Elvis Presley – Heartbreak Hotel

Heartbreak Hotel – Elvis Presleys 1. Monster-Hit aus dem Jahr 1956 – ist ein Meisterwerk in Sachen Minimalismus. Am ehesten ein Blues, wird die düstere, selbstmordlastige Atmosphäre des Songs in erster Linie durch den Gesang Elvis Presleys getragen. Es ist die Intensität der Stimme, in der sich trotzige Entschlossenheit mit Verletztlichkeit paart, die den Song definiert.

Heute gilt Heartbreak Hotel als absoluter Klassiker, 1956 jedoch waren längst nicht alle vom Potenzial des Songs und des damals noch sehr jungen, weitgehend unbekannten Interpreten Elvis Presley überzeugt.

 

Elvis Presley: Heartbreak Hotel 1956

1-13 Heartbreak Hotel

 

Heartbreak Hotel – I walk a lonely street

Heartbreak Hotel wurde von Mae Boren Axton und ihrem Partner Tommy Durden 1955 speziell für Elvis Presley geschrieben. Mae Axton arbeitete Mitte der 1950er unter anderem als Promoterin und lernte Elvis über dessen damaligen Manager Bob Neal kennen, als sie den Nachwuchsstar 1955 für eine Hank-Snow-Show in Florida buchte. Vom Talent des Memphis Flash überzeugt, den sie außerdem sehr sympathisch fand, versprach sie ihm einen Top-Hit, der ihm zum Durchbruch verhelfen sollte.

Die zündende Idee zu Heartbreak Hotel hatten Axton und Durden von einem Zeitungsartikel über einen Mann, der Selbstmord verübt und einen Abschiedsbrief mit nur einer einzigen verzweifelten Zeile, nämlich I walk a lonely street, hinterlassen hatte. Das traurige Schicksal des Unbekannten inspirierte die beiden so, dass sie Heartbreak Hotel in kaum mehr als 20 Minuten komponierten und den Discjockey Glenn Reeves gleich eine Demoversion für Elvis anfertigen ließen.

Elvis Presley war von Heartbreak Hotel offensichtlich sofort begeistert, denn er nahm den Song schon 1955 – noch bevor es eine Plattenaufnahme gab – in sein Live-Repertoire auf und äußerte, er sei sich sicher, dass dies sein erster großer Hit werden würde. Andere waren davon längst nicht so überzeugt, wie sich schnell herausstellen sollte…

Heartbreak Hotel – Top oder Flop?

Heartbreak Hotel gehörte zu den ersten Songs, die Elvis Presley nach Verkauf seines Vertrags durch Sam Phillips (Sun Records) an den Plattenriesen RCA Victor im RCA-eigenen Studio in Nashville aufnahm – und zwar am 10. Januar 1956, kaum 2 Tage nach seinem 21. Geburtstag.

Die Studioaufnahme, bei der Elvis von seinen Bandkollegen aus Sun-Tagen – Scotty Moore an der Gitarre, Bill Black am Bass, D.J. Fontana am Schlagzeug – begleitet wurde, war ziemlich schnell im Kasten. Allerdings klang sie – genau wie die restlichen Aufnahmen dieser Tage – anders als Elvis Sun-Aufnahmen, denen RCA unbedingt nacheifern wollte.

RCAs Artist & Repertoire-Chef Steve Sholes, der sich Ende 1955 sehr weit aus dem Fenster gelehnt hatte mit dem Kauf von Elvis Presleys Vertrag für die damals unerhört hohe Summe von $ 40.000, bekam kalte Füße und war sich zunehmend unsicher, ob er tatsächlich die richtige Entscheidung gefällt hatte. Am Ende war Elvis Presley nur ein musikalisches Strohfeuer wie so viele? Das düstere, weltverdrossene Heartbreak Hotel stand in so deutlichem Gegensatz zu dem lebhaften, unbändigen Image der Sun-Aufnahmen. Das fanden auch andere RCA-Verantwortliche, die ihre Skepsis Sholes gegenüber unverholen äußerten und sogar dazu rieten, Heartbreak Hotel gar nicht erst zu veröffentlichen.

Verunsichert und in die Defensive getrieben rief Sholes sogar Sam Phillips an, um sich Rat zu holen, wie er seine Künstler-Neuerwerbung am besten in den Griff bekommen könnte und um dem Veteranen aus Memphis Heartbreak Hotel vorzuspielen. Sam Phillips, der Elvis entdeckt hatte, mochte Heartbreak Hotel auch nicht besonders, gab Sholes aber den unschlagbaren Rat, einfach Geduld zu zeigen und Elvis machen zu lassen.

Außerdem war Phillips einverstanden, dass Elvis Presley – quasi als Rückversicherung, falls Heartbreak Hotel tatsächlich gigantisch floppen sollte – Blue Suede Shoes des neuen Sun-Stars Carl Perkins aufnehmen könne, vorausgesetzt die Elvis-Version würde vorerst nicht als Single erscheinen. Eine Single war schließlich die Voraussetzung, damit ein Song häufig im Radio und in der Jukebox gepielt wurde, ergo wirklich bekannt und damit verkauft werden konnte. Singles bestimmten damals den Musikmarkt, nicht Alben.

Elvis Presleys Begeisterung, eine eigene Version des Songs seines Kumpels Carl Perkins zu veröffentlichen, hielt sich ziemlich in Grenzen, zumal er nach wie vor fest an das Potenzial seines eigenen Songs Heartbreak Hotel glaubte. Er sollte Recht recht behalten. Heartbreak Hotel wurde trotz aller Zweifel am 27. Januar 1956 als A-Seite mit I Was The One auf der B-Seite als seine erste Single bei RCA veröffentlicht.

Die A-Seite Heartbreak Hotel konnte sich im März 1956 erstmals in Billboard Hot 100 platzieren, wo sie sich zunächst mit Carl Perkins Blue Suede Shoes ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, um sich dann endgültig Rang 1 sowohl der Hot 100 als auch der Country & Western-Charts zu sichern. Und auch in den Rhythm & Blues-Charts war sie in den Top 5 platziert.

Insgesamt blieb Heartbreak Hotel 27 Wochen in den Billboard-Charts gelistet und wurde die erste Goldene Schallplatte von Elvis Presley. Und auch im fernen Europa stellte sich schnell der Erfolg ein: In Englands NME-Charts erreichte Heartbreak Hotel Platz 2, in Deutschland Rang 12 und in Italien sogar Rang 1. Ein Mega-Erfolg, der sofort alle Zweifler verstummen ließ!

Heartbreak Hotel – The Elvis Experience

Der Erfolg von Heartbreak Hotel über die USA hinaus hatte weitreichende Folgen, denn sehr viele Musiker, die ihrerseits ab den 1960ern den Musikmarkt erobern sollten, waren von Elvis Presleys Heartbreak Hotel beeinflusst. Der Song, der über Radio Luxemburg die europäische Jugend erreichte, öffnete für so manchen künftigen Superstar die Tür zu einer völlig neuen musikalischen Welt. Zu den sehr erfolgreichen Musikern, die Heartbreak Hotel als einen Haupteinfluss benannt haben, gehören u.a. die Beatles, Elton John, Keith Richards von den Rollings Stones und Robert Plant von Led Zeppelin.

Heartbreak Hotel, so Paul McCartney in Ken Sharps Buchveröffentlichung Writing For The King (2006), hat für ihn besondere Bedeutung, weil es den Beginn seines Elvis-Erlebnises markiert:

„To hear Heartbreak Hotel […] was a magical moment, the beginning of an era. Listening to it that first time was the start of my Elvis experience […] Elvis is a truly great vocalist and you can hear why on this song. His phrasing, his use of echo, it’s all so beautiful. It’s the way he sings it too. It’s a perfect example of a singer being in command of the song. Musically it’s perfect too. The double-base and the walk-in-piano create this incredible haunting atmosphere. It’s so full of mystery, it never lost that to me. The echo is just stunning. When The Beatles were recording, we’d often ask George Martin for ‚the Elvis echo‘. I think we got it down perfectly on A Day In The Life. […] Whenever I listen to Fifties Elvis, I’m blown away every time […] I doubt very much if the Beatles would have happened if it was not for Elvis. God bless you Elvis. I still love him, particularly in his early period. He was very influential on me.“

„Heartbreak Hotel zu hören, war ein magischer Moment, der Beginn einer Ära. Dies zum ersten Mal zu hören, startete mein Elvis-Erlebnis… Elvis is ein wirklich großartiger Sänger und du kannst bei diesem Song hören, weshalb. Seine Phrasierung, der Einsatz von Hall, es ist wundervoll. Einfach auch die Art, wie er es singt. Es ist ein perfektes Beispiel für einen Sänger, der einen Song wirklich beherrscht. Musiktechnisch ist es ebenfalls perfekt. Bass und Piano erzeugen diese unglaublich gespenstische Atmosphäre. Es ist so voller Geheimnis und hat dies für mich nie verloren. Der Hall ist einfach atemberaubend. Wenn die Beatles aufnahmen, haben wir George Martin oft gebeten, uns diesen Elvis-Hall zu verschaffen. Ich denke, wir haben es wirklich sehr gut in A Day in the Life‚ realisiert… Immer wenn ich den Elvis der 50er höre, dann haut es mich einfach um. Ich habe wirklich Zweifel, ob es die Beatles gegeben hätte, wäre Elvis nicht gewesen. Gott segne Dich, Elvis. Ich mag ihn einfach, besonders in dieser ersten Phase seiner Karriere. Er hat mich sehr beeinflusst.“

 

 Heartbreak Hotel live – eine Zeitreise

Bis zu seinem Tod 1977 hat Elvis Presley Heartbreak Hotel immer wieder live in seinen Konzerten gesungen. 1995 wurde Heartbreak Hotel in die Grammy Hall of Fame aufgenommen, 2004 vom Rolling Stone Magazin auf Platz 45 der 500 größten Songs aller Zeiten gewählt.

Live im Fernsehen: Jimmy und Tommy Dorsey Stage Show, Anfang 1956

Live im Fernsehen: Milton Berle Show, 3. April 1956

Live in Las Vegas, August 1970

Zahlreiche Rock- und Pop-Künstler haben Heartbreak Hotel gecovert – und dennoch ist Heartbreak Hotel bis heute ein klassischer Elvis-Song durch und durch, von dem der Musikhistoriker Robert Matthew-Walker sagte, er sei in seiner Einfachheit so faszinierend, klassisch und zeitlos, dass man unweigerlich den Eindruck gewinnt, es hätte ihn immer schon gegeben.

7 Antworten

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  1. […] Chet Atkins erzählte Gordon, dass der neue Junge sich wahrscheinlich nicht lange würde halten können, aber es sei geplant, Gordon ohne die restlichen Jordanaires, dafür aber zusammen mit den ebenfalls erst kürzlich unter Vertrag genommenen Brock & Ben Speer als Backgroundsänger für Elvis einzusetzen. So kam es am 11. Januar 1956 tatsächlich zu einer ersten Zusammenarbeit zwischen Gordon Stoker und Elvis Presley, die auch gleich einen Klassiker hervorbrachte, nämlich die Single-B-Seite I Was The One,  die A-Seite war → Heartbreak Hotel: […]

  2. […] 24 That’s All Right 25 Tweedlee Dee 26 Elvis Presley wird von Mae Boren Axton, Co-Autorin von Heartbreak Hotel, […]

  3. […] das Originalalbum von 1956 enthielt – wie damals üblich – nicht die dazugehörige Hitsingle Heartbreak Hotel/I Was The One.  Wer sich das Album zulegen und nicht darauf verzichten möchte, der sollte eine […]

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