Elvis Presley rockt – 48 Hours To Memphis

Als Elvis Presley am 18. März 1974 unter Blitzlichtgewitter und donnerndem Applaus zu den Klängen von Also Sprach Zarathustra die Bühne des Coliseum in Richmond/Virginia betrat waren es noch genau 48 Stunden bis zu dem legendären Konzert in seiner Wahlheimatstadt, erstmals 1974 verewigt auf der LP Elvis Recorded Live On Stage In Memphis.

Lange ahnte kaum jemand, dass auch von dem kompletten Konzert in Richmond eine professionelle Multitrack-Aufnahme realisiert wurde, von der wiederum eine Kopie – versehen mit nicht mehr als dem unspektakulären Aufdruck „All Star Shows, Madison Tennessee“ – 1990 über Umwege in die Hände des Fans und Sammlers Robert Frieser kam.

Follow That Dream Records: 48 Hours To Memphis

Erst jetzt, über 20 Jahre später, hat Frieser diese Kopie des Mitschnitts  (das Original gilt weiterhin als verschollen) für die Veröffentlichung durch das Elvis Presley-Sammlerlabel Follow That Dream Records zur Verfügung gestellt, für das Ernst Jorgensen und Roger Semon seit 1999 mit vielen erstklassigen Elvis-Publikationen verantwortlich zeichnen. Zuvor kursierte das Konzert nur als Import unter dem Titel „Guaranteed To Blow Your Mind“.

Entsprechend hochwertig kommt diese CD-Veröffentlichung 48 Hours To Memphis des Sammlerlabels Follow That Dream daher, versehen mit derselben 3-teiligen, ausklappbaren Deluxe-Ausstattung wie Elvis Recorded Live On Stage In Memphis, vielen Farbfotos, die den King im Aqua Blue Vine-Jumpsuit in Aktion zeigen, verschiedenen Schnappschüssen am Flughafen und einem 16-seitigen Booklet mit Informationen rund um das Konzert in Richmond.

48 Hours To Memphis: das Konzert in Richmond vom 18.3.1974

Aber das Wichtigste ist das Konzert selbst, ein echter Hammer, in wirklich guter Soundqualität! Hier hat Toningenieur Vic Anesini sich wieder einmal ein kleines Denkmal gesetzt. Denn er schafft es, sowohl das Geschehen auf der Bühne als auch die Aufregung im Publikum zu transportieren, also das, worauf es bei einem Live-Konzert wirklich ankommt. Und das lohnt sich.

Der King selbst ist hörbar exzellenter Laune, verdammt gut bei Stimme und ausgelassener als bei dem  Konzert 2 Tage später in Memphis. Begleitet wird er von seiner allseits bewährten TCB-Band mit James Burton an der Leadgitarre, Glen D. Hardin am Piano, Ronnie Tutt am Schlagzeug, John Wilkinson an der Rhythmusgitarre und Duke Bardwell am Bass.

Dazu kommen die Backgroundsänger mit den Soulladies The Sweet Inspirations, die Gospeltruppe J.D. Sumner & The Stamps, eine neue durchweg männliche Gesangsformation namens Voice und die zierliche Sopranistin Kathy Westmoreland, das „kleine Mädchen mit der schönen hohen Stimme“, wie Elvis Presley sie dem Publikum gerne vorstellte.

Die Songauswahl des Konzerts in Richmond unterscheidet sich nicht wesentlich von der des bekannteren in Memphis. Elvis präsentiert bei beiden seine inzwischen zum Markenzeichen gewordene Kombination von Rock ’n’ Roll, Blues, Gospel und Balladen. Beim Richmond-Konzert fehlen allerdings der Klassiker My Baby Left Me und → How Great Thou Art, die beeindruckende Live-Interpretation vom 20. März 1974, die Elvis Presley einen weiteren Grammy (→Elvis und die Grammys) einbrachte:

  1. Also Sprach Zarathustra
  2. See See Rider
  3. I Got A Woman / Amen
  4. Love Me
  5. Trying To Get To You
  6. All Shook Up
  7. Steamroller Blues
  8. Teddy Bear / Don’t Be Cruel
  9. Love Me Tender
  10.  Medley Long Tall Sally / Whole Lotta Shaking’ Goin’ On / Your Mama Don’t Dance / Flip Flop And Fly / Jailhouse Rock / Hound Dog
  11.  Fever
  12.  Polk Salad Annie
  13.  Why Me Lord
  14.  Suspicious Minds
  15.  Vorstellung der Band
  16.  I Can’t Stop Loving You
  17.  Help Me
  18.  American Trilogoy
  19.  Let Me Be There
  20.  Funny How Time Slips Away
  21.  Can’t Help Falling In Love
  22.  Closing Vamp

Bonus-Tracks:

  1. Sweet Caroline
  2. Johnny B. Goode
  3. That’s All Right

Die drei Bonus-Tracks der CD stammen vom 1. Konzert dieser  März-Tournee in Tulsa/Oklahoma am 1.  März (Sweet Caroline) und von dem des 17. März in Memphis/Tennessee. Die gesamte Tournee vom Frühjahr 1974 mit insgesamt 25 Konzerten an nur 20 Tagen – das Richmond-Konzert vom 18. März ist das drittletzte dieser Tour de Force – war ein uneingeschränkter Erfolg und gilt bis heute als eine von Elvis Presleys besten. Die Nachfrage nach Tickets war so groß, dass Zusatzkonzerte angesetzt wurden.

48 Hours To Memphis: die Highlights

Von den ersten Klängen an ist bei diesem Konzert klar, das wird eine gute Show. Ein kraftvolles Trying To Get To You ist ein erster Höhepunkt…

Audio: Trying To Get To You, 1974

 

… gefolgt von einem richtig funkigen Steamroller Blues, bei dem Elvis lustvoll mit dem Text spielt und die Sweet Inspirations sich als soulige Backgroundgruppe wieder einmal gekonnt einbringt.

Audio: Steamroller Blues, 1974

 

Ein weiteres Highlight ist überraschenderweise das Rock ’n’ Roll-Medley, das hier nicht wie so oft in den 1970ern schnell angehandelt wird, sondern wirklich rockt und beim Publikum den Ausnahmezustand hervorruft. Augenzeugen zufolge war das das Signal für den Run in Richtung Bühne, einigen Ohnmachtsanfällen unter den Konzertbesuchern und einer Security, die alle Hände voll zu tun hatte, die Bühne frei zu halten.

Dass Elvis viel Spaß daran hatte, mit seinem Publikum zu spielen, beweist eine tolle Version von Fever, die er mit der Bemerkung „That’s a fun song to do“ beendet…

Audio: Fever, 1974

 

… um gleich darauf eine sehr dynamische Version von Polk Salad Annie zu bringen, bei der er Schlagzeuger Ronnie Tutt und Gitarrist James Burton mit direkter Ansprache und Karateeinlagen zur Höchstform antreibt.

Audio: Polk Salad Annie, 1974

 

Danach fährt das Konzert in etwas ruhigere Gewässer unter anderem mit einer kraftvollen Version von I Can’t Stop Loving You und einer sehr stimmungsvollen American Trilogy. Unter den Bonussongs ist vor allem That’s All Right besonders erwähnenswert, beweist sie doch, dass Elvis Presley auch seiner in den 1970ern nicht allzu häufig gebrachten allerersten Plattenaufnahme von 1954 noch eine Menge abgewinnen konnte.  

48 Hours To Memphis: Fazit Wer sich das Teil nicht zulegt, verpasst was! 48 Hours To Memphis mit dem Konzert in Richmond vom 18. März 1974  ist  eine erstklassige Ergänzung zu dem vom 20. März in Memphis → 40 Jahre: Elvis Recorded Live On Stage 1974.

8 Antworten
  1. Carmen
    Carmen says:

    Wollte mal wieder nur kurz reinschauen – wie so oft nix geworden! Seit 3 Stunden lese ich begeistert, höre Live-Mitschnitte, Outtakes, springe von einem Beitrag zum Anderen, kann einfach nicht aufhören. The Memphis Flash-Blog ist das Beste, was Elvis-Fans „passieren“ kann!
    Danke

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Warum besser? Weil Elvis Presley ausgelassener, ungehemmter mit dem Publikum agiert. Die Stimmung kommt authentischer rüber. 2011 habe ich dieses 2. wirklich tolle Live-Album von der Märztournee 1974 auch besprochen – aktuell “aufgehübscht” mit ein paar Audios zum Reinhören → Forty Eight Hours To Memphis Revisited! […]

  2. […] Brauer neu abgemischt wurden und nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – von dem bewährten Vic Anesini. Michael Brauer ist zwar ein alter Hase im Musikgeschäft mit eigenem Tonstudio in New York: […]

  3. […] live im März 1974 → 48 Hours To Memphis 11 […]

  4. […] läuft bei mir ja das Konzert Elvis in Richmond vom 18. März 1974 rauf und runter, aber es ist nicht zu Lebzeiten erschienen und kommt daher nicht in Frage. Das […]

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