwunderlich, dass Elvis – wenn man das Ausmaß seines Startums bedenkt – überhaupt so lange durchhalten konnte.

Bei aller scheinbaren Abgeschmacktheit in den Filmen muss man, denke ich, noch einmal festhalten: Das Elvis-Image ist ja nie bloß ein Image, sondern unendlich viele Images. Dass Elvis nur zu gerne auch mal eine klar konturierte Rolle als traditioneller Schauspieler spielen wollte, ist völlig nachvollziehbar, per Definition seiner Elvisheit – die larger than life und auch larger than fiction ist – ist das aber letztendlich unmöglich.

The Memphis Flash: Elvis war ja selbst ein ganz großer Kinofan. Er hat sich regelmäßig in Memphis nach Schluss der regulären Vorstellung das ganze Kino angemietet, um dann mit Freunden in Ruhe Filme seiner Wahl anzuschauen. Einer seiner absoluten Lieblingsfilme war Stanley Kubricks Politsatire Dr. Strangelove (Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben), einer seiner Lieblingsschauspieler Peter Sellers. Von Rollen dieser Art war er während seiner eigenen Filmkarriere weit entfernt, dennoch hat er seinen Traum von einer Filmrolle, in der er sich als Schauspieler hätte beweisen können, nie ganz aufgegeben.

Wenn Sie als Filmwissenschaftler und Kreativer, der ein Buch über Elvis im Kino geschrieben hat, die Möglichkeit gehabt hätten, Elvis nach 1969 eine Filmrolle bzw. ein Drehbuch auf den Leib zu schreiben, wie hätte das ausgesehen? Hätten Sie ihm überhaupt zu einer Fortsetzung seiner Filmkarriere in diese Richtung geraten?

Björn Eckerl: Wie gesagt: Elvis eine andere Rolle zu geben als die von Elvis selbst, halte ich für unmöglich. Elvis sprengt jedes Genre; noch ein Science Fiction mit Elvis ist zwingend ein Elvis-Film. Der Grund dafür ist einmal mehr das Publikum: Wir erkennen Elvis als unseren Star und es gibt nichts, was er dagegen tun könnte. So gesehen war es vielleicht auch irgendwann egal, ob er diese Karriere so fortsetzt oder nicht. Die Bilder von ihm haben sich, ob Elvis tot ist oder lebendig, in unseren Köpfen verselbstständigt und werden es auch bleiben, oder?

The Memphis Flash: Ganz sicher. Auf den Punkt gebracht: Was können wir konkret von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen?

Björn Eckerl: Dass Elvis nur dieser Star sein kann, weil er sich seinem Publikum mit allem, was er hat, zur Verfügung stellt. Und dass Kino am besten in unseren Köpfen funktioniert, mit Filmen, die Raum lassen für unsere Projektionen.

The Memphis Flash: Verraten Sie uns zum Schluss noch, was Ihr Lieblingsfilm mit Elvis und Ihr Lieblingsfilmsong ist?

Björn Eckerl: Für den Lieblingssong muss ich nicht lange nachdenken: Da nehme ich Crawfish aus der Eingangsszene von King Creole. Beim Film wird es schwieriger: Aber wenn ich an diese Szene denke, an Elvis im weißen T-Shirt und wie er dieses Duett singt, an diese Straße in New Orleans nach einem Regen am Morgen – dann bekomme ich auch Lust, den Film wieder zu sehen. Also: King Creole.

The Memphis Flash: Vielen Dank für das wirklich sehr interessante Gespräch!

Björn Eckerl: Elvis im Kino (2011)

Björn Eckerl: Elvis im Kino: Was wir von Elvis-Filmen über Elvis und das Kino lernen können.

Broschiert, 22,7 x 14,9 x 1,8 cm, 185 Seiten
Verlag Stroemfeld, 2011
ISBN-13: 978-3861091905

14 Antworten
  1. Linda JnB
    Linda JnB says:

    Vorab erst mal danke für das interessante Interview mit B. Eckerl.
    Durch dieses Interview wird auch klarer, warum B. Eckerl das Buch geschrieben hat.
    Ich kann es nur zu gut nachvollziehen, daß er sich durch das Buch von all den Genren
    anderer Autoren unterscheiden wollte und will. Interessant finde ich auch, daß er zuerst kein Fan von Elvis war, aber eben durch seine Arbeit dazu wurde – was eigentlich sehr oft mit Personen passiert, die nicht in die Kategorie “ Elvis-Fan“ fallen oder sich aus verschiedenen Gründen mit Elvis Presley auseinander setzen.
    Seine Analyse, warum Fans aber auch Kritiker die Filme so oft schlecht reden, finde ich ebenfalls sehr treffend. Aber wie sonst hätte auch ein Mythos rund um Elvis, den Superstar, aufgebaut werden können, der – wie ja man immer sieht bzw. liest – sich bis heute am Leben erhalten hat. Wie Eckerl sagt, ist es anscheinend „chic“, die Filme als schlecht abzutun. Aber viele Fans übersehen , daß die Handlungsweise, abgesehen, von der Rolle „Elvis als Elvis“, auch dem Unterhaltungsanspruch des Publikums der damaligen Zeit entsprach. Leider wird zumeist das nachgeplappert, wa so einige selbsternannte „Experten“ darüber sagen.
    Auch in seiner Aussage über die „Haß-Figur“ Col. Parker liegt er richtig.Man kann nicht alles Negative in Elvis‘ Karriere Col. Parker in die Schuhe schieben. Bestimmt hat er auch Fehler u. Fehlentscheidungen getroffen und in den letzten Jahren von Elvis‘ Karriere war seine Art des Managements auch sicherlich nicht mehr zeitgerecht bzw. entsprach eventuell nicht mehr den Anforderungen im Show Bizz.
    In einem Punkt bin ich allerdings anderer Meinung. Elvis hatte sehr wohl das Zeug zum ernsthaften Schauspieler und dieses Talent wurde ihm ja oft von namhaften Regisseuren, u.a. auch von jenen, die mit ihm in Filmen zusammenarbeiteten, bescheinigt. Und ich denke nicht, daß so etwas nur gesagt wurde ohne es zu meinen.
    Die Entwicklung kann man eigentlich bis zu den ersten vier Filmen verfolgen. In „Love Me Tender“ überagiert er m. M. nach etwas in seiner Rolle, was aber durchaus verständlich ist. Aber in „King „Creole“ oder „Jailhouse Rock“ und „Wild in the Country“ kann man durchaus sein Potential als Schauspieler erkennen oder zumindest erahnen, bevor er sich auf – wie er selbst immer sagte – die „Travelodge“-Filme einließ. Elvis hatte künstlerisch gesehen, einen sehr hohen Anspruch an sich selbst, der auch in seiner musikalischen Arbeit ersichtlich wird und daher ist auch seine spätere Frustation über seine Filme nachvollziehbar. Sie genügten einfach nicht mehr seinen eigenen Anforderungen, die er an sich selbst stellte und seinem Wunsch nach Anerkennung als ernstzunehmender Schauspieler.

    Schade, daß Björn Eckerl in seinem Buch – stilistisch gesehen – eine etwas „hochge-
    stochene“ Ausdrucksweise benützt hat, da dadurch m. M. nach das Motiv seines Buches nicht so deutlich und ersichtlich wird wie hier in seinem Interview. Aber auch im Hinblick auf meine Kritik ist es für mich persönlich allemal ein interessantes Buch, aber für den allgemeinen Fan eventuell nicht.

    Antworten
  2. patricia
    patricia says:

    Linda, vielen Dank für Deinen detaillierten Kommentar. Freut mich, dass das Interview mit dem Autor den ein oder anderen Punkt, der im Buch selbst evtl. etwas zu abstrakt bleibt, geklärt hat.

    Ich hatte allerdings gar nicht den Eindruck, dass Björn Eckerl Elvis schauspielerisches Talent abspricht, wie das bei Dir angekommen zu sein scheint. Dass Elvis Presley schauspielerisches Talent hatte, ist ja gut dokumentiert, u.a. durch Aussagen von Regisseuren wie Michael Curtiz (siehe Zitat im Beitrag Elvis Presley – King Creole Frame by Frame), außerdem kann es jeder selbst vor allem in den frühen Filmen noch sehen, aber darum geht und ging es eben überhaupt nicht. Das Publikum liebte und liebt den Star, den wollte es sehen, nicht einen Schauspieler, der hinter seiner Rolle verschwindet – und entsprechend hat das Publikum an der Kinokasse abgestimmt. Letzteres ab einem bestimmten Punkt auch zur Frustration von Elvis selbst, der sich mehr künstlerische Herausforderung gewünscht hätte.

    Was Björn Eckerl wunderbar zeigt in seinem Buch, ist, warum die Diskussion um Elvis den Schauspieler sich permanent im Kreis dreht. Und genau deswegen ist es auch für Fans ein (evtl. manchmal schwieriges), aber sehr lesenswertes Buch, welches etablierte Sichtweisen herausfordert. Dass der Autor selbst auch ein Fan ist – in ganz positivem Sinne – daran hatte ich während des Interviews nie einen Zweifel.

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  3. Linda JnB
    Linda JnB says:

    Meine konträre Meinung bezüglich Elvis‘ Talent zu einem ernsthaften Schauspieler bezog sich auf B. Eckerls Aussage „Elvis eine andere Rolle zu geben als die von Elvis selbst, halte ich für unmöglich“. Da du das Inteview mit ihm persönlich gemacht hast, kannst du seine Aussagen auch anders interpretieren als ich, da ich nur seine Aussagen bewerten bzw. mir aus diesen meine Meinung bilden kann. Aber unabhänig davon kann sich ja jeder interessierte Fan/Kinogänger das Buch kaufen und sich selbst eine Meinung bilden. Und wie bereits gesagt: Lesenswert ist das Buch allemal. 😉

    Antworten
    • patricia
      patricia says:

      Linda, bitte entschuldige, dass ich hier insistiere, aber es geht hier nicht um eine Aussage Eckerls, die man so oder so interpretieren kann. Eckerl kommt für sich zu dem eindeutigen Schluss, dass es keinen Sinn macht, Elvis andere Rollen spielen zu lassen, weil das PUBLIKUM mit einer bestimmten Erwartunghaltung ins Kino geht, und zwar der Erwartungshaltung, Elvis den Star zu sehen.

      Das ist der Aspekt, der in der ganzen Diskussion um Elvis den Schauspieler i.d.R. nicht berücksichtigt wird: das Publikum. Ob Elvis Presley auch ein talentierter Schauspieler war oder nicht, darauf geht Eckerl gar nicht ein, d.h. es wird von ihm auch nicht verneint. Es spielt nur eben für Filme, in denen Mega(musik)stars eine Hauptrolle spielen (Eckerl nennt in seinem Buch noch andere Bsp.) nur eben keine große Rolle, sie bringen dazu nämlich schon zu viel mit, was der Kinogänger mit ihnen verbindet. Mit andere Worten: je größer der Star, desto unmöglicher ist es für ihn, hinter einer anderen Rolle als der eigenen zu verschwinden. Hier noch einmal die Aussage von Eckerl selbst aus dem Interview:

      „Wie gesagt: Elvis eine andere Rolle zu geben als die von Elvis selbst, halte ich für unmöglich. Elvis sprengt jedes Genre; noch ein Science Fiction mit Elvis ist zwingend ein Elvis-Film. Der Grund dafür ist einmal mehr das Publikum: Wir erkennen Elvis als unseren Star und es gibt nichts, was er dagegen tun könnte.“

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